Britische Mutter schwört darauf

Kindererziehung durch Taschengeldkürzung und Bonus-Belohnung: Kann das funktionieren?

Kann man einem Kind gutes Verhalten mit Taschengeldkürzungen und Aufstockungen beibringen? Diese Frage beantwortet Pädagogin Elisabeth Elsner für uns.
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26. Oktober 2020 - 13:03 Uhr

Expertin schätzt Taschengeld-Erziehungsmethode ein

Soziale Medien können ja auch zu etwas nutze sein: Rat und Tat können organisiert werden. So auch in der britische Facebook-Gruppe "Organising your home and your life", wo über 72.000 Mitglieder zum Beispiel auch Freud und Leid der Kindererziehung erörtern. Eine Mutter von drei Jungs im Alter von 15, 13 und 9 postete dort unlängst eine Erziehungsmethode, die immer wieder in den sozialen Medien auftaucht - mal euphorisch gefeiert und mal stark kritisiert. Die Idee: Bestrafen durch Taschengeldkürzung und Belohnen durch Boni. Kann das funktionieren? Die Berliner Pädagogin Elisabeth Elsner hat dazu eine klare Meinung.

Taschengeld als Motivation für Hausarbeit und gutes Verhalten

Es soll ein Land geben, in dem Kinder den Eltern einigermaßen folgen und gerne machen, was ihnen aufgetragen wird. Der Sage nach liegt es irgendwo zwischen Ende der Autonomiephase (früher Trotzphase genannt) und Beginn der Pubertät. Manche sagen aber, es handele sich um Seemannsgarn, reine Erfindung, eine Fata Morgana. Zimmer werden grundsätzlich ungern aufgeräumt, Zähne nur unter Protest geputzt, die Dusche zu selten benutzt und die Hausaufgaben fühlen sich auch schon ganz vernachlässigt. Was also tun, um die Kinder in die Alltagsleben-Spur zu bringen?

Schon länger geht in den sozialen Medien die Idee um, das Taschengeld zum Zentrum erzieherischer Maßnahmen zu machen: Wird eine Regel gebrochen oder eine Aufgabe nicht erledigt, gibt es prompt Abzüge - für zusätzliche Dienste im Haushalt hingegen gibt es einen Taschengeld-Bonus.

Im Fall der britischen Dreifach-Mama sieht das dann zum Beispiel so aus: Pro Woche gibt's für die Jungs 10 Euro Start-Taschengeld. Abzüge in Höhe von 20 bis 50 Cent gibt's für unaufgeräumtes Zimmer, Hinterherräumen, Hausregelbruch - und, oho, wenn Muttis Make-Up oder Toilettenartikel benutzt werden. Belohnungen in Höhe von 30 Cent bis zu 1 Euro gibt es für Staubsaugen, Treppen putzen, beim Kochen helfen, selbst kochen, sich vor dem Schlafen gehen waschen und Zähne putzen oder andere von ihr definierte Aufgaben. Die Liste der Belohnungen und Bestrafungen können Eltern natürlich selbst festlegen. Die anderen Mitglieder von "Organising your home and your life" sehen diese Methode allerdings mit gemischten Gefühlen.

Pädagogin Elisabeth Elsner hält nichts davon

Eltern sollten ihrem Kind einen festgelegten Betrag an Taschengeld zur Verfügung stellen.
Eltern sollten ihrem Kind einen festgelegten Betrag an Taschengeld zur Verfügung stellen.
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"Belohnung und Bestrafung mit Geld sind für Kinder keine passende Erziehungsmethoden, weil es wie viele andere Methoden auch das Kind nur von außen motiviert zu handeln. Um nachhaltig einem Kind klar zu machen, wie es handeln soll, braucht es Motivation von innen", erklärt die Pädagogin. Demnach lerne ein Kind durch solche Strafen nicht, was es hätte richtig machen sollen, sondern nur, dass es etwas nicht bekommt, was eigentlich verlässlich sein sollte.

Elsner rät deswegen, dass der Taschengeldbetrag fix und berechenbar sein sollte und nicht unwillkürlich gekürzt werden darf. Andernfalls laufen die Eltern die Gefahr, dass ihr Kind das Vertrauen verliert. Ihr Ratschlag: Finger weg von Bestrafungen und lieber dem Kind erklären, was es anders machen könne – systematisch und liebevoll.

Wie viel Taschengeld angemessen ist, erfahren Sie in unserem Video.