50 Jahre Atomwaffensperrvertrag

Wie wahrscheinlich ist heute noch ein Atomkrieg?

06. März 2020 - 10:16 Uhr

Drei Fragen, drei Antworten zur nuklearen Gefahr

Am 5.März 1970 trat der Atomwaffensperrvertrag in Kraft. Mittlerweile haben 191 Länder unterschrieben. Er soll dafür sorgen, dass nukleare Waffen weniger werden und verhindern, dass Staaten sie weiterverbreiten. Zum 50.Jahrestag beantworten wir die wichtigsten Fragen zur atomaren Gefahr in der heutigen Zeit.

1) Wie gefährdet ist Deutschland für einen Atomangriff?

Fakt ist: Die Stimmung zwischen der NATO, zu der Deutschland gehört, und Russland ist in den letzten Jahren deutlich schlechter geworden. Trotzdem sagt der Außenpolitik-Experte Christian Mölling zu RTL: "Die Gefahr für einen Nuklearkrieg in Europa ist derzeit relativ gering." Sowohl die NATO als auch Russland hätten kein Interesse daran. Man muss trotzdem festhalten: Beide Seiten haben ihre Nuklearwaffen und Raketen modernisiert.

Russland hat sich sogar einen Vorsprung erarbeitet. Sollte Präsident Wladimir Putin aber den Einsatz von Atombomben gegen Deutschland oder ein anderes NATO-Land befehlen, müsste er damit rechnen, dass die NATO mit Atombomben zurückschlägt. Diese Abschreckung sorgt dafür, dass ein solcher Fall unwahrscheinlich ist. Mit anderen Nuklearstaaten ist das Verhältnis zumindest nicht so schlecht, dass Deutschland Ziel für Angriffe wäre.

2) Wo sind die Gefahren für einen Atomkrieg am größten?

Das größte Risiko steckt in dem Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Beide Staaten haben schon mehrere Kriege gegeneinander geführt, beide haben Atombomben. Experte Mölling hält eine Gewaltspirale bis hin zum Einsatz von Nuklearwaffen für denkbar. Zweiter gefährlicher Schauplatz ist Nordkorea. Das Land hat inzwischen 20 bis 30 Atomwaffen – und Staatschef Kim Jong Un bleibt unberechenbar. Das Hauptrisiko für die Welt ist ein Atomkrieg "aus Versehen".

Denn Nuklearwaffen kommen immer schneller ins Ziel, sind immer schwerer vom Radar zu entdecken. Dadurch sinkt die Vorwarnzeit und die Gefahr wächst, dass Staaten in der Kürze der Zeit falsch entscheiden und einen überstürzten Gegenangriff mit Atomwaffen starten.

3) Brauchen wir eine deutsche Atombombe?

Die Bevölkerung hat eine klare Meinung: 94 Prozent der Befragten sind laut einer neuen RTL-Forsa-Umfrage gegen eine deutsche Bombe, nur vier Prozent dafür. Der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, Ekkehard Brose, warnt im RTL-Interview vor einer Folgereaktion, falls Deutschland Atomwaffen anstreben würde: "Andere Staaten würden sich ermutigt fühlen und sagen: Wenn Deutschland welche hat, warum dann nicht auch wir."

Das würde auch dem Ziel widersprechen, das Außenminister Heiko Maas (SPD) bei RTL noch einmal formuliert: "Unser langfristiges Ziel ist eine Welt ohne Atomwaffen." Ganz davon abgesehen hat sich Deutschland völkerrechtlich verpflichtet, keine nuklearen Waffen zu erwerben.