Zum 60. Geburtstag von Rudi Völler

Im RTL-Interview: TV-Moderator Waldemar Hartmann erinnert sich an legendäre Völler-Wutrede

13. April 2020 - 10:27 Uhr

Legendäre Wutrede auch heute unvergessen

Rudi Völler, einer der populärsten deutschen Fußballer aller Zeiten, feiert heute seinen 60. Geburtstag. An Tagen wie diesen kommen natürlich die Erinnerungen hoch: Mit Rudi Völler wird man immer seine legendäre Wutrede als Teamchef der Nationalmannschaft in Verbindung bringen. Am 6. September 2003 nach einem dürftigen 0:0 auf Island, das gespickt war mit Fußball-Magerkost, verliert Völler im Studiogespräch mit Waldemar Hartmann die Fassung. Der Teamchef, genervt vom ständigen Gemotze an seiner Elf, schlägt zurück und sorgt für eine Sternstunde des deutschen Fernsehens.

Im Video erinnert sich Hartmann an den Moment, der in die Geschichtsbücher einging und verrät, warum sein Verhältnis zu Völler heute ein besonders gutes ist.

Von der Trainerbank direkt zum Live-Interview

Im RTL-Interview erzählt der heute 72-jährige Hartmann: "Das Besondere an der ganzen Geschichte war, dass noch nie ein Bundestrainer vorher so schnell in diesem ARD-Studio saß. Der Grund war: Das war ja eher eine Bezirkssportanlage in Rejkjavik – und er musste drei Treppchen hoch, drei Treppchen runter und dann saß er bei uns im provisorischen Studio und hat auf dem Bildschirm Gerd Delling und Günter Netzer gesehen. Das war ja vorher nie so, sonst ging's erst in die Kabine, Cool-Down-Phase, vielleicht eine Zigarette auch geraucht, mit dem Pressesprecher gesprochen, wie gehen wir jetzt damit um. Und so war er halt pur in zwei Minuten da und hat da gehört, was die Beiden über das Spiel zu sagen hatten. Die hatten völlig Recht mit dem, was sie sagten, denn es war ein grottenschlechter Kick."

„Immer diese Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch 'nem Tiefpunkt ..“

ARCHIV - 07.09.2003, Berlin: Das vom Video abgenommene Bild zeigt den damaligen Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Rudi Völler, am 06.09.2003 in Reykjavik bei einem Interview im ARD-Studio im Gespräch mit Moderator Waldemar Hartmann.
Unvergessener TV-Moment: Rudi Völler redet sich nach dem Länderspiel gegen Island in Rage.
© dpa, Ndr, dt fdt

Gerhard Delling sprach damals von einem "absoluten, neuen Tiefpunkt". Und weiter: "Spätestens jetzt ist klar: Die Samstagabend-Fernsehunterhaltung steckt in einer tiefen Krise." TV-Experte Günter Netzer ergänzte: "Ja, das ist ein Tiefpunkt!"

Völler im improvisierten Studio hatte zugehört. Im Land der sprudelnden Geysire platzte ihm der Kragen, es brach aus ihm heraus: "Delling – das ist natürlich schon eine Sauerei, was der hier sagt! Immer diese Geschichte mit dem Tiefpunkt und noch 'nem Tiefpunkt, dann gibt's nochmal 'nen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören." Dann empfahl Völler dem ARD-Moderator: "Dann soll er doch Samstagabend-Unterhaltung machen und keinen Sport, keinen Fußball. Dann soll er "Wetten, dass..?" machen, soll den Gottschalk ablösen."

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Netzer nahm Völler seine Wut-Rede lange übel

Waldemar Hartmann reagierte auf Völlers Ausraster im Studio mit bayrischer Gelassenheit. "Was ihn dann so aufgeregt hat, war, dass ich, je länger das ging umso ruhiger wurde, weil ich dann nach circa zwei Minuten gemerkt habe, ich bin jetzt bei einem Fernseh-Ereignis dabei". In dem der damalige Teamchef Völler als Nächstes TV-Experte Netzer ins Visier nahm. "Der Günter, was die früher für einen Scheiß gespielt haben, da konntest Du doch früher überhaupt nicht hingehen, die haben doch Standfußball gespielt", redete er sich in Rage.

Im RTL-Gespräch erklärt Hartmann dazu: "Das sage ich jetzt zum ersten Mal öffentlich, Günter Netzer war "not amused". Das mit Gerd Delling hat sich relativ bald wieder eingerenkt, aber die Versöhnung mit Günter Netzer, wenn's denn überhaupt jemals eine geworden ist, lief sehr zäh - erst auf Vermittlung von bekannten Menschen in diesem Fußball-Land."

„Weißbier-Waldi“ durfte sich über Werbedeal freuen

Der Moderator und Sportreporter Waldemar Hartmann (l) und der Sänger Roberto Blanco und seine Freundin Luzandra Strassburg posieren am Mittwoch (23.09.2009) auf dem 176. Oktoberfest auf der Theresienwiese in München (Oberbayern) beim Radio Gong Wiesn
Waldemar Hartmann (links) wurde zum Weißbier-Werbebotschafter: Hier feierte er stilecht mit Weißbier und gemeinsam mit Sänger Roberto Blanco und Luzandra Strassburg auf dem Oktoberfest.
© dpa, A3795 Felix Hörhager

Völlers kurze Zündschnur erklärt der frühere TV-Reporter Hartmann heute mit einem Augenzwinkern: "Irgendein Arzt wird ihm mal gesagt haben: "Reg dich nicht auf! Das geht auf deine Nerven und auch auf deinen Magen!" Und daran hat er sich gehalten – zur Pflege der eigenen Gesundheit."

Rudi Völler war 2003 auf Island wie früher auf dem Fußballplatz nicht zu bremsen, redete ständig von "Mist" und "Käse". "Ich sitze jetzt hier seit drei Jahren und muss mir immer diesen Schwachsinn anhören", polterte er. Und dann zu Moderator Hartmann: "Müssen wir uns denn alles gefallen lassen? Du sitzt hier locker, bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken."

Das war der Moment, in dem "Weißbier-Waldi" geboren wurde. Hartmann erzählt: "Das hat mir einen zehn Jahre andauernden Werbebotschafter-Vertrag für Weißbier einer großen Münchner Brauerei gebracht zu handelsüblichen Konditionen, das heißt also, es war der Million-Dollar-Satz, der mich schmerzfrei gemacht hat. Mehr als danke, danke kann ich dafür nicht sagen."

Ehrlichkeit und offene Worte machen Völler beliebt

Waldemar Hartmann und Rudi Völler verbindet eine lange Freundschaft. Am 1. März haben die Beiden sich noch getroffen in Leipzig in der Red Bull-Arena. "Als wir jetzt im Stadion waren bei RB gegen Leverkusen, da saß Rudi zwei Reihen vor mir. Und dann hat Jonathan Tah eine Gelbe Karte aus Dummheit bekommen, aber Rudi war damit nicht einverstanden und Rudi ist hoch wie zu alten Zeiten und hat sich aufgeregt. Die Leute um uns rum schauten alle mich an, darauf ich: "So kenn ich den gar nicht", scherzt der ehemalige Reporter im Interview.

Rudi Völler ist wohl gerade wegen seiner Ausraster und seiner Ehrlichkeit bis heute unglaublich beliebt und populär. Hartmann erklärt: "Rudi war nie der Nette, Rudi hat das nach außen gelebt, was er innen verspürt hat. Und das ist sehr selten geworden, die Leute wollen immer die Kontrolle haben, wollen glattgeschliffen sein. Rudi ist das nicht, das ist kein Geheimnis. Das ist das Modell Rudi Völler, und deswegen mögen ihn die Leute."

Den legendären TV-Auftritt in Reykjavik würde Rudi Völler am liebsten aus seinem Leben streichen. Dabei hat ihn der Ausraster noch populärer gemacht, als er ohnehin schon war. Waldemar "Weißbier-Waldi" Hartmann hofft, dass der Sportchef von Bayer Leverkusen noch lange dem Fußball erhalten bleibt. Zum 60. Geburtstag rät er seinem Freund: "Solltest Du Dir Sorgen machen, wie das Männer ganz sicher machen, wenn sie 60 werden: Das bin ich vor 12 Jahren ja auch mal geworden! Lieber Rudi, mach Dir keine Sorgen! Es ändert sich nichts, und das meine ich von Kopf bis Fuß."

Eine große Karriere im Rückblick: Alles Gute zum 60. Geburtstag, Rudi Völler!

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