Gesundheitsrisiko für Mensch & Tier

In Vietnam boomt der Handel mit Katzenfleisch

Katzen gelten in Vietnam als Delikatesse.
© iStockphoto, JordiStock

05. September 2020 - 10:02 Uhr

Vietnamesisches Spezialgericht: „Little Tigers“ auf der Speisekarte

Laut neuer Recherchen der Tierschutzorganisationen "VIER PFOTEN" und der "Change For Animals Foundation" werden in Vietnam jährlich rund eine Millionen Katzen - darunter sowohl Streuner als auch Haustiere - eingefangen und geschlachtet. Das Fleisch der Tiere gilt in dem südostasiatischen Land als Delikatesse. Restaurants bieten die Tiere sogar als "Little Tigers" auf der Speisekarte an. Außerdem glaubt insbesondere der ältere Teil der Bevölkerung, dass das Essen von Katzenfleisch sie vor Unglück bewahrt. Doch das Geschäft mit den Tieren ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und die Gesundheit.

Der Handel mit Hunde- und Katzenfleisch könnte eine tickende Zeitbombe sein

Die aktuelle Covid-19-Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig der Zusammenhang zwischen Tierhandel und der menschlichen Gesundheit ist. Denn auch wenn der genaue Übertragungsweg noch nicht eindeutig geklärt ist, wissen wir, dass das Virus nicht künstlich im Labor hergestellt wurde, sondern ursprünglich von einem Wildtier stammt, wie diverse Wissenschaftler und das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigen.

Auch die verbotenen Praktiken im Hunde- und Katzenfleischhandel sollen dafür verantwortlich sein, dass immer wieder neue Viren entstehen und sich verbreiten. Diese Entwicklung hat nicht nur Auswirkungen auf die Tiere, sondern kann auch für uns Menschen gefährlich werden. Es drohen Tollwut-Ausbrüche und Zoonosen - also Infektionskrankheiten die sich vom Tier auf den Menschen übertragen können und umgekehrt, ähnlich wie bei dem Coronavirus. Doch der Regierung in Vietnam scheint das egal zu sein. Januar 2020 kippte sie ein Gesetz, das den Konsum von Katzenfleisch zuvor verboten hatte. Seitdem boomt der Katzenfleischhandel wieder - besonders im Norden des Landes.

Auch Haustiere werden gestohlen

Besonders tragisch: Um die große Nachfrage zu decken, sollen sogenannte Katzenjäger sowohl frei herumlaufende Streuner einfangen als auch Haustiere stehlen, erklären die Tierschützer von VIER PFOTEN auf ihrer Webseite. Spezielle Farmen, auf denen eigens für den Fleischhandel Katzen gezüchtet werden, konnten sie während ihrer Recherchen nicht ausfindig machen.

"Bei den Großhändlern haben wir zahlreiche Katzen mit Halsbändern entdeckt – ein eindeutiges Indiz, dass sie Haustiere waren. Im Zuge unserer Investigationen haben wir auch viele Haustierbesitzer getroffen, die verzweifelt ihre gestohlenen Katzen suchten. Die Behörden schauen hier meistens weg. Sie sind oft selbst in den Katzenfleischhandel involviert, profitieren von Bestechungsgeldern oder sind schlichtweg Konsumenten", bestätigt Dr. Katherine Polak, Tierärztin und Leiterin der VIER PFOTEN Streunerhilfe in Südostasien.

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Tierquälerei auf ganzer Linie

Einige der Restaurants, die die Tiere als "Little Tigers" (Kleine Tiger) auf der Speisekarte anbieten, würden die Katzen sogar direkt vor Ort schlachten, berichten die Tierschutzorganisationen. Die meisten jedoch arbeiteten mit Schlachthäusern und Großhändlern zusammen. Das führe dazu, dass die Tiere oft tagelang von den Händlern in kleine Käfige eingepfercht werden, bis sie genügend Katzen eingesammelt haben, so die Tierschützer. Anschließend würden die Tiere - egal ob gesund oder krank - ohne ausreichend Wasser, Futter und Luftzufuhr in die im ganzen Land verteilten Schlachthäuser gebracht werden.

"Einige Großhändler nutzen dafür sogar auch die Gepäckräume von regulären Passagierbussen", berichtet Lola Webber, Mitgründerin der Change For Animals Foundation. Doch die Tortur sei für die kleinen Tiere dann noch nicht zu Ende: In den Schlachthäusern würden sie - sollten die die Fahrt dorthin überhaupt überlebt haben - ertränkt, erschlagen, lebendig gekocht oder mittels Stromschlag getötet, so Webber weiter.

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Das Fleisch von schwarzen Katzen ist besonders viel wert

Für die Händler sei der Handel mit Katzenfleisch lukrativ: Rund 7,50 € sei das Kilo Katzenfleisch wert, wie die Recherche der Tierschutzorganisationen ergab. Wird dagegen das Fleisch von schwarzen Katzen verkauft, steige der Profit sogar: Für rund 18,90 € pro Kilo verkauften die Händler das "Premium-Fleisch".

Doch warum ist das Fleisch von Katzen in Vietnam so beliebt? Für viele junge Menschen im Land gilt das Katzenfleisch schlichtweg als Delikatesse. Bei einem Großteil der älteren Bevölkerung hängt der Verzehr von Katzenfleisch dagegen mit Aberglaube und Bräuchen zusammen. Besonders das Fleisch von schwarzen Katzen ist für sie wertvoll, da es angeblich eine heilende Wirkung haben soll. Wissenschaftlich belegt ist dies nicht.

Der Kampf gegen den Hunde- und Katzenhandel

Um die potentielle Quelle einer nächsten Pandemie zu verhindern, fordern die Tierschützer die Regierung in Vietnam dazu auf, den brutalen Handel mit Katzen- und Hundefleisch zu beenden. "Damit werden nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen geschützt", erklärt Dr. Karanvir Kukreja, Tierarzt und Projektmanager der VIER PFOTEN Kampagne. Außerdem hat VIER PFOTEN eine Petition gestartet, um Unterschriften zu sammeln, damit die Tierquälerei langfristig ein Ende findet.