Wegen fehlender STIKO-Empfehlung

Ärztin will zwei 13-Jährige nicht gegen Corona impfen

In einem Impfzentrum im Allgäu (Kaufbeuren) will eine Mutter ihre beiden 13-jährigen Kinder impfen lassen. Die zuständige Ärztin will die Spritzen aber nicht setzen.
In einem Impfzentrum im Allgäu (Kaufbeuren) will eine Mutter ihre beiden 13-jährigen Kinder impfen lassen. Die zuständige Ärztin will die Spritzen aber nicht setzen.
© dpa, Fabian Sommer, som bsc kno

05. August 2021 - 17:49 Uhr

Mutter wollte 13-jährige Kinder impfen lassen

In einem Impfzentrum im Allgäu (Kaufbeuren) wollte eine Mutter ihre beiden 13-jährigen Kinder gegen Corona impfen lassen. Die zuständige Ärztin setzte die Spritzen aber nicht, wie die "Allgäuer Zeitung" zuerst berichtet hat. Aber warum wollte die Ärztin die Kinder nicht impfen?

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Ärztin folgt ihrem Gewissen

Der Grund liegt in der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die empfiehlt bislang nur eine Impfung für Kindern mit Vorerkrankungen, für gesunde Kinder hat sie bisher keine Impf-Empfehlung ausgesprochen. Die Ärztin sei deshalb ihrem Gewissen gefolgt und habe sich geweigert, die beiden 13-Jährigen zu impfen, wie sie in einem Gespräch mit der "Allgäuer Zeitung" schilderte.

Der Leiter des Impfzentrums bittet daraufhin in einer E-Mail, die dem Lokalblatt vorliegt, dass sich die Ärzte, die solche Impfungen nicht durchführen möchten, nicht mehr in den Dienstplan eintragen sollen. Auf RTL-Anfrage wollte sich das Impfzentrum Kaufbeuren zu den Hintergründen nicht äußern. Die 42-jährige Ärztin berichtet der "Allgäuer Zeitung" aber, dass sie sich jetzt unter Druck gesetzt fühle.

Wer entscheidet über ethisches Handeln?

Für sie heißt das nämlich: "Entweder ich handle nach politischem Willen oder ich fliege raus", und erklärt weiter: "Das ist eine gefährliche Entwicklung. Als Ärztin bin ich an erster Stelle meinem Gewissen verpflichtet." Ihr gehe es deshalb um die Möglichkeit, frei zu entscheiden.

Mediziner bräuchten ihrer Ansicht nach eine Institution, an der sie ihr ethisches Handeln orientieren könnten. "Für mich ist das die Stiko. Dort werden massenhaft Daten gesammelt und die Experten wissen, was sie tun." Die Ärztin habe sich auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns vergewissert, dass ihr Verhalten angemessen gewesen sei. Auch Thomas Zeh von der Stadtverwaltung Kaufbeuren betont: "Zu keiner Zeit gab es die Anweisung, dass Ärzte gegen ihren Willen impfen müssen. Das wäre völlig undenkbar."

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Leiter des Impfzentrums sieht Bringschuld

Für den Leiter des Impfzentrums, Gregor Blumtritt steht dagegen fest: "Es ging nie darum, jemanden unter Druck zu setzen. Jeder kann frei entscheiden", erzählt er der "Allgäuer Zeitung". Gleichzeitig würden die Ärzte aber 130 Euro pro Stunde verdienen, und hätten daher ein gewisse Bringschuld gegenüber den Eltern. Wer sich dazu ethisch nicht in der Lage sehe, solle sich fragen, ob er im Impfzentrum an der richtigen Stelle sei. (xst)