NJ-Spezial: Karl Lauterbach als "Digital- und Forschungsminister" in Israel

Was der Gesundheitsminister im Nahen Osten lernen will

Was der Gesundheitsminister im Nahen Osten lernen will Karl Lauterbach macht den "Digitalminister"
10:33 min
Karl Lauterbach macht den "Digitalminister"
Was der Gesundheitsminister im Nahen Osten lernen will

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von Philipp Sandmann

Karl Lauterbach ist zu Besuch in Israel. Auf der Reise wird klar: Der Bundesgesundheitsminister will hier lernen, wie er das deutsche Gesundheitswesen digitaler machen kann. Zumindest in der Ampel-Koalition hat Lauterbach dafür großen Rückhalt.

Im Video spricht der Bundesgesundheitsminister mit RTL-Reporter Philipp Sandmann exklusiv über die Digitalisierung des Gesundheitssystems und den bevorstehenden Corona-Winter.

Israel als Modell für Deutschland?

Wenn Karl Lauterbach über Israel spricht, dann gerät er ins Schwärmen. Das Land habe die entscheidenden Daten zur Corona-Impfung geliefert, kein Land habe „auch nur annähernd“ so einen großen Einfluss in der Pandemie gehabt, wie Israel.

Lauterbach, der in Deutschland zuletzt dafür kritisiert wurde, sein Amt zu chaotisch zu führen, wirkt bei seinem Besuch in Israel in seinem Element und verkörpert eher einen Digital- oder Forschungsminister: „Digitalisierung wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit in den kommenden drei Jahren“, kündigt er an.

Konkret will Lauterbach aus Israel Knowhow mitnehmen, um z.B. die elektronische Patientenakte in Deutschland endlich richtig effizient zu machen: „Israel gelingt es wie keinem anderen Land der Welt, mit den Daten, die in der Medizin im Routinebetrieb gewonnen werden, Studien zu machen. Das macht die Versorgung besser“, erklärt der Minister im Gespräch mit ntv. Somit erhalte man wichtige Informationen zur Wirksamkeit von Medikamenten in der Praxis: „Das ist faszinierend und das wollen wir in Deutschland auch einführen mit der elektronischen Patientenakte.“ Die Patientenakte solle „sehr transparent“ ausgestaltet werden.

„Angst vor der deutschen Bürokratie“

Mit seinem israelischen Amtskollegen Nitzan Horowitz unterschrieb Lauterbach bereits am Sonntag eine Absichtserklärung. Die beiden Länder wollen in Zukunft im Gesundheitswesen noch enger zusammenarbeiten, auch bei der Pandemiebekämpfung.

Neben einer Kranzniederlegung bei der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, besuchte Lauterbach am Sonntag auch das Hadassah Medical Center in Jerusalem, ein führendes Krankenhaus in Israel.

Dass mittlerweile auch im Ausland angekommen ist, dass Deutschland, was Digitalisierung und Bürokratie anbetrifft, ein ziemlich verstaubtes Land ist, wird beim Rundgang durch das Krankenhaus klar. Da trifft ein Teil der deutschen Delegation (Lauterbach ist in diesem Moment nicht dabei) im Gang auf eine deutsche Krankenschwester, die etwas schüchtern reagiert. Der Chefarzt, der daneben steht, sagt halb im Spaß und halb ernst in Richtung Gruppe: „Sie hat wohl Angst vor der deutschen Bürokratie.“

Bürokratie: Das wird auch für Lauterbach die größte Hürde bei seinen Vorhaben in den nächsten Jahren. Mehrfach betont der Minister auf der Reise aber, dass er gerade beim Thema Digitalisierung den größten Rückhalt in der Ampel habe – auch seitens FDP und Grünen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach besucht ein Krankenhaus in Israel
Als Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ein Krankenhaus in Israel besucht, werden die Unterschiede in der Digitalisierung der beiden Länder erneut sehr deutlich.
Christophe Gateau, deutsche presse agentur

Lauterbach warnt vor weiteren Pandemien

Auf der WHO-Regionalkonferenz traf Lauterbach am Montag dann auf viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Gesundheitswesen. Der Minister warnte in seiner Rede: „Nur wenn wir wesentliche Änderungen zulassen, können wir zukünftige Pandemien abmildern oder verhindern.“

In einem Interview für das „RTL Nachtjournal“ äußert sich Lauterbach auch zur Corona-Situation in Deutschland und verteidigt die strengen Regeln im neuen Infektionsschutzgesetz: „Im Moment werden die Regeln angegriffen, weil sie zu streng sind. Das sind aber genau die Regeln, die wir benötigen, um das rechtzeitig in den Griff zu bekommen.“ Lauterbach fügt hinzu: „Ich glaube, dass andere europäische Länder, wenn die Fälle ansteigen sollten, auch noch strengere Regeln beschließen werden.“

Am Dienstagabend fliegt Lauterbach zurück nach Deutschland. Dort, so sagt er selbst, könne der Herbst „schwierig“ werden, wenn hohe Energiepreise und „massive Belastungen“ wegen Corona zusammenkämen. Trotzdem zeigt sich der Minister optimistisch: „Ich glaube, dass wir an dieser Herausforderung wachsen werden und dass wir zum Schluss sagen: Das waren schwere Zeiten, aber wir haben es geschafft.“

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