Islamistische Messerattacke in Dresden?

Abdullah A. H. H. war erst seit fünf Tagen wieder auf freiem Fuß

Abdullah A. H. H. ist bereits einschlägig vorbestraft. Er soll in Dresden zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben, einer von ihnen starb.
Abdullah A. H. H. ist bereits einschlägig vorbestraft. Er soll in Dresden zwei Männer mit einem Messer angegriffen haben, einer von ihnen starb.
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21. Oktober 2020 - 20:43 Uhr

Einschlägig vorbestrafter Syrer steht unter dringendem Tatverdacht

Zwei Wochen lang wurde nach dem Täter gesucht – jetzt wird klar: Die tödliche Messerattacke Anfang Oktober in Dresden hatte offenbar einen islamistischen Hintergrund. Mittlerweile ermittelt der Generalbundesanwalt in dem Fall. Am Dienstagabend wurde der 20 Jahre alte Syrer Abdullah A. H. H. festgenommen. Er ist einschlägig vorbestraft – erst am 29. September, fünf Tage vor der Tat, wurde er aus der Haft entlassen. Wie konnte es trotz dieser Vorgeschichte zu der Tat in Dresden kommen?

Abdullah A. H. H. wurde von den Behörden als "Gefährder" geführt

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in Dresden lebt der Syrer seit 2015 mit einem Duldungsstatus in Deutschland. Im November 2018 war er vom Oberlandesgericht Dresden wegen Werbens um Mitglieder und Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Suche nach einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Körperverletzung und Bedrohung verurteilt worden. Wegen Angriffs auf Beamte in der Haft verhängte das Leipziger Amtsgericht Leipzig im Dezember 2019 dann eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten gegen ihn.

Von den Behörden wurde er nach RTL-Informationen als sogenannter "Gefährder" eingestuft. So nennt man bei der Polizei Extremisten, denen man eine schwere Gewalttat bis hin zu Terroranschlägen zutraut.

Mutmaßlicher Täter stand unter Führungsaufsicht

Erst seit dem 29. September war er nach Verbüßung dieser Jugendstrafe wieder auf freiem Fuß und stand deswegen unter Führungsaufsicht – trotzdem konnte er am 4. Oktober mutmaßlich die beiden Touristen angreifen.

Zu einer sogenannten Führungsaufsicht gehören auch Maßnahmen wie ein Bewährungshelfer, Kontaktbeschränkungen und das Verbot, bestimmte Gegenstände zu besitzen. Diese Maßnahmen hätten allerdings "hier nicht ausgereicht", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf RTL-Anfrage.

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Abdullah A. H. H. sitzt in Untersuchungshaft

Abdullah A. H. H. soll am Abend des 4. Oktober zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen nahe des Residenzschlosses in Dresden "unvermittelt mit einem Messer" angegriffen und schwer verletzt haben. Ein 55-Jähriger aus Krefeld starb später im Krankenhaus. Ein 53-Jähriger aus Köln überlebte, er konnte die Klinik inzwischen wieder verlassen.

Die Polizei hatte nach der Tat eine Sonderkommission gebildet, die 29 Beamten suchten mit Hochdruck nach Täter und Motiven. Bei der Auswertung der Spuren vom Tatort, wo auch ein Messer sichergestellt worden war, stießen sie schließlich auf den aktenkundigen Syrer. Nach einer gezielten Fahndung klickten am Dienstagabend die Handschellen - mitten in der Innenstadt und unweit des Tatorts. Abdullah A. H. H. sitzt nun wegen Mordes und versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

ARCHIV - 05.10.2020, Sachsen, Dresden: Ein Kriminaltechniker stellt ein Messer am Tatort sicher. Die tödliche Messerattacke auf zwei Touristen am 4. Oktober hat möglicherweise einen extremistischen Hintergrund. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden h
Abdullah A. H. H. soll am Abend des 4. Oktober zwei Männer mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben.
© dpa, Roland Halkasch, roland halkasch dna

Seehofer: Tat führt uns Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen

Inzwischen hat sich auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zu dem Fall geäußert. In einer Mitteilung sprach Seehofer den Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Die Tat führt uns erneut die Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen. Egal welche Form von Extremismus und Terrorismus, es ist höchste Wachsamkeit angezeigt." Die Sicherheitsbehörden müssten ihre Arbeit optimal ausleben können, dafür verdienten sie die vollste Unterstützung der Politik und "alle dafür notwendigen Instrumente". Es gehe um den Schutz von uns allen, so Seehofer.

 Horst Seehofer 2019-07-17, Berlin, (Archivbild)
Seehofer: Tat führt uns Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen
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Sachsens Ministerpräsident äußerte sich bislang nicht

Zuvor hatte bereits Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) ein entschiedenes Vorgehen von Polizei, Sicherheitsbehörden und Justiz gefordert. "Der islamistische Terror ist eine andauernde große Bedrohung für unsere Gesellschaft, gegen die wir mit aller Konsequenz vorgehen müssen", sagte sie.

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Innenminister Roland Wöller (CDU) äußerten sich hingegen bislang nicht zu dem Fall. Ein Statement wurde auf RTL-Nachfrage abgesagt. Sie befänden sich derzeit im Urlaub, hieß es.