Britischer Gesundheitsminister warnt die Bevölkerung

Behandlung wegen Corona ausgesetzt: Vierfach-Mutter Emma stirbt an Hirntumor

Eigentlich hatte die Britin Emma Jenkinson, Mutter von vier Kindern, ihren Hirntumor schon einmal besiegt.
© GoFundMe, privat, Andrew Jenkinson

22. Oktober 2020 - 19:32 Uhr

Emma hatte den Kampf schon einmal gewonnen

Eigentlich hatte Emma Jenkinson aus Bury in der Nähe Manchesters, 31-jährige Mutter von vier Kindern, ihren Hirntumor schon einmal besiegt. Das war im Alter von 24 Jahren. Doch Anfang dieses Jahres kam der Krebs zurück. Und dann kam auch noch die Corona-Pandemie. Ihre Behandlung wurde unterbrochen. Ende September verlor Emma den zweiten Kampf gegen den Krebs. Das berichtet die britische Daily Mirror.

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Therapie greift nach Unterbrechung nicht mehr

Anfangs spricht die junge Britin Emma Jenkinson noch gut auf die Chemotherapie, die zur Bekämpfung ihres wieder aufgetretenen Hirntumors eingeleitet worden war, an. Bereits Mitte 20 hatte sie schon einmal die unheilvolle Diagnose bekommen - doch die Ärzte gewinnen den Kampf gegen den Krebs. Bei ihrem Rückfall ist alles anders: Die Corona-Pandemie zwingt die Ärzte, die Behandlung zu unterbrechen.

Mit unheilvollem Ausgang: Im September ist klar, dass die Therapie nach dem anfänglichen Erfolg nicht mehr greift. "Sie begann, ihr Gleichgewicht zu verlieren und umzufallen. Im schlimmsten Fall fiel sie 15 bis 20 Mal am Tag", erzählt ihr Ehemann Andrew. "Sie fiel im Garten ziemlich heftig um und stieß sich den Kopf an einem Pfosten, sodass ich sie schnell zur Notaufnahme bringen musste."

Crowdfunding für Therapie, dann für letzte Reise - schließlich für Beerdigung

Ende September stirbt die junge Mutter - und hinterlässt Kinder im Alter von elf, neun, vier und zwei Jahren und ihren Ehemann Andrew. "Wie jede Mutter wünscht sich Emma, dass ihre Kinder in Zukunft gesund und glücklich sind, und sie hat große Angst, dass sie dies in Zukunft nicht mehr erleben wird", schreibt ihr Ehemann noch vorher auf einer Crowdfunding-Seite, die er angelegt hatte, um für finanzielle Unterstützung zu sorgen.

Als klar ist, dass der Tumor nicht besiegt werden kann, widmet er das Funding für eine letzte große Familienreise um: "Alles, was sie sich wünscht, ist, dass die Kinder glückliche Erinnerungen an sie und uns alle zusammen haben", schreibt ihr Mann dann. Schließlich nur noch kurz und knapp die traurige Nachricht über ihren Tod. Dann hat Andrew das Geld für die Beerdigung verwendet - da die Familie knapp bei Kasse sei.

Gesundheitsminister Matt Hancock über Krebsbehandlungen: "Virus muss unter Kontrolle bleiben"

Noch vor zwei Wochen hatte Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock gewarnt: Es sei "von entscheidender Bedeutung, dass alle verstehen, dass der beste Weg zur Aufrechterhaltung der Krebsbehandlung darin besteht, die Krankheit zu unterdrücken". Er deutete im gleichen Atemzug an, dass Hunderttausende von Patienten mit Verzögerungen bei geplanten Operationen und Chemotherapien rechnen müssen, wenn sich der Ausbruch auf den britischen Inseln weiter verschlimmere.

"Den Patienten den Eindruck zu vermitteln, dass das britische Gesundheitssystem den Laden für die normalen Behandlungen schließen muss, wenn Covid-19 zuschlägt, ist wenig hilfreich und könnte letztlich Leben kosten", regte sich daraufhin Chris Hopson, Chef der Dienstleister-Organisation NHS-Providers, über Hancocks Auslassungen aus. Denn es werde der Eindruck vermittelt, das Gesundheitssystem sei ein "Covid-only service".

Deutscher Intensivmediziner: Mehr Covid-19-Patienten führt zu Personal-Umverteilung

Den Kliniken in Deutschland drohe durch den Anstieg der Covid-19-Patienten kein Kollaps, es könnte aber zu Engpässen in anderen Bereichen kommen, sagte Stefan Kluge, der Chef der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf am Dienstag im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Freie Intensivbetten gebe es derzeit genug, sagte er dort - der Engpass sei das Personal. "Der Pflegemangel ist unser Hauptproblem." Das sei schon vor Corona so gewesen. Wenn mehr Covid-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden müssen, müsse man Personal innerhalb der Klinik umverteilen "und das führt zu einer Leistungseinschränkung der übrigen Bereiche, das muss uns ganz klar sein."

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