Umfrage unter Ärzten

Hausärzte klagen: Patienten setzen Behandlungen zu oft nicht richtig um oder brechen sie ab

Oft fehlt die Zeit, um ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten aufzubauen.
Oft fehlt die Zeit, um ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten aufzubauen.
© imago/Westend61, zerocreatives, imago stock&people

25. November 2021 - 16:19 Uhr

Behandlungen zu oft abgebrochen oder erst gar nicht gestartet

Wer krank ist, braucht die passende Therapie. So weit, so gut. Doch in der Praxis scheitert das häufig an den Patienten. Denn die würden verordnete Behandlungen zu häufig abbrechen oder nicht richtig befolgen. Das klagen jetzt 150 niedergelassene Hausärzte in Deutschland in einer Studie des Biotechnologie-Unternehmens Amgen an.

Erschreckende Zahlen von Hausärzten

Mediziner sprechen von der sogenannten "Adhärenz", also der Übereinstimmung von ärztlichem Rat und dem dann folgenden Verhalten von Patienten. Diese Therapietreue sei wichtig, um Krankheiten langfristig behandeln und heilen zu können – werde aber in der Praxis zu oft nicht eingehalten. Ganze 94 Prozent der befragten Hausärzte sehen es als Grund für das Scheitern einer Therapie, dass Patienten die Ratschläge der Ärzte nicht befolgen würden.

Denn 88 Prozent der Befragten stellen fest, dass ihre Patienten die Behandlung nicht richtig befolgen – sprich Medikamente nicht nehmen oder zu früh absetzen oder Überweisungen zu anderen Ärzten nicht wahrnehmen. Das zeige sich besonders bei chronischen Krankheiten, die über einen längeren Zeitraum behandelt werden müssten.

In Zahlen gaben die Ärzte an:

  • 20 von 100 Patienten beginnen eine Therapie erst gar nicht richtig
  • 33 von 100 würden die Behandlung nicht richtig umsetzen
  • 30 von 100 brechen Therapien vorzeitig ab

Doch warum befolgen Patienten die ärztlichen Anordnungen nicht?

Grund für den fehlenden Therapieerfolg könnte mangelndes Vertrauen zu den Ärzten seien, vermuten knapp zwei Drittel der Hausärzte. Insbesondere in Praxen mit einem hohen Anteil an Patienten fehle oftmals das Vertrauen in den Arzt. Aber auch mangelndes Vertrauen in die Behandlung sei ein Problem, gab knapp die Hälfte der befragten Ärzte an. Viele Patienten hätten Angst vor Nebenwirkungen, seien vergesslich oder überfordert, so die Ergebnisse der Studie.

Außerdem mangele es an der aktiven Mitarbeit der Patienten. So würden viele mit angeordneten Behandlungen aufhören, sobald es um Eigeninitiative gehe. Auch das Ausbleiben von Behandlungsergebnissen sorge dafür, dass Patienten Behandlungen frühzeitig abbrechen.

Lese-Tipp: DocFleck erklärt, welche Vorsorgeuntersuchungen Sie auf keinen Fall verpassen sollten

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Doch wie kann man Patienten dazu bringen, Therapien nicht abzubrechen?

Auch wenn das Ergebnis der Befragung niederschmetternd ist, will der Großteil der Ärzte das Problem aktiv angehen. Durch verbesserte Kommunikation soll das gelingen, doch auch die Einbindung von Verwandten könne helfen, dass mehr Patienten ihre Therapien beenden. (lra)