Kassenärztlichen Bundesvereinigung erwartet mehr Impfstoff

Impfpriorisierung endet am 7. Juni - Hausärzte bitten jetzt schon um Geduld

Nach dem Wegfall der Impfpriorisierung wird mit einer deutlich höheren Menge an Dosen gerechnet. Foto: Ole Spata/dpa
Nach dem Wegfall der Impfpriorisierung wird mit einer deutlich höheren Menge an Dosen gerechnet. Foto: Ole Spata/dpa
© deutsche presse agentur

18. Mai 2021 - 13:41 Uhr

Stiftung Patientenschutz: Impffortschritt in Prioritätsgruppen muss Maßstab bleiben

In knapp drei Wochen soll die Impfpriorisierung enden, denn dann soll die seit dem Impfstart vor fünf Monaten eingeführten Vorranglisten nach Alter, Erkrankungen und Beruf sollen dann in Praxen und regionalen Impfzentren wegfallen. Ab 7. Juni sollen auch Betriebs- und Privatärzte regulär mitimpfen. Gesundheitsminister Jens Spahn bat die Menschen nach Beratungen mit seinen Länderkollegen aber um Geduld. Der Deutsche Hausärzteverband spricht von einer großen Herausforderung für das Praxispersonal. Die Deutschen Stiftung Patientenschutz mahnt, der Impffortschritt in den drei Prioritätsgruppen müsse der Maßstab bleiben.

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Deutlicher Schub bei den Lieferungen der Vakzine erwartet

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, erwartet im Hinblick auf die Aufhebung der Impfpriorisierung, dass die Bundesregierung für einen deutlichen Schub bei den Lieferungen der Vakzine gegen Corona sorgt. "Wir gehen davon aus, dass Minister Spahn deshalb das Datum ab 7. Juni genannt hat, da dann wohl mit deutlich steigenden Liefermengen zu rechnen sein dürfte", sagte Gassen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Grundsätzlich begrüßte er die Entscheidung, die Priorisierung aufzuheben: "Wir finden das gut. Es macht die Arbeit der niedergelassenen Kolleginnen und Kolleginnen leichter. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass ausreichend Impfstoffe da sind."

Hausärzte erhalten Ende Mai zusätzlich auch Johnson & Johnson-Impfstoff

In der letzten Maiwoche sollen die Hausärzte in Deutschland erstmals Impfstoff von Johnson & Johnson erhalten. "Der Bund wird für die Woche vom 25. bis 30. Mai rund 1,6 Millionen Dosen von Biontech, etwas mehr als 500.000 Dosen von Johnson & Johnson und voraussichtlich 600.000 von Astrazeneca bereitstellen", teilte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KVB) den Praxen in einer Mitteilung mit, über die die "Rheinischen Post" berichtet. Der Impfstoff von Johnson & Johnson hat den Vorteil, dass er mit einer Dosis auskommt.

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Impfzentren könnten zurückgefahren werden

Laut dem Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Bundestags, Erwin Rüddel (CDU), könnten die Impfzentren mit dem Wegfall der Impfpriorisierung zurückgefahren werden. "Alles hat seine Zeit: Priorisierung und Impfzentrum war wichtig. Je mehr Menschen in den Arztpraxen geimpft werden können ohne Priorisierung, kann man die Impfzentren zurückfahren", sagte er SWR Aktuell Rheinland-Pfalz. "Wir brauchen sie, weil nicht jeder einen Hausarzt hat. Aber ich glaube, dass wir mehr Flexibilität und mehr Entscheidungsfreiheiten in den Impfzentren brauchen in Kombination mit den Praxen und den Betriebsärzten kriegen wir dann große Dynamik in den Prozess."

"Große Herausforderung für das Praxispersonal"

Der Deutsche Hausärzteverband sprach von einer großen Herausforderung für das Praxispersonal, das schon von Anfragen überrannt werde. "Bei allem Verständnis dafür, dass jede und jeder jetzt so schnell wie möglich dran kommen will, appelliere ich an die Patientinnen und Patienten: Habt Geduld!", sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt der "Rheinischen Post". Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte in der Zeitung, nicht ein Datum dürfe das Ende der ethischen Reihenfolge bei der Impfung bestimmen. Allein der Impffortschritt in den drei Prioritätsgruppen müsse der Maßstab dafür sein. Wer geimpft werden möchte, solle sich bei seinem Hausarzt melden und sich nicht auf mehrere Listen setzen lassen. So könne ein logistisches Chaos vermieden werden, erklärt Dr. Oliver Funken, der 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes NRW.

Mehr als 70 Prozent der Über-60-Jährigen sind mindestens einmal geimpft, fast 25 Prozent vollständig. Insgesamt wurden inzwischen mehr als 40 Millionen Impfdosen verabreicht. 37 Prozent der Bundesbürger (30,8 Millionen) sind mindestens einmal geimpft - 11,2 Prozent (9,3 Millionen) voll.

(dpa)

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