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Katie Stubblefield verliert mit 18 ihr Gesicht – und bekommt dank einer Transplantation eine zweite Chance

Transplantation: Ärzte schenken Katie ein neues Gesicht
Transplantation: Ärzte schenken Katie ein neues Gesicht Sie schoss sich mit 18 in den Kopf 01:10

"Und ihr Gesicht war weg"

Ein Schuss. Blut. Die 18 Jahre alte Katie, die auf dem Badezimmerboden liegt. "Und ihr Gesicht war weg". Wenn Robert Stubblefield beschreibt, wie er seine Schwester am 25. März 2014 vorfindet, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Kurz bevor er die Tür zum Badezimmer eintritt, schießt Katie sich durch ihr Kinn. Ein Selbstmordversuch. Das Mädchen aus Oxford, Mississippi überlebt. Doch ihr Gesicht ist nicht mehr das alte. Ärzte transplantieren ihr ein neues Gesicht. Für Katie die Chance auf ein neues Leben.

Der Tag, an dem sich alles ändert

"Es war ein Moment. Ein Moment, 20 Sekunden, der unser Leben veränderte." Katies Mutter Alesia wird den Tag wohl niemals vergessen, an dem sich ihre Tochter umbringen will. Katies Leben ist durcheinandergeraten. Die Familie ist mehrfach umgezogen, Katie kämpft mit Magen-Darm-Beschwerden, muss Blinddarm und Gallenblase entfernt bekommen, die Eltern verlieren ihre Jobs. Als die damals 18-Jährige Nachrichten eines anderen Mädchens auf dem Handy ihres Freundes findet, ist offenbar alles zu viel. Wütend fährt sie zu ihrem Bruder Robert. Während er Mutter Alesia anruft und mit ihr am Telefon darüber spricht, wie es Katie geht, sperrt sie sich im Badezimmer ein und greift zur Waffe.

"Ich fühle mich so schuldig"

Katie selbst kann sich nicht an den Tag erinnern. Das ganze Jahr 2014 scheint wie weggefegt. Als ihre Eltern ihr erzählen, was passiert ist, kann sie es nicht glauben. "Ich habe nie darüber nachgedacht, so etwas zu tun. Als ich hörte, was ich gemacht habe, wusste ich gar nicht, wie ich damit umgehen sollte", gesteht sie jetzt dem "National Geographic". "Ich fühlte mich so schuldig, dass ich meiner Familie so viel Kummer bereitet habe. Ich fühlte mich schrecklich."

Für Katies Familie beginnt eine harte Zeit. Die Eltern ziehen in eine Wohnung in der Nähe des Krankenhauses, in dem ihre Tochter behandelt wird. Katie wird zu ihrem Full-Time-Job. "National Geographic" hat die junge Frau und ihre Familie zwei Jahre lang begleitet. Zwei Fotografen hielten Katies steinigen Weg zurück ins Leben fest, waren von der Planung der Gesichtstransplantation bis zur Operation mit dabei. Ihre Reise zurück ins Leben veröffentlicht das Magazin in seiner September-Ausgabe.

Katie lebt drei Jahre lang ohne Mund und Nase

Drei Jahre liegen zwischen dem Tag, an dem Katie versucht, sich umzubringen und dem Tag der Gesichtstransplantation. Drei Jahre, in denen Katie ohne Mund und Nase lebt, mit einem Gesicht, das nur provisorisch zusammengeflickt ist. Um sie auf die Transplantation vorzubereiten, müssen die Ärzte Katies Gesicht in 17 Operationen reparieren. Mit Gewebe aus ihrem Bein stellen sie die nicht mehr vorhandene Nasen- und Mundpartie sowie den Unterkiefer wieder her. Katie selbst hat ihr entstelltes Gesicht nie gesehen.

Gesichtstransplantation schenkt ihr ein neues Leben

Am 4. Mai 2017 ist es dann soweit. In einer 31 Stunden langen Operation vollführen elf Chirurgen einer Spezialklinik in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio eine medizinische Meisterleistung. Sie transplantieren Katie das Gesicht einer Frau, die mit 31 Jahren an einer Überdosis starb. Es ist die 40. Gesichtstransplantation überhaupt.

Während der laufenden OP zeigen die Ärzte den Eltern immer wieder Bilder vom aktuellen Stand, klären über Risiken auf. Obwohl die Gefahr für Infekte deutlich höher ist, haben sich Katies Eltern für die Transplantation des gesamten Gesichts entschieden. Zwar ist das Risiko bei einer partiellen Transplantation deutlich geringer, das Gesicht sähe aufgrund leicht variierender Hautfarben aber "zerstückelt" aus.

"Es fühlt sich unglaublich an"

Für Katie ist die gelungene Gesichtstransplantation ein Schritt in ein neues Leben. "Ich kann jetzt mein Gesicht berühren und es fühlt sich unglaublich an", erzählt sie "National Geographic". Katie wird ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen müssen, damit ihr Körper das fremde Gesicht nicht abstößt. Sie geht zur Physio- und Sprachtherapie und erlernt die Blindenschrift. Sie ist dankbar. Für eine neue Chance, für ein zweites Leben. Katies großes Ziel: Sie möchte Beraterin werden, mit Jugendlichen über den Wert des Lebens sprechen, denn: "So viele Menschen haben mir geholfen, jetzt möchte ich anderen helfen".

Hier finden Sie Hilfe in schwierigen Situationen

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen oder sorgen Sie sich um einen Angehörigen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich. Unter frnd.de finden Sie eine Übersicht über Hilfsangebote.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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