So läuft Hypnose ab

Hypnosetherapie: Das sollten Sie über die alternative Behandlungsmethode wissen

Hypnosetherapie wird unter anderem beim Rauchen Aufhören eingesetzt
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11. Juli 2019 - 10:54 Uhr

Alles, was Sie über Hypnosetherapie wissen müssen

Die Hypnosetherapie konnte bislang nur ein paar wissenschaftlich anerkannte Erfolge einstreichen, trotzdem kann sie in vielen Bereichen zusätzlich als alternative Heilungsmethode eingesetzt werden. Obwohl die Schulmedizin noch skeptisch ist, gibt es viele Menschen, die fest an die Wirksamkeit von Hypnose glauben. Wir verraten Ihnen, wie die Hypnosetherapie funktioniert, ob sie tatsächlich kleine Wunder bewirken kann und wieviel solch eine Therapie kostet.

Hypnosetherapie: So läuft die Therapie ab

Die Hypnose macht sich den Bewusstseinszustand der Trance zunutze. In der Trance wird unser selektives Denken ausgeschalten, wodurch die Möglichkeit besteht Suggestionen, also Vorschläge oder Anregungen, an den Patienten heranzutragen.

Während der Trance wird unser Unterbewusstsein angesprochen. Das Unterbewusstsein speichert alle Gewohnheiten ab und ist zugleich unser Langzeitgedächtnis. Unbewusst werden Reflexe, unsere Atmung und das vegetative Nervensystem gesteuert. Unser Bewusstsein hingegen ist für das Kurzzeitgedächtnis, Entscheidungen und unseren Willen verantwortlich. Der Grund, weshalb gute Vorsätze so oft scheitern: unsere Gewohnheiten sind stärker als unser Wille!

Um den Trancezustand zu erreichen, gibt es verschiedene Einleitungstechniken:

  1. Bei der klassischen Hypnosetherapie werden direkte Anweisungen an den Patienten weitergegeben, das kann mit Hilfe von verbalen Suggestionen, fiktiven Geschichten, akustischen Signalen, imaginären Bildern oder körperlichen Empfindungen (Wärme, Schwere) erreicht werden.
  2. Die indirekte Hypnosetherapie nach dem Erickson'schen Modell greift auf unterschwellige Anweisungen zurück. Dadurch wird für den Patienten das Gefühl von Kontrolle aufrechterhalten und die Bewusstseinsänderung tritt unerwartet ein.
  3. Nonverbale Tranceinduktionen werden oft mit verbalen kombiniert. Bei der Mesmerierung wird der Trancezustand durch Energieübertragung, also dem Entlangstreichen ohne Berührung an Armen oder Beinen eingeleitet. Fixiert der Patient einen bestimmten Punkt im Raum oder im Gesicht des Hypnotiseurs, spricht man von Fixation.

Von einer Blitz-Hypnose ist abzuraten, dieser Trancezustand hält nur kurz an und dient in der Show-Hypnose lediglich zur Unterhaltung.

Durch die Wiederholung von Satz- und Zahlenfolgen oder Bildern ermöglicht der Hypnotiseur eine Vertiefung der Trance. Ziel dabei ist, größtmögliche Entspannung zu fördern und in diesem Zustand mit der Problembehebung zu beginnen.

Zum Ende einer Sitzung steht die Rücknahme, bei der Sie wieder vollständig ins Bewusstsein zurückgeholt werden, indem Geschichten, Bilder- oder Zahlenabfolgen in umgekehrter Reihenfolge wiederholt wird.

In diesen Fällen könnte Ihnen eine Hypnosetherapie helfen

Die Hypnosetherapie kann zwar für viele Bereiche angewandt werden, jedoch sollte Ihnen bewusst sein, dass sie keine schulmedizinische Behandlung von ernsthaften Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, ersetzen kann.

Vor allem im psychotherapeutischen Bereich kann die Hypnosetherapie für eine verbesserte Lebensqualität sorgen, indem Angst- und Bindungsstörungen, Depressionen und Konflikte mit dem eigenen Ich bezwungen werden.

Hypnose eignet sich auch als Schmerztherapie begleitend zur Chemotherapie, nach einer Operation und bei Migräne sowie entzündlichen Darmerkrankungen. Zudem können auch Erfolge bei Suchtproblemen erzielt werden.

Eine Hypnosetherapie kann auch bei Personen, die unter Prüfungsangst leiden oder kurz vor einem Burn-Out stehen, Erfolge erzielen oder zumindest als Entspannungstherapie dienen.

Wie wirksam ist eine Hypnosetherapie?

Laut dem Deutschen Ärzteblatt wurde die Wirksamkeit durch die Bundesärztekammer wissenschaftlich anerkannt.

Ein Methadonentzug (Heroinersatzstoff, der Entzugsschmerzen mildert) und die Rauchentwöhnung können durch eine Hypnosetherapie nachweislich bewerkstelligt werden.

Des Weiteren ist die Wirksamkeit von Hypnose bei Krankheiten wie Migräne und Reizdarm durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychologie belegt.

Wieso lassen sich wenige Menschen auf eine Hypnosetherapie ein?

Viele Menschen haben große Angst vor Kontrollverlust im tranceähnlichen Zustand. Diese Angst ist jedoch meist unbegründet, denn wir handeln auch im Unbewusstsein nicht gegen unsere Gewohnheiten und Moralvorstellungen.

Für eine erfolgreiche Hypnosetherapie sollte man auch an die Wirksamkeit der alternativen Heilungsmethode glauben und sich nicht von vornherein dem Unbegreiflichen verschließen.

Die Kosten für eine Behandlung werden in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, Privatpatienten sollten eine Kostenübernahme im Vorfeld besprechen. Eine Hypnosesitzung kostet etwa 80 bis 120 Euro für 50 Minuten. Je nach Krankheitsbild sollten Sie mit drei bis sieben Sitzungen rechnen, doch auch eine mehrjährige Behandlung kann erforderlich sein.