Unnötige Untersuchungen ab 2021 verboten

Hebamme und Kinderarzt klären auf: Sind 3D-Ultraschalle für Ungeborene wirklich gefährlich?

Ultraschall-Bild
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18. Dezember 2020 - 15:13 Uhr

Babyfernsehen ab 2021 verboten

Ein 3D-Ultraschall ist für viele werdende Eltern ein sehr emotionaler Termin während der Schwangerschaft. Sie können ihr Kind zum ersten Mal richtig sehen. Doch diese Zusatzleistung der Gynäkologen ist ab 2021 verboten. Der Grund dafür ist die hohe Strahlenbelastung, der der Fötus ausgesetzt wird. Hebamme Hannah Marder erklärt, wie gefährlich eine solche Untersuchung wirklich ist.

Hebamme: "Dabei entsteht auch oft starke Hitze"

Dass die Entscheidung über ein Verbot der 3D-Ultraschalle in medizinisch nicht notwendigen Fällen kommt, hält die erfahrene Hebamme Hannah Marder für überfällig. "Eigentlich hinkt die Entscheidung hinterher, da die neue Strahlenschutz-Verordnung von 2018 der ausschlaggebende Punkt war", so Marder zu RTL.

"Man sollte einen Fötus keinerlei unnötiger Strahlen aussetzen, dazu gehören in dem Fall auch Ultraschallstrahlen", bringt es die Hebamme auf den Punkt. "Ob diese wirklich Fehlbildungen beim Ungeborenen auslösen, kann ich nicht sagen. Was man sagen kann ist, das bei solchen 3D-Ultraschalluntersuchungen lange Untersuchungen notwendig sind, um das "passende Bild" vom Baby hinzubekommen damit die hohen Kosten gerechtfertigt sind. Und dabei entsteht auch oft starke Hitze durch den Ultraschall." Die Kosten für eine solche Zusatzleistung liegen je nach Praxis zwischen 50 und 150 Euro.

Auch der Kinderarzt Dr. Georg-Christian Zinn sieht die landläufige Nutzung des 3D-Ultraschalls kritisch. "Was auf den ersten Blick für die Eltern sehr, sehr schön ist, hat Ausmaße angenommen wie ein Babytourismus. Das Problem war, dass Studien zeigen, dass es im Mutterbauch zu einer Erwärmung des Fruchtwassers kam, mit momentan noch nicht ganz klaren Folgen für die ungeborenen Kinder", erklärt Dr. Zinn. Ursprünglich sei die Berechtigung des 3D-Ultraschalls gewesen, Missbildungen und Fehllagen zu erkennen. Mittlerweile diene er aber fast nur noch zur Unterhaltung der Eltern.

Hebammen und Gynäkologen unterstützen die Entscheidung

Auch wenn das Verbot für gynäkologische Praxen Gewinneinbußen bedeutet, stehen Ärzte und auch Hebammen hinter der Entscheidung, die der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen mitteilte. "Frauenärzte unterstützen diese Entscheidung, obwohl ihnen dadurch wohl viel Geld verloren geht, da so ein 3D-Babyfernsehen schon immer eine IGeL war", erklärt Hebamme Hannah Marder. Die Abkürzung "IGeL" steht für Individuelle Gesundheitsleitung, das bedeutet, dass Eltern diese Leistungen selbst bezahlen mussten.

Eltern können aus medizinischer Sicht beruhigt sein

Die meisten Eltern werden die gesetzliche Entscheidung sicherlich nachvollziehen können, auch wenn die Aufregung, das eigene Kind noch vor der Geburt sehen zu können, sicherlich groß ist. Hebamme Hannah Marder sagt dazu: "Für die werdenden Eltern bedeutet das, dass drei Routineultraschalluntersuchungen bei einer vitalen Schwangerschaft gemacht werden die jederzeit bei Auffälligkeiten oder Risikoschwangerschaften ausgeweitet werden." Aus medizinischer Sicht können werdende Eltern also beruhigt sein.

Auf den emotionalen Wert dieses Ultraschalle müssen Eltern ab 2021 dann verzichten. "Und es bedeutet, dass die Eltern sich, was das Aussehen des Kindes betrifft, eben bei der Geburt überraschen lassen müssen", schmunzelt die Hebamme.