Manche haben's, manche nicht

Deshalb tun die Zähne weh, wenn man etwas Kaltes isst

Dieser Anblick ist für kälteempfindliche Menschen ein purer Graus! Daran ist ein bestimmtes Molekül Schuld, wie Forscher herausfanden.
Dieser Anblick ist für kälteempfindliche Menschen ein purer Graus! Daran ist ein bestimmtes Molekül Schuld, wie Forscher herausfanden.
© picture-alliance/ dpa/dpaweb, Felix Heyder

16. Juni 2021 - 14:29 Uhr

Genüsslich ein Eis essen? Für manche eine Qual!

Für viele ist allein die Vorstellung Schmerz pur: Jemand, der mit den Vorderzähnen in ein Eis beißt. Den Grund für diesen Kälteschmerz hat ein internationales Forschungsteam geliefert, an dem auch Mitarbeiter der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mitgewirkt haben. Grund ist ein bestimmtes Molekül. Welches Geheimmittel bald diesen Kälteschmerzen stoppen könnte, das lesen Sie hier.

Das Rätsel ist gelöst!

Schuld an dem Kälteschmerz ist der körpereigene Kältesensor namens TRPC5. Ein Ionenkanal, der sich unterhalb der Zahnoberfläche befindet und Temperaturänderung wahrnimmt: "Sie besitzen einen Fortsatz, der in einem feinen Kanälchen verläuft, wo er die Temperaturänderungen misst und sie elektrisch an das Gehirn weitergibt und so die schmerzhafte Reaktion auslöst", so Prof. Dr. Katharina Zimmermann der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.

Geschädigter Zahn gibt Warnsignal

Zähne können mit der Zeit kälteempfindlicher werden. In entzündeten Zähnen mit Karies konnte das Forschungsteam überdurchschnittlich viel des TRPC5-Moleküls feststellen. Löcher aber auch Zahnfleischerosionen tragen so zu kälteempfindlichen Zähnen bei. Die Kälteempfindlichkeit könnte nach den Forschern eine Art Warnsignal sein, um weitere Schäden am Zahn zu vermeiden. Ein direkter Hinweis an unser Gehirn also.

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Das Experiment

Die Forscher konnten diese Erkenntnis anhand von Experimenten an Mäusezähnen gewinnen. Verglichen wurden Mäuse mit TRPC5 und Mäuse ohne das Molekül. Das Ergebnis: "Es zeigte sich, dass TRPC5 für einen Großteil der Kaltantworten im Zahn entscheidend ist und dass TRPC5-Antagonisten die Kaltantworten blockieren", so Dr. Bernal. Ebenfalls stellten sie fest, dass Mäuse ohne das TRPC5-Molekül auch nach einer Entzündung keinerlei empfindlichere Zähne aufweisen.

Weitere mögliche Ursachen für schmerzempfindliche Zähne können sein:

  • Parodontitis
  • Zähneknirschen
  • zu harte Zahnbürste
  • zu viel Druck beim Zähneputzen
  • Alterserscheinung

Hoffnung für Betroffene

Ein uraltes Hausmittel soll Abhilfe schaffen: Nelkenöl. Es ist seit Jahrhunderten ein Mittel gegen Zahnschmerzen und könnte auch hier ein entscheidender Faktor bei der Bekämpfung von Kälteschmerz sein, stellten die Forscher fest. Denn Nelkenöl enthält die Chemikalie Eugenol und die könnte den TRPC5 als Kältesensor quasi blockieren.

Aber die Forscher warnen: Das Blockieren der Schmerzen könnte eine vorübergehende Linderung bringen, aber der Weg zum Experten sei unumgehbar. Denkbar ist aber, dass durch die neuen Erkenntnisse Produkte auf den Markt kommen, die den kalten Genuss bald für jeden möglich machen könnten.