Den Papst nannte er: "alt" und "realitätsfremd"

Neuanfang nach Missbrauchsskandal: Kardinal Woelki will Erzbischof bleiben

Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki
Kardinal Rainer Maria Woelki spricht ein Gebet im Kölner Dom. Foto: Henning Kaiser/dpa/Archivbild
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Woelki irritiert mit Äußerungen über Papst Franziskus

Wie kann ein Neuanfang nach dem Missbrauchsskandal für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki aussehen? Darum ging es bei einem zweitägigen, nicht öffentlichen Beratungstermin vor etwa 60 Mitgliedern des Diözesanpastoralrats in Düsseldorf. Woelki stellte klar, dass er Erzbischof bleiben wolle, legte sein Schicksal aber in die Hände des Papstes. Über Franziskus traf er Äußerungen, die mehrere Anwesende irritiert haben sollen, wie einige von ihnen später berichten.

Woelki: Der Papst ist "ein alter Mann"

Als „alt“ und „realitätsfremd“ habe er Papst Franziskus demnach beschrieben, berichteten mehrere Mitglieder übereinstimmend. Ein Sprecher des Erzbistums sagte, Woelki habe zwar die Formulierung „alter Mann“ für den 85-jährigen Papst verwendet, dies sei aber in keiner Weise despektierlich gemeint gewesen. Einer der Teilnehmer sagte über Woelki: „Wir haben einen ehrlichen, authentischen Bischof erlebt.“

Neuanfang? Woelki kündigt Reformen an

Bei dem Treffen kündigte Woelki zudem an, die Verwaltung des Erzbistums reformieren zu wollen. An der Spitze soll künftig kein Theologe mehr stehen, sondern ein Verwaltungsexperte. Der bisherige Generalvikar Markus Hofmann - Woelkis Stellvertreter - räumt dafür zum 1. Juli seinen Posten. Hofmann gilt als loyaler Unterstützer Woelkis, war aber zusammen mit diesem zunehmend in die Kritik geraten. Am Freitag hatte das Erzbistum mitgeteilt, dass bei einer Routineprüfung ein Vertrag im Stiftungsbereich des Erzbistums Köln aufgefallen sei, der einer weiteren Klärung bedürfe.

Die Bereitschaft, ihm eine zweite Chance zu geben, sei spürbar gewesen, sagte der Wuppertaler Stadtdechant Bruno Kurth im Anschluss – ebenso aber auch Skepsis. „Ich schwanke zwischen der realistischen Wahrnehmung dessen, was ich an den beiden Tagen erlebt habe, und dem Prinzip Hoffnung“, sagte Kurth. „Ich stelle mir mit Blick auf unser Erzbistum sorgenvoll die Frage: Kommen wir weiter - oder wiederholt sich Vieles, was wir vor der Auszeit schon erlebt haben?“

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Papst Franziskus hatte Woelki im vergangenen Jahr „große Fehler“ insbesondere in seiner Kommunikation vorgeworfen und ihn in eine fünfmonatige Auszeit geschickt. Zuvor war Woelki unter anderem in die Kritik geraten, weil er ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen aufgrund von rechtlichen Bedenken nicht veröffentlicht hatte. Woelki bot dem Papst seinen Rücktritt an, worüber dieser bisher aber noch nicht entschieden hat. Vor einem Monat hat Woelki seine Amtsgeschäfte zunächst wieder aufgenommen.