Jeden Tag sterben 15.000 Kinder

"Hunger ist Mord": Über 800 Millionen Hungernde weltweit

14. Oktober 2021 - 11:39 Uhr

Welthungerhilfe warnt vor mehr Hungersnöten

Aktuell hungerten rund 811 Millionen Menschen weltweit, und 41 Millionen stünden kurz vor einer Hungersnot, beklagt die Welthungerhilfe: "Der aktuelle Welthungerindex zeigt, dass 47 Länder noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau bis 2030 erreichen werden", sagte Generalsekretär Mathias Mogge dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Krisen verschlimmern die Ernährungslage noch weiter

Mogge sagte dem RND: "Die Welthungerhilfe fordert politische Initiativen, um die Konflikte weltweit einzudämmen, finanzielle Anstrengungen, um den akuten Hungersnöten zu begegnen." Die Ernährungslage verschlechtere sich wegen der vielen verschiedenen Krisen. Mogge nannte Kriege und Konflikte, den Klimawandel sowie die Folgen der Corona-Pandemie. Gewaltsame Konflikte hätten in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Sie seien einer der größten Hungertreiber. "Wo Krieg herrscht, werden Ernten, Felder sowie Infrastruktur zerstört und fliehen Menschen aus ihren Dörfern."

15.000 Kinder verhungern jeden Tag

Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller schlägt Alarm. "Die Folgen der Corona-Pandemie und viele Konflikte haben in den letzten Jahren zu einer negativen Trendwende geführt: Millionen Menschen stehen ohne Arbeit auf der Straße, Versorgungsketten sind unterbrochen, Lebensmittelpreise steigen", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen" am Donnerstag. "130 Millionen Menschen sind so in Hunger und Armut zurückgefallen", betonte der Minister. Der Klimawandel verschärfe die Lage.

"Wir müssen Hunger- und Armutsbekämpfung endlich als vorausschauende Friedenspolitik verstehen - und ganz oben auf die Agenda der Weltpolitik setzen", forderte Müller vor dem Welternährungstag am 16. Oktober. Er verwies auf 15.000 Kinder, die jeden Tag verhungern. "Das ist ein unglaublicher Skandal". Müller fügte hinzu: "Hunger ist Mord, denn wir haben das Wissen und die Technologie, alle Menschen satt zu machen."

Eine Welt ohne Hunger sei grundsätzlich möglich, machte Müller deutlich. "Mit rund 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr für eine nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft durch die Industrieländer, Privatwirtschaft und Entwicklungsländer kann der Hunger bis 2030 besiegt werden."

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Welthungerindex 2021

Die Welthungerhilfe stellt an diesem Donnerstag in Berlin offiziell den sogenannten Welthungerindex 2021 vor. Der internationale Bericht ermittelt die weltweite Hungersituation und soll zeigen, wo Fortschritte zu verzeichnen sind und in welchen Ländern der größte Handlungsbedarf besteht. (dpa/dti)