Zeitweise frei von Corona

Istrien - der grüne Fleck auf der Corona-Europakarte

Istrien war stellenweise komplett frei von Corona-Infizierten
© privat

20. Oktober 2020 - 10:05 Uhr

Warum die Halbinsel so gesund ist

Rund 210.000 Einwohner leben auf der kroatischen Halbinsel Istrien. Der weitaus größte Teil Istriens gehört zu Kroatien, ein Teil des Nordens zu Slowenien und ein kleiner Landstrich um die Ortschaft Muggia zu Italien – Länder, welche von der Corona-Pandemie stark betroffen sind. Und trotzdem: Mit Blick auf die Europakarte bildet die kleine Halbinsel eine grüne Oase. Am 15. Oktober meldete das Robert-Koch-Institut 793 Corona-Fälle. Im Mai und Juni gab es stellenweise an manchen Tagen nicht einen einzigen Fall: Istrien war "corona-frei". Wie kann das sein?

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus können Sie im Liveticker auf RTL.de nachlesen +++

Die Region Istrien bemühte sich um Sonderstellung

Schon frühzeitig bemühte sich Istrien um eine Sonderstellung und ergriff andere Maßnahmen als andere Teile Kroatiens. "Angesichts der Tatsache, dass wir Italien sehr nahestehen und täglich eine große Anzahl von Menschen aus Istrien in Italien zur Arbeit geht, haben wir seit Anfang Februar die Situation in Italien verfolgt und uns rechtzeitig auf eine mögliche Ausbreitung der Infektion vorbereitet. Als sich die Situation in Italien verschlechterte, haben wir sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, die letztendlich den gesamten Verlauf des erfolgreichen Kampfes gegen Covid-19 bestimmten. Acht Tage, bevor der nationale Krisenstab die bekannten Schutzmaßnahmen einführte, haben wir auf regionaler Ebene bereits die Reise- und Bewegungsfreiheit durch Istrien eingeschränkt, die Arbeitszeit bestimmter Institutionen und Geschäfte reduziert und auf diese Weise das ganze Ausmaß dieser COVID-19-Pandemie verhindert." sagte der Direktor des istrianischen Tourismusverbandes, Denis Ivošević gegenüber sea-help.eu.

Quarantänepflicht für ausländische Saisonarbeiter

Als im Sommer die Zahl der Corona-Infektionen in die Kroatien in die Höhe schossen, reagierte Istrien umgehend. In allen Geschäften wurde das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht, vor Betreten eines Geschäfts mussten die Hände desinfiziert werden. Pro 100 Quadratmeter Verkaufsfläche durften nur 15 Kunden einen Supermarkt betreten. Bei Wochenmärkten, die unter freiem Himmel stattfinden, wurden 20 Besucher pro 100 Quadratmeter Fläche zugelassen. Auch hier galt eine Maskenpflicht. Ebenso durften Fahrer von öffentlichen Verkehrsmitteln keine Menschen mehr ohne Maske transportieren. Auch am Strand galten besondere Vorsichtsmaßnahmen: Weit auseinander stehende Liegen, die regelmäßig desinfiziert wurden.

Saisonarbeiter, die aus Bosnien und Herzegowina, dem Kosovo, Serbien und Nord-Mazedonien nach Kroatien strömten, mussten direkt in eine 14-tägige Quarantäne.

Istrien sagte alle Veranstaltungen in der Sommersaison ab und erarbeitete Konzepte. "Wir haben viel investiert, um den Urlaub für alle Beteiligten sicher zu machen", sagte Ivošević gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Es scheint, als hätten sich Urlauber und Einheimische in Istrien vorbildlich verhalten, um sich so ihre kleine grüne Oase inmitten der roten Corona-Pandemie zu bewahren.

Video-Playlist: Was Sie jetzt zum Coronavirus wissen sollten