Beliebtes Hausmittel im Ärzte-Check

Kartoffeln, Zwiebeln & Co: Welche Wickel wirken wann?

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11. Dezember 2019 - 18:43 Uhr

„Die Oma hat einfach Recht!“

Ob kühle Wadenwickel bei Fieber oder Zwiebeln, wenn die Öhrchen schmerzen: Viele Eltern schwören darauf, Wehwehchen bei ihrem Nachwuchs wegzuwickeln – ganz nach Omas bewährtem Hausmittel. Aber welche Umschläge machen bei welchen Beschwerden Sinn? Dr. Heinz-Wilhelm Esser, Oberarzt für Innere Medizin und Leiter der Pneumologie am Klinikum Remscheid, klärt auf.

Kartoffelwickel

Bei einer Erkältung mit verstopfter Nase können Kartoffelwickel richtig guttun. "Kartoffeln einfach so lange kochen, bis sie richtig matschig sind und man sie mit der Hand zerdrücken kann," empfiehlt Dr. Esser. "Dann in einen Waschlappen geben und den Kartoffelwickel auf die Nasennebenhöhlen oder auf die Bronchen legen. Diese feuchte Wärme sorgt dafür, dass sich das Sekret verflüssigt und die Nebenhöhlen nicht chronisch zuschwellen, außerdem entspannt sie. Aber aufpassen: Nicht zu heiß, sonst besteht Verbrennungsgefahr!"

Meerrettichwickel

Nicht so bekannt wie Kartoffelwickel, aber eine scharfe Sache: "In Meerrettich sind Senföl-Glykoside drin. Sie wirken antibakteriell, antiviral und sorgen auch dafür, dass das Sekret verflüssigt wird. Die mittelscharfe Paste kommt in Maßen, etwa einen Zentimeter, auf ein kleines Baumwolltuch, das man sich auf die Nebenhöhlen legt – aber keinen direkten Hautkontakt!", so die Anleitung des Arztes. Der Wickel bleibt dann etwa 15 bis 20 Minuten drauf. "So lange, wie es gut erträglich ist. Da muss man ein bisschen vorsichtig sein, der ein oder andere reagiert da stärker, dann können auch mal die Augen tränen."

Wirsingwickel

Die Kohlart empfiehlt sich vor allem bei Gelenkschmerzen. "Wirsing wirkt anti-entzündlich, hier sind sekundäre Pflanzenstoffe und ebenfalls Senföl-Glykoside enthalten," erklärt Dr. Esser. Und die haben es laut dem Experten und der aktuellen Studienlage in sich: "Die Wirkung ist genauso stark wie bei diversen Mitteln aus der Apotheke – nur ohne Nebenwirkungen."

Die Anwendung ist einfach: Den Strunk entfernen, dann das Blatt einmal plattwalzen, um die Wirkstoffe freizusetzen – etwa mit einem Nudelholz. "Bei Knie- oder Ellenbogenschmerzen auf das Gelenk auflegen, mit einer Bandage umwickeln und zwölf Stunden oder über Nacht die Entzündung 'herausziehen'", empfiehlt Dr. Esser.

Zwiebelwickel

Der Klassiker: Von warmen Zwiebelwickeln, die Eltern gerne bei ihren Kindern mit Ohrenproblemen anwenden, hält Dr. Esser viel: "Die feuchte Wärme hilft etwa bei Mittelohrentzündungen, das Sekret zu verflüssigen und abfließen zu lassen. Vor allem enthalten Zwiebeln aber den Wirkstoff Alliin, der entzündungshemmend, gegen Bakterien und Viren wirkt. Ein super Hausmittel!"

Und so geht's: Zwiebeln klein schneiden und erwärmen. Dann in eine Baumwollkompresse oder einen Waschlappen füllen, diesen sanft ans Ohr drücken und mit einem Tuch festbinden. Aber Achtung: "Zwiebeln bitte nie einfach so auf die Haut geben!"

Quarkwickel

Wohltuender Effekt: "Bei Schmerzen durch Entzündungen kühlen Quarkwickel wunderbar", empfiehlt der Profi. "Wichtig ist nur: Nicht direkt aus dem Kühlschrank aufs Knie, sondern etwas erwärmen lassen und dann locker in einer Kompresse ums Gelenk wickeln. Er sollte mehr als 26 Grad warm sein."

Augen auf beim Wickeln!

Um die Symptome wirklich zu lindern, statt zu verschlimmern, gilt es, ein paar Dinge zu beachten: "Egal ob kalte oder heiße Wickel: "Nie zu heiß oder zu kalt machen", warnt der Arzt. "Auch wenn man vielleicht denken mag, dass man zum Senken von Fieber eiskalte Wickel um die Waden legt – bitte nicht! Der Unterschied zur Körpertemperatur sollte maximal fünf bis sieben Grad betragen."

Vorsicht ist außerdem bei Allergien und Asthma geboten: "Viele Substanzen haben ätherische Öle, darum wirken sie auch so gut. Bei Allergikern oder Asthmatikern können sie aber genau zum gegenteiligen Effekt führen.