Schlauer als gedacht

Japanische Studie: Katzen wissen meist genau, wo sich ihre Besitzer aufhalten

Katzen wird gerne nachgesagt, dass sie sich nicht für ihre Besitzer interessieren - doch stimmt das? Eine neue Studie gibt überraschende Erkenntnisse
Katzen wird gerne nachgesagt, dass sie sich nicht für ihre Besitzer interessieren - doch stimmt das? Eine neue Studie gibt überraschende Erkenntnisse
© picture alliance, Zoonar, KOKHANCHIKOV

16. November 2021 - 14:58 Uhr

Ist das Vorstellungsvermögen von Katzen größer als gedacht?

Ergebnisse einer neuen japanischen Studie belegen, dass Katzen im häuslichen Umfeld eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wo genau sich ihre Besitzer gerade befinden.

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Studie bestätigt: Katzen wissen meistens genau, wo wir uns aufhalten

Falls ihr jemals darüber nachgedacht habt, ob sich eure Katze dafür interessiert, wo genau ihr euch aufhaltet und was ihr den lieben langen Tag so tut, gibt eine neue Studie nun genau darüber Aufschluss: Katzen scheinen ihre Besitzer ganz genau zu verfolgen, während sie sich im Haus bewegen, und sind überrascht, wenn sie an einem Ort auftauchen, an dem sie sie nicht erwarten.

Das Forschungsergebnis bestätigt die These, dass sich Katzen – quasi im Hinterkopf – ständig eine Vorstellung davon machen, wo sich ihre Besitzer gerade aufhalten, auch wenn sie sie nicht sehen können. Katzen gehören ja seit jeher zu den eher undurchschaubaren Kreaturen. Obwohl frühere Forschungen darauf hindeuteten, dass Katzen beispielsweise an der richtigen Stelle suchen, wenn – versuchsweise – das Futter verschwindet, und beispielsweise auch erwarten, das Gesicht ihrer Besitzer zu sehen, wenn sie zuvor ihre Stimme hören, war unklar, wie sich diese Fähigkeiten im realen Leben auswirken würden.

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So funktionierte das Katzen-Experiment der Universität Kyoto

Es werde behauptet, "dass Katzen nicht so an ihren Besitzern interessiert sind wie Hunde, aber wir hatten diesbezüglich Zweifel", sagte Dr. Saho Takagi von der Universität Kyoto in Japan im Gespräch mit dem britischen "Guardian" der zuerst über die Studienergebnisse berichtet hatte.

Um diese Frage näher zu untersuchen, zeichneten Takagi und Kollegen auf, was passierte, als 50 Hauskatzen einzeln in einem Raum eingeschlossen wurden, und wiederholt ihren Besitzer von außen ihren Namen rufen hörten, gefolgt von der Stimme eines Fremden oder der ihres Besitzers die über einen Lautsprecher auf der gegenüberliegende Seite des Raumes, den sie bewohnten, übertragen wurde. Zuerst wähnen die Tiere die Menschen also außerhalb des Raumes um dann urplötzlich deren Stimme innerhalb zu vernehmen.

Acht "blinde" menschliche Beobachter – also solche, die mit den Tieren zuvor noch nicht bekannt waren – beobachteten diese Aufnahmen und bewerteten den Überraschungsgrad der Katzen anhand ihrer Ohr- und Kopfbewegungen.

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Erkenntnis: Katzen haben größere Auffassungsgabe als gedacht

Erst als plötzlich die Stimmen ihrer Besitzer im Raum auftauchten, was darauf hindeutete, dass die Besitzer sich irgendwie – von den Tieren unbemerkt – dorthin bewegt haben müssen, wirkten die Katzen verwirrt. "Diese Studie zeigt, dass Katzen ihren Standort anhand der Stimme ihres Besitzers mental bestimmen können", sagte Takagi, dessen Forschung in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse legten nahe, "dass Katzen die Fähigkeit haben, sich das Unsichtbare in ihrem Kopf vorzustellen. Katzen [können] einen tieferen Verstand haben, als man denkt", fasst Takagi zusammen.

Es ist jedoch nicht völlig überraschend, dass Katzen diese Fähigkeit besitzen: "Dieses Bewusstsein für Bewegung – das Aufspüren von Dingen, die sie nicht sehen können – ist entscheidend für das Überleben einer Katze", wird Roger Tabor, Biologe, Autor und Moderator der BBC-Fernsehserie "Cats", vom "Guardian" zitiert..

Zum alltäglichen Job einer Katze gehöre es, zu wissen "wo andere Katzen sind. Es ist auch für die Jagd wichtig: Wie könnte eine Katze eine Feldmaus fangen, die sich unter dem Gras bewegt, wenn sie nicht mit Hinweisen wie gelegentlichem Rascheln vor ihrem geistigen Auge sehen könnte, wo sie sich befinden? Der Besitzer einer Katze ist in ihrem Leben als Nahrungs- und Sicherheitsquelle äußerst wichtig, daher ist es sehr wichtig für die Tiere zu wissen, wo wir sind", ergänzt Tabor.

Stimme ist wichtiger Bestandteil für die Bindung zwischen Mensch und Katze

Anita Kelsey, eine britische Verhaltensforscherin für Katzen und Autorin von "Let's Talk About Cats", sagte dem "Guardian": "Katzen haben eine enge Beziehung zu uns und die meisten fühlen sich in unserem Umfeld wohl und sicher, sodass unsere menschliche Stimme Teil dieser Bindung oder Beziehung ist. Wenn ich mit Katzen zu tun habe, die unter Trennungsangst leiden, empfehle ich normalerweise nicht, zu Hause die Stimme des Besitzers hörbar zu machen, weil dies Angst verursachen kann, da die Katze die Stimme hört, aber nicht weiß, wo ihr Mensch ist."

Seltsamerweise zeigten die Katzen nicht die gleiche Überraschungsreaktion, wenn die Stimmen der Besitzer durch Katzenmiauen oder elektronische Geräusche ersetzt wurden. Möglicherweise liegt dies daran, dass erwachsene Katzen nicht dazu neigen, die Stimme als Hauptkommunikationsmittel zu verwenden, sondern sich viele stattdessen auf andere Hinweise wie den Geruch verlassen. (stern.de/km)

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst bei stern.de