Er fuhr alleine über die A2

Nach Spritztour mit Papas Auto: Pflegeeltern schicken 11-Jährigen wohl zurück ins Heim

Junge Spritztour Pflegefamilie
Der Elfjährige darf vermutlich nicht bei seiner Pflegefamilie bleiben.
Jörg Bergmann/Bild

Als er sich die Schlüssel für das Auto seiner Pflegeeltern schnappte, hatte er diese dramatischen Konsequenzen wahrscheinlich nicht im Sinn. Denn das Leben des Elfjährigen, der allein von Brandenburg nach Sachsen-Anhalt gefahren ist, wird sich komplett ändern. Er darf wohl nicht mehr bei seiner Pflegefamilie bleiben.

Spritztour von Brandenburg nach Sachsen-Anhalt

Die „Berliner Zeitung“ berichtet, dass der Junge jetzt wieder zurück ins Heim muss. Angeblich kann seine Pflegemutter nicht mehr die Verantwortung für den Elfjährigen übernehmen: „Paul ist ein Problemkind“, erklärt sie gegenüber der „BZ“. „Auch das Jugendamt sagt: So ist es besser.“

Der Junge hatte seine Pflegeeltern einen Riesen-Schrecken eingejagt. Als die am 2. Mai nach Hause kamen, war ihr Sohn nicht da und auch das Auto, ein Mercedes, fehlte. Der 40-jährige Pflegevater fand sogar Einbruchsspuren im Haus. War ihr Pflegesohn etwa entführt worden?

Nach zwei Stunden riefen die besorgten Pflegeeltern die Polizei: „Paul ist zu uns mit zwei Monaten in die Familie gekommen. Wir sind wie seine eigenen Eltern für ihn. Andere kennt er ja nicht“, erklärt die Mutter im „BZ“-Interview.

Elfjähriger wollte "wissen, wie Autofahren geht."

Gegen 23:30 Uhr dann die heiße Spur: Die Polizei sichtete das Auto nahe der A2. Doch mit dem Fahrer hinter dem Steuer hatten die Beamten wohl nicht gerechnet: Kein Entführer, sondern der vermisste Elfjährige selbst fuhr den Mercedes seines Pflegevaters. Von einem Rastplatz aus rief er die Polizei an, die holten ihn dort ab.

Das Kind hat wohl Glück im Unglück gehabt: Ihm selbst sei nichts passiert. Doch das Auto hatte weniger Glück. Denn der gemopste Mercedes soll durch Unfälle beschädigt worden sein. Im Interview mit der BZ erklärt der Junge seine Beweggründe: „Ich wollte wissen, wie das geht. Auf der Autobahn bin ich so 100 km/h gefahren, vielleicht mal 103.“ Dass seine kindliche Neugierde jetzt so knallharte Konsequenzen haben wird, damit hätte er wohl nicht gerechnet. (jmu)