Kein Knast für Hells-Angels-Chef Hanebuth

"Für uns ist es besser vom Gericht bestraft zu werden, als die Achtung unserer Familie zu verlieren..."

Niedersachsen, Hannover, 06.08.2020, Rockerboss Frank Hanebuth vor Gericht, Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth weg
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06. August 2020 - 15:20 Uhr

Urteil gegen Rockerboss gefallen

Nach drei Prozesstagen steht nun fest: Der Boss der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, kann aufatmen. Gemeinsam mit fünf weiteren Männern war er der gemeinschaftlichen Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und dem Verstoß gegen das Waffenschutzgesetzt beschuldigt. Nun wurde Hanebuth zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 50 Euro verurteilt.

Eine Bagatelle für den Rockerboss?

Im April 2018 sollen der 55-jährige Frank Hanebuth und seine Kollegen einen 40-jährigen Autowerkstatt-Chef aus Langenhagen bei Hannover attackiert haben. Auslöser der Streitigkeiten sollen der Anklage zufolge Mietrückstände in Höhe von 2.500 Euro gewesen sein. Als der KFZ-Mechaniker nicht zahlen wollte, soll er umringt und attackiert worden sein. Dabei soll einer der Männer, ein heute 46-Jähriger, das Opfer geschlagen haben. Hanebuth selbst soll nur Beihilfe geleistet haben. Das ging aus Aufnahmen einer Überwachungskamera hervor, die vor Gericht ausgewertet wurden. Für einen der führenden Köpfe des Rockerclubs klingt der Vorwurf beinahe nach einer Bagatelle, denn die Akte des 55-Jährigen ist bereits mit einigen Straftaten gefüllt.

Opfer verweigerte Aussage

Im Zeugenstand verweigerte das Opfer die Aussage und wirkte auf unsere RTL-Reporterin angespannt und nervös. Der KFZ-Mechatroniker gab an, sich an nichts mehr erinnern zu können. Kriminologe Christian Pfeiffer zweifelt dies an und vermutet: "Vielleicht sind sie [Hanebuth und seine Kollegen] auf die kluge Idee gekommen [zu sagen:] Okay, wenn du dich nicht mehr so ganz erinnerst, erlassen wir dir deine Mietschulden, aber wenn du weiterhin beharrlich bist, dann lernst du uns anders kennen. So eine Mischung: Keine klare wirkliche Drohung, aber ein Angebot und dann schweigt er [das Opfer]." Letztlich konnte das Gericht darüber keine Aussage treffen und musste sich auf die Aussagen der anderen Zeugen verlassen, darunter auch Janusch S.. Er war Kraftwagenfahrer bei der Polizei und häufiger in der Werkstatt des Opfers zu Besuch. Der attackierte KFZ-Mechatroniker soll ihm unmittelbar nach dem Vorfall von der Tat erzählt haben.

Nächster Prozess wartet bereits auf Hanebuth

Rocker Frank Hanebuth
Auf den Rockerboss Frank Hanebuth wartet bereits der nächste Gerichtsprozess in Spanien.
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Auf Grundlage dessen treffen die Geschworenen letztlich das Urteil, was für Hanebuth vergleichsweise glimpflich ausfiel. Der Rockerchef wurde wegen Beihilfe zur Körperverletzung, Nötigung und Verstoß gegen Waffengesetz zu 80 Tagessätze à 50 Euro verurteilt. Auch die vier beteiligten Männer kamen mit einer Geldstrafe davon. Der Hells-Angels-Boss und seine Kollegen nahmen die Strafe relativ gelassen entgegen: "Für uns ist es besser vom Gericht bestraft zu werden, als die Achtung unserer Familie zu verlieren und nichts anderes war hier der Fall", erklärte Hanebuth im RTL-Interview.

Auf den Rockerchef wartet aber bereits ein viel brisanteres Verfahren in Spanien: Im Februar 2019 erhob die spanische Staatsanwaltschaft Anklage gegen Hanebuth. Der Vorwurf lautet: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Geldwäsche und Erpressung.  Mit dem Rockerboss sind 45 weitere Beteiligte von der spanischen Staatsanwaltschaft angeklagt. Schlimmstenfalls drohen Frank Hanebuth dort 13 Jahre Haft.