Mehr als 90 Prozent der Betroffenen sterben

Hirnfressende Amöbe: Lauert die Gefahr auch in deutschen Gewässern?

Die sogenannte hirnfressende Amöbe kommt in Süßwasser wie Seen, Teichen und Flüssen vor.
© picture alliance / Roland Mühlan, Roland Mühlanger

28. September 2020 - 13:33 Uhr

Gefahr von "Naegleria fowleri"-Infektion in Süßwasser

Sie dringt durch die Nase ins Gehirn ein, kann sich hier festsetzen und das Gehirn zerstören: Die Amöbe "Naegleria fowleri" kommt vorwiegend in Süßwasser vor und kann beim Menschen tödliche Infektionen auslösen. Immer wieder machen Todesfälle durch die sogenannte "hirnfressende" Amöbe weltweit Schlagzeilen, wie aktuell der Fall eines verstorbenen Sechsjährigen in Texas. Aber lauert diese Gefahr auch in deutschen Gewässern? Das müssen Sie beachten.

Mehr als 90 Prozent der Betroffenen sterben

Sie gelangt durch die Nase in unseren Körper, frisst sich ins menschliche Gehirn und kann eine lebensgefährliche eitrige Entzündung von Hirnhaut und Hirngewebe (Primäre Amöben-Meningoenzephalitis, PAM) auslösen: Die Naegleria fowleri ist eine mikroskopisch kleine, einzellige Amöbe, die zumeist in warmem Süßwasser wie Seen, Teichen und Flüssen zu finden ist. Und sie ist nicht der einzige Parasit, der dem Menschen gefährlich werden kann.

Durch bloßen Hautkontakt oder Verschlucken ist sie für uns ungefährlich, wie die amerikanische Gesundheitsbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) mitteilt. Laut Robert Koch-Institut sind weltweit etwa 250 Fälle von Primärer Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) beschrieben, allerdings wird von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen. Mehr als 90 Prozent der Fälle verliefen tödlich. Allein in den USA sind laut CDC 145 Fälle von 1962 bis 2018 bekannt. Nur vier Menschen überlebten.

Behörden warnen vor Schwimmen in warmem Süßwasser

Wie es dem betroffenen Mann aus Hillsborough County in Florida geht, wurde bislang nicht bekannt gegeben. Die örtlichen Behörden warnen nun vor Aktivitäten wie Schwimmen und Tauchen in warmem Süßwasser, heißen Quellen und thermisch verschmutztem Wasser, wie z. B. Wasser in der Nähe von Kraftwerken. Empfohlen wird zudem das Tragen einer Nasenklammer, um den Eintritt von möglichen Amöben in die Nase zu verhindern.

In der Regel treten erste Symptome einer Primären Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) etwa fünf Tage nach der Infektion auf. Typische Anzeichen sind laut CDC:

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • steifer Nacken
  • Verwirrung
  • mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber Menschen und Umgebung
  • Gleichgewichtsverlust
  • Krampfanfälle
  • Halluzinationen

Bei ersten Symptomen muss sofort ein Arzt kontaktiert werden, da die Krankheit extrem schnell fortschreitet. Nach den ersten Anzeichen führt sie in der Regel innerhalb von fünf Tagen zum Tod.

Gibt es gehirnfressende Amöben auch in Deutschland?

Der Parasit Naegleria fowleri findet sich vor allem in sehr warmen Gewässern und tritt vor allem im Juli, August und September vermehrt in den Südstaaten der USA auf. In Deutschland ist laut "Ärzte Zeitung" bislang keine Infektion mit der Naegleria fowleri bekannt. In Europa gab es den letzten bekannten Fall vor 38 Jahren in Großbritannien. Wer sich trotzdem beim Baden sorgt, sollte laut Robert Koch-Institut darauf achten, den Kopf über Wasser zu halten und zusätzlich eine Nasenklemme tragen.