"Kinder werden als Gourmets geboren"

So begeistern Sie Ihr Kind für neue Lebensmittel

Babys brauchen für Wachstum und Gesundheit viele wichtige Nährstoffe. Lässt sich das mit einer vegetarischen Ernährung vereinbaren? Hier finden Sie alle Infos und Tipps rund um die vegetarische Ernährung für das Baby.
Babys brauchen für Wachstum und Gesundheit viele wichtige Nährstoffe. Lässt sich das mit einer vegetarischen Ernährung vereinbaren? Hier finden Sie alle Infos und Tipps rund um die vegetarische Ernährung für das Baby.
© iStockphoto, Family Veldman

01. September 2020 - 16:33 Uhr

Viele Kinder lehnen Gemüse ab

Kein Gemüse, kein Salat, stattdessen am liebsten jeden Tag Nudeln: Vielen Eltern dürfte das bekannt vorkommen. Denn viele Kinder sind sehr wählerisch, was das Essen betrifft und lehnen viele Lebensmittel rigoros ab. Das sorgt nicht selten für Stress bei Eltern und Kindern. Dabei muss der laut Andrea Maier-Nöth gar nicht sein. Sie ist Professorin an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und Expertin für frühkindliche Geschmacksprägung. Sie erklärt, warum der typische deutsche Babybrei nicht unbedingt ideal ist und wieso Kinder als Gourmets und nicht als Suppenkasper geboren werden – und wie Sie die Experimentierlust Ihrer Kinder fördern können.

Babys bekommen im Alter zwischen fünf und sieben Monaten den ersten Brei

Wer Kinder hat, kennt die typischen Phasen der Beikosteinführung: Seit Jahrzehnten erhalten Babys im Alter zwischen fünf und sieben Monaten den ersten Brei. Meist handelt es sich dabei um einen Möhren- oder Pastinakenbrei. Der Grund: Möhren, Pastinaken und auch Kürbis gelten als allergenarm. Außerdem schmecken sie süßlich und werden von Babys, die mit einer Vorliebe für Süßes auf die Welt kommen, am ehesten akzeptiert. Doch damit legen wir laut Maier-Nöth den Grundstein dafür, dass Kinder später bitter schmeckende Gemüse eher ablehnen. "Kinder, die schon sehr früh einen abwechslungsreichen Speiseplan haben, sind bessere und unkompliziertere Esser als Kinder, die immer das gleiche Gemüse bekommen. Doch gerade in Deutschland ist es weit verbreitet, dass Kleinkinder bei der Beikosteinführung oft tagelang dasselbe bekommen", erklärt die Expertin.

In Frankreich beispielsweise sei es üblich, dass Babys schon früh Breie aus der eher bitteren Artischocke oder Aubergine und Zucchini bekämen. Maier-Nöth bemängelt außerdem, dass den Kindern oft Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei vorgesetzt werde, der es den Kleinen unmöglich mache, herauszufinden, wie Brokkoli oder Fleisch einzeln überhaupt schmecken.

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Was können Eltern tun, damit Kinder neuen Lebensmitteln aufgeschlossener gegenüberstehen?

Was wir mögen und was nicht ist nur zu etwa 20 Prozent genetisch veranlagt, das heißt, er wird zu 80 Prozent geprägt durch das, was wir in frühester Kindheit zu essen bekommen. Die Prägung des kindlichen Geschmacks und die Entwicklung von Vorlieben für bestimmte Lebensmittel beginnt laut der Expertin bereits im Mutterleib. "Über die Plazenta kann der Fötus bereits einen ersten Eindruck davon bekommen, wie gesunde Vielfalt schmeckt – oder eben nicht. Weiter geht es mit der Muttermilch: Je abwechslungsreicher sich die Mutter ernährt, umso abwechslungsreicher schmeckt auch die Milch", erklärt Maier-Nöth.

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Bis zu acht Versuche nötig, bis Babys ein Lebensmittel akzeptieren

Maier-Nöth rät Eltern daher dazu, ihren Kindern eine möglichst breite Palette an gesunden Lebensmitteln anzubieten. Auch, wenn viele Babys bestimmte Gemüsesorten wie Brokkoli oder Kohlrabi anfangs ablehnen, sollten Eltern nicht zu schnell aufgeben. "Eltern sollten ihr Kind dasselbe Gemüse immer wieder probieren lassen, am besten im Abstand von ein paar Tagen und mindestens achtmal. So kann es sich mit dem Geschmack vertraut machen und lernen, ihn zu mögen."

Nur nicht aufgeben - auch nicht bei älteren Kindern!

Laut der Expertin werden "Kinder als Gourmets geboren". Dies sollten sich Eltern zunutze machen, indem sie für eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen. Maier-Nöth rät dazu, auch älteren Kindern "Lebensmittel wie verschiedene Gemüse immer wieder anbieten, nicht zu schnell aufgeben und sie vielleicht mal zur Suppe zu pürieren."

Tolle Rezepte für abwechslungsreiche Babybreie finden Sie hier. Und wer es etwas ausgefallener mag, findet hier Anregungen für gesunde Kindergerichte. Viel Spaß beim Ausprobieren.