Horrorvorstellung für alle Eltern

In Kinderwunsch-Klinik vertauscht: Frau trägt falsche „Zwillinge“ aus

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8. Juli 2019 - 14:02 Uhr

Bei künstlicher Befruchtung vertauscht

Ein amerikanisches Paar investiert ein kleines Vermögen in ihren jahrelangen Kinderwunsch. Dann endlich die positive Nachricht der Fruchtbarkeitsklinik. Doch nach der Geburt beginnt ein wahrer Albtraum: Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Paar nicht um die leiblichen Eltern handelt. Durch Gerichtsakten ist die unvorstellbare Geschichte jetzt an die Öffentlichkeit gekommen.

Großer Kinderwunsch und endlich die frohe Botschaft

Nachdem A. P. und Y. Z. aus Flushing im US-Bundesstaat New York, von denen zu ihrem Schutz nur die Initialen bekannt sind, 2012 geheiratet haben, wuchs ihr Kinderwunsch mit jedem Jahr. Über die Zeit hat das Paar umgerechnet rund 90.000 Euro in Besuche bei Fruchtbarkeitskliniken, Hormontherapien und Termine bei Spezialisten investiert. Unvorstellbar, wie glücklich sie im September 2018 über die Nachricht gewesen sein müssen: Ja, sie waren endlich schwanger!

Das Paar hat die renommierte Fruchtbarkeitsklinik CHA Fertility in Los Angeles mit einer In-vitro Befruchtung beauftragt. Die Klinik gibt auf ihrer Website an, eines der weltweit führenden Institute auf dem Gebiet zu sein. Zehntausende Kinderwünsche habe man dort schon wahr werden lassen.

Wie eine In-vitro-Befruchtung funktioniert, erklären wir hier.

Der unvorstellbare Horror

Während der Schwangerschaft kamen erste Zweifel auf, als bei einer Ultraschalluntersuchung zwei männliche Babys zu sehen waren. Laut Gerichtsakten war das Paar "verwirrt" über diese Entwicklung. Denn zuvor sei ihnen zugesichert worden, es seien zwei weibliche Embryonen eingepflanzt worden. Zu diesem Zeitpunkt schob die CHA Klinik dieses Ergebnis auf eine mögliche medizinische Unsicherheit.

Mitte 2019 brachte die asiatischstämmige Frau dann vermeintliche Zwillinge zur Welt. Doch schon kurz nach der Geburt der nächste Schock: Die beiden Jungen sahen weder ihr noch ihrem Mann ähnlich. Eine genetische Analyse zeigte dann das Unfassbare: Bei dem Paar handelte es sich nicht um die biologischen Eltern. Außerdem kam heraus, dass auch die Babys nicht miteinander verwandt sind.

Die DNA-Analyse zeigte, dass beide Kinder jeweils zu anderen Paaren gehören, die die Klinik ebenfalls mit einer In-vitro-Fertilisation beauftragt hatten. A. P. und Y. Z. mussten die beiden Jungen, auf die sie sich so lange gefreut haben, an deren leibliche Eltern abgeben. Was mit ihren eigenen Embryonen passiert ist, weiß das Ehepaar noch immer nicht. Die Klinik hat bisher nicht auf Presseanfragen reagiert.

Ist das auch in Deutschland möglich?

Dies ist nicht der erste Fall, in dem Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung vertauscht wurden. 

Könnte so etwas auch in Deutschland passieren? Hierzulande sieht die Gesetzeslage komplett anders aus als in den USA. Paragraph 1591 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) regelt die Mutterschaft. Danach ist die Mutter eines Kindes die Frau, die es geboren hat. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass nach deutschem Recht eine Leihmutter die gesetzliche Mutter des Kindes ist. Dass die Mutter die Kinder also wie bei dem Fall in den USA nach der Geburt automatisch abgeben müsste, wäre hierzulande nicht möglich.

Wie das Gericht im Fall des amerikanischen Ehepaars entscheidet, wird sich noch zeigen. Ein Recht auf die Kinder hat es aber nicht. In diesem Gerichtsfall geht es um Schadensersatz durch den entstandenen emotionalen Schaden.