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Eine große Karriere im Rückblick

Alles Gute zum 60. Geburtstag, Rudi Völler!

13. April 2020 - 10:24 Uhr

Von Reinhard Brings

Rudi Völler wird heute 60 Jahre alt. Wir lassen seine große Karriere als Spieler und Trainer noch einmal Revue passieren. Es ist auch die Geschichte von einem, der Klartext spricht.

Mit einem Foul fing alles an

Rudi Völler kam vier Monate nach mir auf die Welt. So gesehen war der Mann aus Hanau ab einem gewissen Zeitpunkt für mich ein ständiger Begleiter in der Welt des Sports. Er war als Spieler von Werder Bremen 1983 Torschützenkönig mit 23 Treffern. Doch das erste, was ich einschneidend mit Völler verbinde, war ein Foul – und zwar eines, das an ihm verübt wurde.

Am 23. November 1985 wurde der pfeilschnelle Stürmerstar von Werder Bremen im Münchener Olympiastadion von Bayerns Klaus Augenthaler in vollem Lauf "umgemäht". Völler überschlug sich viermal, erlitt einen Adduktorenanriss, musste zweimal operiert werden und fiel fünf Monate aus "Auge" sah für sein Brutalo-Foul nur Gelb. Ich selbst spielte damals noch im Amateurfußball und wir diskutierten damals in der Mannschaft, ob das nun "Körperverletzung" gewesen sei oder nicht.

Die Bayern spielten alles herunter, Manager Uli Hoeneß sprach hinterher von einem "normalen Foul" und Trainer Udo Lattek meinte nur herablassend: "Wir spielen ja schließlich nicht Schach oder Tischtennis".

Völler sprach in einem Spiegel-Interview danach Klartext. Das tat er damals schon mit 25 Jahren, vor allem auch, weil er sich ärgerte, dass die Bayern zu gut wegkamen: "Das hat mich maßlos empört. In der ARD-Sportschau hat der Eberhard Stanjek vom Bayerischen Rundfunk sogar davon gefaselt, ich sei nach Augenthalers Tritt womöglich dumm gefallen oder so. Ich weiß nicht, ob der Stanjek Bayern-Mitglied ist, kommentiert hat er jedenfalls wie der Vorsitzende vom Fanclub."

Der WM-Titel 1990

Seine Spielweise änderte Völler nach der langen Verletzungspause nicht. "Ich werde wieder in die Zweikämpfe reingehen, auch wenn es wehtut. Denn Erfolg habe ich nur, wenn ich dazu bereit bin", sagte er.

Mit dieser Einstellung schaffte er es, 1986 auf den WM-Zug aufzuspringen. Mit drei Toren war er in Mexiko bester deutscher Torschütze, im WM-Finale gegen Argentinien erzielte er bei der 2:3-Niederlage den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich. Seinen großen Traum vom WM-Titel erfüllte sich Völler 1990. Gemeinsam mit Klaus Augenthaler stand er in der deutschen Weltmeister-Elf von Rom. "Auge" hatte das Foul damals sehr leid getan, er und Völler waren längst im Reinen miteinander.

Jahr der Legendenbildung

Die WM 1990 in Italien trug entscheidend zur Legendenbildung von Völler bei. Der damalige Stürmer der AS Rom holte nicht nur den Elfmeter heraus, den Andreas Brehme zum 1:0-Finalsieg gegen Argentinien verwandelte. Zuvor im Achtelfinale gab es das denkwürdige Spiel gegen die Niederlande, das bis heute noch jeden deutschen Fußball-Fan in Wallung bringt. Frank Rijkaard bespuckte gleich zweimal Völler. Bis heute ist es unerklärlich und zugleich ein Riesen-Rätsel, wie der sonst so impulsive deutsche Angreifer dabei ruhig bleiben konnte.

Fünf Jahre zuvor im Spiegel-Interview hatte er seine Methode zur Selbst-Disziplinierung offenbart: "Ich denke nur: Gleich schlage ich dir 'n paar in die Schnauze. Das genügt mir schon, um mich abzureagieren. Die Fähigkeit, mich kontrollieren zu können, halte ich für eine meiner größten Stärken." Wohl selten hat jemand mit einer Selbsteinschätzung so falsch gelegen.

ARCHIV - 24.06.1990, Italien, Mailand: Der Niederländer Frank Rijkaard (r) bespuckt Rudi Völler im Mailänder Meazza-Stadion beim WM-Spiel Holland gegen Deutschland, nachdem sie nach einem Foulspiel gemeinsam vom Platz gestellt wurden. Völler ist Bund
Frank Rijkaard bespuckt Rudi Völler.
© dpa, Martina Hellmann, cr fdt

Legendär: Wutrede auf Island

Beweis gefällig? Die legendäre Wutrede als Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 6. September 2003 auf Island. Nach einem kläglichen 0:0 in der EM-Qualifikation hatte sich Völler im TV-Interview mit Moderator Waldemar Hartmann nicht mehr im Griff. ARD-Mann Gerhard Delling solle "doch besser Samstagabend-Unterhaltung machen und keinen Sport, keinen Fußball", TV-Experte Günter Netzer habe "doch früher Standfußball gespielt". Der Teamchef redete sich immer weiter in Rage, auch Hartmann bekam sein Fett weg: "Müssen wir uns denn alles gefallen lassen? Du sitzt hier locker, bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken."

Im Gespräch mit RTL sagt der heute 72-jährige Hartmann dazu: "Angegriffen hat er ja Delling und Netzer, ich war ja nur der Prellbock. Was ihn dann so aufgeregt hat, war, dass ich, je länger das ging, umso ruhiger wurde, weil ich dann nach circa zwei Minuten gemerkt habe, ich bin jetzt bei einem Fernseh-Ereignis dabei." Eines, das sich für Hartmann übrigens auszahlte. Eine Brauerei engagierte ihn als Werbeträger. "Weißbier-Waldi" war geboren.

Völler und Hartman sind bis zum heutigen Tage freundschaftlich verbunden. "Rudi würde das gerne noch heute aus seinem Leben streichen. Ich habe mehrmals mit ihm darüber diskutiert, habe ihm gesagt: "Mensch, Du bist noch populärer geworden, vier Tage später haben beim Spiel gegen Schottland 70.000 Menschen in Dortmund 'Es gibt nur einen Rudi Völler' gesungen. Er meinte: Ja, dann schau aber bitte mal, wie ich mich auf Island aufgeführt habe. Das will ich nicht haben."

Mini-Ausbruch am RTL-Mikro

Einen Mini-Ausbruch von Völler habe ich selbst in meinem Reporter-Leben einmal zu spüren bekommen. Im Februar 1995 spielte der Angreifer, damals 34 Jahre alt, für Bayer Leverkusen. Für "RTL Aktuell" sollte ich herauskriegen, ob sich Völler Gedanken um seinen Stammplatz macht. Die Konkurrenz mit Ulf Kirsten, Andreas Thom, Paulo Sergio war groß.

Mit meinem Kamerateam war ich rechtzeitig vor dem Nachmittagstraining am Ulrich-Haberland-Stadion (heute BayArena). Völler kam als einer der ersten Bayer-Spieler auf dem Parkplatz vorgefahren. Wir waren das einzige Fernseh-Team, keine anderen Reporter da, keine Schranke, keine Absperrung, kein Ordner – so war das damals, heute unvorstellbar.

Und wir sprachen Völler, der aus dem Auto ausstieg, an: "Können wir ein kurzes Interview für RTL führen?", "Na klar!", antwortete der Weltmeister.

Nach zwei allgemeinen Fragen zur Lage in Leverkusen musste ich auf den Punkt kommen. Als ich Völler nach dem Gedrängel im Sturm fragte, holte er, Profi genug, gekonnt ein paar Phrasen raus. Beherzt fragte ich: "Fürchten Sie um ihren Stammplatz?" Rudis Gesichtszüge verfinsterten sich."Wissen Sie was? Ich fürchte nur, dass wir wieder Krieg bekommen." Das Gespräch war beendet.

Deutscher Meister wurde er nie

"Rudi war auch auf dem Spielfeld kein Lieber und kein Netter", erklärt Hartmann. "Den Gegenspielern gegenüber nicht, aber auch den eigenen Mitspielern gegenüber nicht. Er hat ihnen immer gesagt, was er dachte und hat sie das auch merken lassen. Thomas Wolter, der damals mit ihm bei Bremen gespielt hat, hat jetzt erzählt: 'Wenn die Flanke scheiße war, dann hat er mir das auch gesagt. Wenn beim zweiten Mal die Flanke noch beschissener kam, dann hat er mir das auch gesagt.' Also, Rudi war nie der Nette, Rudi hat das nach außen gelebt, was er innen verspürt hat."

Seinen 60. Geburtstag verbringt Völler zu Hause – in diesen Zeiten der Coronavirus-Pandemie auch gezwungenermaßen. "Darüber bin ich gar nicht mal so traurig. Ich bin glücklich, wenn ich meine Familie bei mir habe", sagt der Jubilar. Mit seiner Frau Sabrina und seinen fünf Kindern feiert er ganz gemütlich bei Spaghetti und Wein.

Völler ist Weltmeister (1990), Vize-Weltmeister (1986 als Spieler, 2002 als Teamchef), Champions League-Sieger (1993). Was ihm fehlt ist die deutsche Meisterschaft: 1986 mit Werder Bremen steht er kurz vor dem Titel. Am 33. Spieltag im Spitzenspiel gegen die Bayern tritt Werders Michael Kutzop in der 85. Minute zum Elfmeter an. Ist der Elfer drin, wäre Bremen mit dem 1:0-Sieg Deutscher Meister. Kutzop, ein sicherer Schütze, trifft nur den Pfosten! Am 34. Spieltag dann sichern sich die Bayern doch noch die Meisterschaft.

Michael Kutzop ist inzwischen 65 Jahre alt, lebt in Großwallstadt und erzählt über seinen Freund Rudi. "Wenn er gut drauf ist, sagt er mit einem Augenzwinkern: 'Alles habe ich gewonnen, bloß die deutsche Meisterschaft nicht. Und das nur wegen dir. Weil Du Bratwurst den Elfer verschossen hast.'"

Völler ist das Gesicht von Bayer Leverkusen, er ist Sport-Geschäftsführer, sein Vertrag läuft noch bis 2022. Hätte er zum 60. Geburtstag einen Wunsch frei, wäre es wohl: Deutscher Meister mit Bayer Leverkusen!

Im RTL-Interview: TV-Moderator Waldemar Hartmann erinnert sich an legendäre Völler-Wutrede

Die Top 10 der legendärsten Sprüche von Rudi Völler

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