Verbraucherzentrale entlarvt rosarote Verpackungs-Lüge

Hersteller zocken Frauen bei Kosmetikprodukten ab

27. Februar 2019 - 12:06 Uhr

Sie zahlt viel mehr als Er - trotz gleichen Inhalts

Für SIE in Pink, und für IHN in Blau. Aber sonst sind in vielen Drogerie-Artikeln die Inhaltsstoffe von Deo, Rasierschaum und Co. fast identisch. Dennoch müssen Frauen für die weiblich designten Produkte deutlich tiefer in die Tasche greifen. Durch welche Creme jetzt Schluss sein soll, mit der rosaroten Abzocke - das zeigen wir im Video!

Frauen für dumm verkauft

Frauen zahlen oft mehr als Männer! Die Hamburger Verbraucherzentrale hat Rasierprodukte aus Drogerien untersucht - das schockierende Ergebnis: Elf der getesteten Produkte kosten für Frauen bis zu 38 Prozent mehr. Dabei sind die Inhaltsstoffe und Zusammensetzung der untersuchten Produkte nahezu identisch. Und das ist nicht nur bei Rasierprodukten so.

"Wir haben die Marktstichprobe zum vierten Mal gemacht - und die Preisdifferenz hat sich wenig verändert", bilanzierte Armin Valet von der Verbraucherzentrale am Dienstag in Hamburg. Die Verbraucherschützer forderten Kosmetik-Hersteller und -Händler auf, eine Preisdiskriminierung von Frauen zu unterlassen, denn auch bei Rasierern oder Parfüm finden sich ungerechte Preisunterschiede.

Preisunterschiede von bis zu 105 Prozent aufgedeckt

Drogerieprodukte kosten für Frauen mehr als für Männer.
Obwohl der Inhalt fast gleich ist, kostet die pinke Variante deutlich mehr.
© dpa, Christian Charisius, chc wst

So kostet eine 30ml Flasche Eau de Toilette für Damen der Marke Mexx 16,99 Euro und das männliche Pendant in einer 50ml Flasche 17,99 Euro. Damit gibt es bei diesem Produkt ein Frauenaufschlag von 57 Prozent.

Besonders hoch ist der Frauenaufschlag bei "Sensitiver Rasierschaum" von Isana (150ml) für 0,89 Euro. Er beträgt ganze 109 Prozent, denn der "Rasierschaum Sensitiv" von Isana men (300ml) kostet, trotz doppelt so viel Inhalt, nur 0,85 Euro.

Weil die Produkte für Männer und Frauen in Größe, Form und Gestaltung sehr unterschiedlich sind, bleibt die Abzocke der weiblichen Kundschaft oft verborgen. "Die Hersteller und Händler nutzen aus, dass Frauen häufiger als Männer bereit sind, für Pflegeprodukte mehr Geld auszugeben. Vor allem wenn sie sich von der Gestaltung der Verpackung angesprochen fühlen", erklärt Armin Valet.

Ist ein Ende der Preis-Abzocke in Sicht?

Gender Pricing, also Preise nach Geschlecht, heißt diese fiese Masche der Industrie, auf die die Verbraucherschützer jetzt sogar mit einem eigenen Beauty-Produkt aufmerksam machen. Was genau dahinter steckt, sehen Sie im Video.

Mehr Informationen zu Einkaufsfallen in Drogerie und Supermarkt, finden Sie bei der Hamburger Verbraucherzentrale.