Wer diese Hundekinder kaufen will, macht sich mitschuldig

Illegaler Welpenhandel: Kranke Hunde aus Hamburger Wohnung gerettet

Ein kranker Malteserwelpe im Tierheim Süderstraße, kurz nachdem er  von der Polizei entdeckt wurde.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV)

02. Februar 2021 - 10:24 Uhr

Welpen verlieren ihre Mutter zu früh

Kotverschmiert und mit tränenden Augen: Ein erschöpfter Welpe liegt nach seiner Rettung im Hamburger Tierheim Süderstraße in der Hundebox. Die anderen teilweise nur vier Wochen alten Hundekinder scheinen munter, doch sie haben ihre Mutter viel zu früh verloren.

Polizei stellt Welpen bei skrupellosem Züchter sicher

Malteserwelpen im Tierheim Süderstraße in Hamburg. Januar 2021
Diese Malteserwelpen wurden viel zu jung von ihrer Mutter getrennt und stammen von einem skrupellosen Hundehändler in Hamburg.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV)

Nach einer Polizeiaktion in einer Wohnung in Hamburg-Horn am vergangenen Mittwoch (20. Januar) sind insgesamt sieben Malteser-Welpen wegen Verdachts auf Welpenhandel beim Hamburger Tierschutzverein (HTV) gelandet. Drei von ihnen sind erst vier Wochen alt. "Im Alter von vier Wochen brauchen die Hunde dringend ihre Mutter, die sie mit Milch versorgt. Das ist für ihre Entwicklung entscheidend", erklärt die tierärztliche Leitung des Tierschutzvereins, Dr. Urte Inkmann, in einer Pressemitteilung.

Käufer machen sich mitschuldig

Malteserwelpen im Tierheim Süderstraße in Hamburg. Januar 2021
Erschöpfter Malteserwelpe aus einer Wohnung in Hamburg-Horn im Tierheim in Hamburg.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV)

"Wir tun alles, um ihnen Geborgenheit zu geben und wir werden nicht aufhören, die Hamburger*innen aufzuklären - wer kauft, macht sich mitschuldig", so HTV-Geschäftsführerin Petra Hoop. Der Tierschutzverein hatte erst im Herbst seine Kapazitätsgrenzen bei der Unterbringung der Waisen erreicht - ein Ende der Welpenflut ist nicht in Sicht.

Manchmal ist jedoch illegaler Welpenhandel schwer zu durchschauen, weil Unterlagen angeblich fehlen oder falsche Impfpässe vorgelegt werden. Auch der billige Preis ist nicht immer ein Indiz. Laut Tierschutzverein werden teilweise kranke, halbtote Mischlingswelpen für 1.500 Euro als Rassehunde angeboten.

LESE-TIPP: Tierschützer warnen – warum Sie Welpen grundsätzlich nicht online kaufen sollten

Offenbar boomt der illegale Handel besonders in der Corona-Krise

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes nahm der illegale Verkauf von Welpen und Katzen im vergangenen Jahr zu. "Allein zwischen Januar und Oktober 2020 wurden 75 Fälle von illegalem Heimtierhandel bekannt, 818 Tiere waren betroffen", sagt Lisa Hoth, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. "Damit liegt die Zahl der Fälle und Tiere bereits über der Gesamtzahl des Vorjahres." Dort gab es insgesamt 66 Fälle von illegalem Handel mit mindestens 731 betroffenen Tieren.

Der Hamburger Tierschutzverein versucht gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund und Partnertierheimen im Norden aufzuklären. Seiner Meinung nach gibt es aber immer Menschen, die das tödliche Geschäft mit den Tieren befeuern, indem sie die Tiere illegal kaufen.

Hundekind im Karton entsorgt

Malteserwelpen im Tierheim Süderstraße in Hamburg. Januar 2021
Dieser Welpe lag tot in einem Schuhkarton.
© Hamburger Tierschutzverein (HTV)

Die Tierschützer können nicht jedes Hundekind retten. In unmittelbarer Nähe des Tierheims Süderstraße wurde erst im November ein bereits toter Welpe in einem Schuhkarton gefunden - er starb an massivem Wurmbefall, so das Tierheim und ein weiterer Welpe sei in Hamburg beinahe zeitgleich noch lebendig in einer Mülltonne entdeckt worden, aber auch er sei wenig später gestorben. Für den Tierschutzverein liegt der Verdacht liegt nahe, dass die Hundekinder aus einem Handel stammen könnten und erbarmungslos entsorgt wurden.

Kein Kauf aus Mitleid

Deshalb appelliert der Hamburger Tierschutzverein, keine Welpen online zu kaufen und Tierfreunde sollten jeden Verdacht auf Tierschutzverstöße bei der Polizei melden. "Ein Kauf aus Mitleid hilft nicht", erklärt HTV-Tierschutzberaterin Sina Hanke.

Für die kleinen Malteser gibt es sicherlich bald ein Happy End. Noch werden sie wegen ihrer Augenentzündung behandelt und bleiben weitere unter Kontrolle. Erst ab einem Alter von acht Wochen, werden die Tiere in verantwortungsvolle private Hände gegeben.