Schul-Unterricht in Hessen ohne "Teams"?

Amerikanische Videocall-Programme verstoßen gegen den Datenschutz

09. Juni 2021 - 20:26 Uhr

Das Aus für "Teams" und Co. an Schulen?

Tools für das Abhalten von Videokonferenzen sind in der Pandemie zu unerlässlichen Kommunikationsmitteln geworden. Gerade im Home Office oder im Wechselunterricht ist ein Alltag ohne Programme wie beispielsweise Microsofts "Teams" unvorstellbar geworden. US-amerikanische Programme wie diese verstoßen allerdings gegen den Datenschutz und dürfen aus diesem Grund ab dem 1. August nicht mehr an hessischen Schulen eingesetzt werden.

Stadtelternbeirat wehrt sich

Elternbeirätin Rafaela Hartenstein aus Frankfurt hat den Offenen Brief an den Kultusminister mit unterzeichnet.
Elternbeirätin Rafaela Hartenstein aus Frankfurt hat den Offenen Brief an den Kultusminister mit unterzeichnet.
© RTL, RTL Hessen, Benjamin Holler

Auf Seiten der Eltern hat man leider wenig Verständnis für die Einstellung des Teams-Programms. "Wir verstehen die Datenschutz-Bedenken, aber die Kinder haben ein Recht auf Bildung auch im digitalen Raum. Viele Unternehmen nutzen Teams und andere Systeme und die haben sich etabliert und bewährt und wenn das Land Hessen es noch nicht geschafft hat, hier ein eigenes sicheres und stabiles System bereitzustellen, dann muss da dringend nachgebessert werden", erzählt uns Rafaela Hartenstein, die Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirates.

Datenschutzbeauftragter: Lizenz wird verlängert, sofern kein adäquates Ersatzprogramm vorliegt

Zwar nutzten auch viele Unternehmen Programme wie "Teams", in den Schulen gebe es laut des Kasseler Datenschutzbeauftragten Kevin Marshall aber eine besondere Situation: "Hier haben wir auch Daten von Kindern und Jugendlichen, die einer besonderen Schutzbedürftigkeit unterliegen und gerade die öffentliche Hand muss hierbei ganz genau hinschauen, dass eben auch die Grundrechte schutzbedürftiger Kinder und Minderjähriger gewahrt bleiben", erzählt er uns im Interview.

Bevor es allerdings kein Ersatzprogramm für den Unterricht gibt, werde die Lizenz für Programme wie Teams verlängert. Hessische Schüler und deren Eltern müssen sich also keine Gedanken machen.

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Wie ist die aktuelle Situation an den Schulen?

Die 7-Tage-Inzidenz in Hessen sinkt. Aktuell beträgt sie bei 23,8. In Hessen gibt es stand Mittwoch (9.6.) keinen Kreis mehr, der sich nicht bereits in Lockerungsstufe 2 oder unmittelbar davor befindet. In der zweiten Stufe gilt ohnehin wieder Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen. Sollten die Infektionszahlen also auch in Zukunft niedrig bleiben, fällt das Teams-Problem vielleicht doch nicht so stark ins Gewicht. (kmü)

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