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Inzidenz von fast 1000: In diesem sächsischen Landkreis wütet Corona aktuell besonders heftig

Rekord-Inzidenz in Sachsen

Alltag im Corona-Hotspot: Wie es sich mit einer Inzidenz von fast 1000 lebt

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02:11 min
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Inzidenz von 1000 rückt immer näher

Die Inzidenz ist mittlerweile so hoch wie noch nie während der Corona-Pandemie – bundesweit liegt sie derzeit bei über 200. Doch es gibt auch krasse Ausreißer nach oben: Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge nähert sich die Inzidenz der 1000er-Marke! Wie lebt es sich in Deutschlands Corona-Hotspot Nummer eins? RTL war vor Ort.

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Impfzentrum ist aktuell voll

Im Corona-Impfzentrum vom DRK ist der Ansturm gerade groß. Bei einigen hier herrscht einfach pures Unverständnis dafür, warum es gerade ihren Landkreis so sehr getroffen hat: „Ja, das ist die große Frage. Ich kann es nicht verstehen.“, sagt eine Einwohnerin.

Der Impfkampagne scheint das hohe Infektionsgeschehen aber gut zu tun. Die Impfstellen sind wieder gut besucht und auch der Arzt Sinan Al-Gburi erklärt, dass die Menschen teilweise bis zu zwei Stunden warten müssen. Impfstoff gehe aus und die Leute müssten weggeschickt werden. Es kommen auch die zum Impfen, die es bisher nicht für nötig gehalten haben: „Meine Frau hat mich da überredet.“ Hier macht man sich eher Sorgen, dass die strengeren 2G-Regeln in Sachsen bald einen Einfluss auf die Arbeit haben. „Ich bin auch auf Montage und da wird’s irgendwann schwierig zu arbeiten oder in Unterkünfte zu kommen, deswegen halt.“, so ein Mann.

Der Arzt Al-Gburi merkt die Veränderung in den Menschen: „Also ganz am Anfang war die Stimmung so, dass viele dankbar waren. Viele wollten herkommen. Jetzt ist es mehr so, dass man merkt, dieses Zwangsgefühl, dieses Unbequeme, die Leute waren unfreundlicher oder sind ängstlicher.“

Warum die Inzidenz gerade in diesem Ort so hoch ist, kann sich Al-Gburi nur damit erklären, dass viele Menschen dort skeptisch gegenüber dem Virus sind: „Es gibt auch leider viele Corona-Leugner. Das ist ein Problem, dem wir täglich begegnen. Viele Impflinge, die auch hier anstehen, sind nicht von der ganzen Sache, sowohl von der Impfung als auch von der Erkrankung an sich, überzeugt.“

Es soll wieder mehr Impfstellen geben

Arzt Sinan Al-Gburi
Arzt Sinan Al-Gburi aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
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Und auch vor Ort im Impfzentrum vermutet man, dass die hohe Inzidenz mit der schlechten Impfquote zusammenhängt, wie ein Besucher erklärt. Kati Kade (CDU) von der Vertretung des Landrats schaut auch mit besonderem Auge auf die Impfquote im Landkreis: „Das ist sicherlich auch ein Grund für die vielen Infektionen an der Stelle.“ Trotzdem lässt der Rekordausbruch auch Fragen offen: „So ganz genau können wir uns das nicht erklären. Es ist ja wirklich exponentiell gestiegen innerhalb der Ferien. Es ist eigentlich nicht wirklich erklärbar, warum so viele Fälle auf einmal auftreten.“, so Kade.

Sollte die Inzidenz weiter in die Höhe gehen, könnten bald die Krankenhäuser überfüllt sein. Schon jetzt schaut sie besorgniserregend darauf. Doch wie sich die Infektionslage genau darauf auswirkt, wird man erst ab der nächsten Woche richtig sehen.

Lockdown ist nicht auszuschließen

Was diese Rekord-Inzidenzzahl für die Zukunft mitbringt, lässt Kade noch offen. Einen Lockdown will sie – wie Kretschmer auch – nicht ganz ausschließen: „Aber wir wollen es verhindern mit den Maßnahmen, die wir jetzt im ersten Schritt durchführen wollen. Also Hygienekonzepte von Veranstaltungen ganz straff zu ziehen, dass tatsächlich keine Veranstaltungen stattfinden, um eben wieder Kontakte zu verringern.“ Und das, wo es in Sachsen jetzt eh die strenge 2G-Regelung gibt. Ein Besucher steht dem ganzen etwas kritisch gegenüber: „Auf der einen Seite ist es richtig, aber auf der anderen Seite sollte man auch keinen benachteiligen. Da bin ich irgendwie gespalten.“

Vieles kann der Landkreis aktuell aber sowieso nicht auf eigene Faust bestimmen, da aufgrund der Verordnung der Freistaat direkt dafür zuständig ist. Daher müsse erst das Ministerium zustimmen, bevor weitreichende Maßnahmen getroffen werden können.

Um die Zahlen wieder zu senken, erhofft Kade sich, dass die Hürden für ein sicheres Leben wieder etwas gesenkt werden:„Also wir sind auf jeden Fall Verfechter für kostenloses Testen, weil dann die Motivation natürlich eine andere ist. Klar, die Inzidenz wird erst mal hochgehen, aber letztendlich verhindern wir damit, dass die Infektionswelle sich weiter nach oben entwickelt, und man kann sie dann vielleicht auch durchbrechen.“ Und genau das wünscht sich doch jeder Einwohner – ob in dem kleinen Landkreis in Sachsen oder sonst irgendwo auf der Welt.

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