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Hat die Niedersachsen-Wahl FDP-Chef Rösler gerettet?

Hat die Niedersachsen-Wahl FDP-Chef Rösler gerettet?

Landtagswahl Niedersachsen Rösler
FDP-Bundeschef Rösler freute sich in Berlin über das gute Ergebnis der Liberalen in Hannover.
dpa, Marc Tirl

Erfolg auf Leihbasis für die angeschlagenen Liberalen

Für einen Sieger lässt sich Philipp Rösler an diesem Wahlabend sehr viel Zeit. Fast anderthalb Stunden schon steht fest, dass die FDP allen Umfragen zum Trotz in Niedersachsen wieder im Landtag sitzt. Und wie: Fast zehn Prozent sind es geworden – so gut war die Partei in Hannover noch nie und seit der Bundestagswahl im Herbst 2009 auch nicht mehr. Trotzdem wird es 19.21 Uhr, bis Rösler im Thomas-Dehler-Haus aus dem dritten Stock ins Erdgeschoss herunter kommt.

Dort steht der 39-Jährige ganz allein auf der Bühne. Es dauert eine ganze Weile, bis der Parteichef und Vizekanzler bei all dem Jubel zu Wort kommt. Rösler lässt seine Anhänger gewähren. "Ein großartiger Tag", sagt er dann. "Nicht nur für Niedersachsen, sondern für die FDP und die Liberalen in ganz Deutschland." Damit macht er sofort deutlich, dass er sich seinen Teil des Erfolgs nicht nehmen lassen will.

Die anderen Schwergewichte aus der FDP-Führung stehen rechts unten am Rand, wo auch Röslers Frau Wiebke im gelben Kleid zu finden ist. Auch dort wird geklatscht, wenn auch nicht ganz so heftig wie anderswo im Saal. Selbst Fraktionschef Rainer Brüderle, der den Parteivorsitzenden erst am Freitag öffentlich angezählt hatte, bewegt die Hände zusammen. Dann aber drückt er gleich wieder auf seinem Smartphone herum. Entwicklungsminister Dirk Niebel bleibt in der zweiten Reihe.

Rösler schlägt den Bogen dann weiter, bis zur Bundestagswahl im September. "Wir schaffen Wahlsiege", sagt er. "Schwarz-Gelb kann es schaffen." Und dann noch: "Am Ende müssen wir die Sieger sein. Das Rennen hat erst angefangen." Am Abend werde nun gemeinsam gefeiert, am Montag - wenn sich in Berlin Präsidium und Parteivorstand treffen - werde man sich wieder an die Sacharbeit machen. Die Betonung liegt auf Sache.

Niebel stärkt Rösler nicht den Rücken

Die Frage ist nun, ob das alle so sehen. Der heftig gescholtene Niebel jedenfalls macht kurz darauf deutlich, dass er von seiner Forderung nach einer schnellen Klärung der Personalfragen auch jetzt nicht abrücken will. Ob Rösler der Richtige sei, wird er gefragt, als der Parteichef schon wieder in seinem Zimmer ist. Die Antwort: "Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder gewählte Parteivorsitzende der richtige

ist." So sieht zu Beginn des Wahljahres 2013 bei der FDP Loyalität aus.

Mancher in der FDP-Spitze hätte insgeheim wohl eine Niederlage oder ein mageres Ergebnis rund um fünf Prozent in Kauf genommen – nur um Rösler rasch zu stürzen. Ein Königsmord aber nach fast zehn Prozent, das dürfte ziemlich schwierig sein. Nach Putsch riecht es also erst einmal nicht mehr im Lager der Liberalen. Selbst der notorische Störenfried Wolfgang Kubicki sagt: "Philipp Rösler wackelt nicht." Die FDP werde nun in den nächsten Tagen "in aller Ruhe und mit Gelassenheit" ihre Personalfragen entscheiden.

Wird der Parteitag noch von Mai auf März vorgezogen, wie es die Rösler-Gegner verlangt haben? Er könnte das kaltlächelnd abblocken. Warum soll er sich bewegen? "Rösler hat bewiesen: Er kann Wahlkampf", sagt ein Vertrauter des Vizekanzlers.

Doch wie groß ist Röslers Anteil an dem Sieg tatsächlich? Hinter den Kulissen flüstern am Abend die ersten Alphatiere, man dürfe sich von der großen Zahl nicht blenden lassen. Die CDU-Leihstimmen hätten die FDP gedopt.

Eine Variante, die nun in der Führung heftig diskutiert wird: Am Montag könnte Rösler seinen Widersacher Brüderle als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl vorschlagen. Rösler würde dann alle seine Ämter behalten. Aber lässt Brüderle sich darauf ein?

Dieser Sieg ist für die FDP auch mit Blick auf die Bundestagswahl riskant. Kanzlerin Angela Merkel dürfte großes Interesse daran haben, dass ihre Union nicht noch einmal so viele Stimmen an die FDP verschenkt. Der Wirtschaftsminister muss jetzt aufpassen, seinen Erfolg nicht übermütig zu verspielen. Das passierte ihm bei der Bundespräsidentenwahl – als er nach dem Gauck-Coup die Kanzlerin mit einem Frosch verglich.