Impfschaden angedichtet

Hirnblutung: Impfgegner instrumentalisieren zu Unrecht Erkrankung eines Patienten

Jens Babiak in seinem Element: In der Natur.
Jens Babiak in seinem Element: In der Natur.
© Jens Babiak

30. Januar 2022 - 10:06 Uhr

Alles, was man im Internet veröffentlicht, kann ein Eigenleben entwickeln. Das musste der Baumarktmitarbeiter Jens Babiak in besonders krasser Form erleben, als er im Sommer 2021 wegen einer Hirnblutung im Krankenhaus behandelt wurde. Von dort teilte er ein Foto, das ihn im Krankenbett zeigt. Als es ihm ein bisschen besser ging, musste er feststellen, dass ihm Impfgegner im Internet einen Impfschaden "diagnostiziert" hatten, wie unter anderem der WDR auf seiner Internetseite berichtet. Diese falschen Behauptungen haben möglicherweise nicht nur viele andere Menschen verunsichert, sondern – wenn auch nur kurz – sogar Jens Babiak selbst.

Lese-Tipp: Aktuelle Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

Impfschaden? Plötzlich kursierten Foto und persönliche Daten bei Telegram

Jens Babiak aus Niederkassel ist Hobbyfotograf und seine Social Media Kanäle werden von vielen Leuten verfolgt. Und so geriet sein Krankenbett-Foto in Umlauf. Ein Journalist wies Babiak irgendwann daraufhin, dass sein Foto bei Telegram als Beispiel für Impfschäden präsentiert wird.

"Da war ich dann zu sehen, mit Klarnamen und Foto nach der OP, mit Beatmungsgerät. Ich dachte, was läuft hier für ein falscher Film ab! Zu dem Zeitpunkt hatte ich selbst noch nicht verstanden, was mit mir los ist." So hat Babiak die Situation gegenüber dem WDR beschrieben.

Er selbst sei ins Grübeln geraten, denn die genaue Ursache für seine lebensgefährliche Hirnblutung sei unklar. Er hätte seine Auffrischungsimpfung zunächst aufgeschoben, heißt es.

Uniklinik Bonn und Gesundheitsbehörde schließen einen Impfschaden aus

Schließlich konnten Experten Babiak beruhigen. Die Blutung sei vier Wochen nach der zweiten Impfung mit Biontech aufgetreten. In diesem Zusammenhang wären solche Nebenwirkungen allerdings "nicht möglich" hätten ihm die Gesundheitsbehörden im Rhein-Sieg-Kreis versichert.

Auch die Impfärztin Tanja Menting von der Uniklinik Bonn ist sicher: "Bei diesem Patienten würde ich die Blutung, die dort stattgefunden hat, als Komplikation nach einer Impfung für absolut ausgeschlossen halten," wird sie vom WDR zitiert.

Inzwischen hätte Babiak seine Auffrischungsimpfung erhalten und betont gegenüber dem WDR: "Ich bin doch kein Impfgegner."

Die schwere Erkrankung scheint Babiak gut überstanden zu haben. Im Internet veröffentlich er wieder traumhafte Naturfotos. Die Richtigstellung des Sachverhalts um den erfundenen Impfschaden liegt ihm allerdings offensichtlich am Herzen: So erlaubte er uns, für diesen Artikel sein Foto zu zeigen. Die Internetmeldungen mit falschen Informationen über seine Erkrankung hat er hingegen löschen lassen. (cli)