Keine Revision: Uli Hoeneß geht ins Gefängnis und legt seine Bayern-Ämter nieder

"Steuerhinterziehung war Fehler meines Lebens"

Uli Hoeneß will nicht länger kämpfen. Nach einer aufwühlenden Nacht hat der 62-Jährige einen radikalen Schnitt vollzogen: Er verzichtet auf eine Revision und akzeptiert damit die Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung und geht ins Gefängnis. Zudem tritt der Vereinspatron "mit sofortiger Wirkung" von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender beim FC Bayern zurück, um dem größten deutschen Sportverein weitere Belastungen zu ersparen. Wie geht es jetzt weiter mit Hoeneß?

Hoeneß geht ins Gefängnis
Uli Hoeneß verzichtet auf eine Revision und legt alle Ämter mit sofortiger Wirkung nieder, das teilte er in einer persönlichen Erklärung mit.
dpa, Andreas Gebert

"Nach Gesprächen mit meiner Familie habe ich mich entschlossen, das Urteil des Landgerichts München II in meiner Steuerangelegenheit anzunehmen. Ich habe meine Anwälte beauftragt, nicht dagegen in Revision zu gehen. Das entspricht meinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Steuerhinterziehung war der Fehler meines Lebens. Den Konsequenzen dieses Fehlers stelle ich mich", hieß es in der Erklärung. "Außerdem lege ich mit sofortiger Wirkung die Ämter des Präsidenten des FC Bayern München e.V. und des Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG nieder", schrieb er weiter. "Ich möchte damit Schaden vom meinem Verein abwenden. Der FC Bayern München ist mein Lebenswerk und er wird es immer bleiben. Ich werde diesem großartigen Verein und seinen Menschen auf andere Weise verbunden bleiben solange ich lebe. Meinen persönlichen Freunden und den Anhängern des FC Bayern München danke ich von Herzen für ihre Unterstützung."

Öffentlich dürfte das gefallene Vorbild mit diesem umfassenden Schlussstrich Achtung zurückgewinnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte "hohen Respekt". Hoeneß erspart sich weitere Rücktrittsforderungen aus Politik und Gesellschaft. Zudem schützt er sich, seine Familie und auch seinen Verein. Auch der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Entscheidung: "Seine Erklärung zeigt, dass er ein Mensch mit Format ist. Er hat sehr verantwortlich gehandelt, indem er auf die Revision verzichtet und seine Ämter niedergelegt hat."

Antritt der Haftstrafe in einigen Wochen

Entscheidend ist nun, ob auch die Münchner Staatsanwaltschaft auf Revision verzichtet. Das will sie Anfang kommender Woche entscheiden. Wenn sie das Urteil beim Bundesgerichtshof (BGH) anficht, beginnt eine neue Zitterpartie für den 62-Jährigen. Denn am Ende könnte unter Umständen auch eine längere Haftstrafe stehen. Ist dies nicht der Fall, wird das Urteil rechtskräftig und die schriftliche Urteilsbegründung der Staatsanwaltschaft zugestellt. Im Anschluss wird dann der Strafvollzug eingeleitet. Hoeneß wird die Ladung zum Strafantritt mit einem genauen Termin zugestellt.

Bis zum Haftantritt von Hoeneß werden voraussichtlich noch einige Wochen vergehen, erklärte Justizpressesprecherin Andrea Titz. Erst wenn er eine Ladung zum Strafantritt zugestellt wird, muss er seine Haftstrafe antreten. Da Hoeneß zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wurde, wird er diese in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech verbüßen müssen.

Wie lange Hoeneß tatsächlich im Gefängnis bleiben muss, ist nach Angaben von Titz "reine Spekulation". Möglich wäre, dass er nach etwa sechs Monaten zum Freigänger wird, falls er, was der Idealfall wäre, nach etwa 21 Monaten vorzeitig und auf Bewährung entlassen werden sollte.

Seine letzten Tage in Freiheit verbringt Hoeneß derzeit mit seiner Familie in seinem Haus in Bad Wiessee. Wartenden Reportern vor seinem Anwesen ließ der 62-Jährige Verpflegung bringen. Eine Frau verteilte Wurstsemmeln. "Schöne Grüße vom Uli Hoeneß", sagte sie und fügte lachend hinzu: "Es sind keine Handgranaten drin."

Der FC Bayern reagierte rasch auf Hoeneß' Rücktritt. Herbert Hainer (59), Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Adidas übernimmt "ab sofort bis auf weiteres" den Vorsitz. Diesen einstimmigen Beschluss fasste das Gremium um VW-Chef Martin Winterkorn.

Uli Hoeneß schuldet der Staatskasse rund 50 Millionen Euro, die sich aus den hinterzogenen Steuern plus Solidaritätszuschlag in Höhe von 28,5 Millionen Euro sowie Strafen und Verzugszinsen zusammensetzen. Er war am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht hatte seine Selbstanzeige für unwirksam erklärt. Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Hoeneß´ Anwälte hatten unmittelbar nach dem Urteil zunächst angekündigt, in Revision zu gehen.