Sein Handycode lautete 9112001

Hamburger plante islamistischen Terroranschlag zum Jahrestag von 9/11 - Acht Jahre Haft!

ARCHIV - 12.05.2022, Hamburg: Ein 21 Jahre alter Angeklagter sitzt im Oberlandesgericht neben seinem Verteidiger Roman Raczek im Saal. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann die Vorbereitung eines islamistisch motivierten Sprengstoffanschlags vor und
Der Angeklagte soll fasziniert von Al-Qaida gewesen sein. (Archivbild)
dbo kno, dpa, Daniel Bockwoldt

Die Tat, die er geplant hat, hätte mehreren Menschen das Leben nehmen können. Nur knapp konnten Ermittler im vergangenen Jahr eine Katastrophe vereiteln. Am Freitag hat das Hanseatische Oberlandesgericht sein Urteil im Prozess um einen geplanten Terroranschlag zum 20. Jahrestag der Attentate vom 11. September 2001 verkündet: Der 21-jährige Deutsch-Marokkaner muss acht Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der junge Hamburger den Anschlag aus „fanatischem Hass auf vermeintlich Ungläubige“ verüben wollte.

Verdeckte Ermittler überführen ihn beim Waffenkauf

Der von Al-Qaida faszinierte Angeklagte habe geplant, einen Sprengsatz nach Vorbild des Anschlags auf den Boston-Marathon zu bauen, bei dem am 15. April 2013 drei Menschen getötet und 260 Menschen verletzt wurden. Dafür habe er größere Mengen an Chemikalien sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern gekauft. Außerdem soll er durch den Kauf einer Handgranate und einer Pistole mit Munition gegen das Kriegswaffenkontroll- und Waffengesetz verstoßen haben. Beim Kauf der Waffen sei er an einen verdeckten Ermittler geraten. Spezialkräfte der Polizei hatten den 21-Jährigen am 26. August 2021 in Hamburg-Stellingen festgenommen. Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung fanden die Ermittler das Material zum Bombenbau.

Angeklagter speicherte Reden von Osama bin Laden

Auf seinem Handy und Laptop hatte der Angeklagte nach Angaben der Bundesanwaltschaft umfangreiche islamistische Propaganda abgespeichert, darunter Dokumente, die die Tötung von Zivilisten rechtfertigten, Reden des früheren Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden und eine Vielzahl von Anleitungen zum Bombenbau. Der Code zum Entsperren des Handys lautete demnach 9112001 - und habe damit dem Datum der Attentate in den USA entsprochen.

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Urteil geht über Forderung der Bundesanwaltschaft hinaus

Seit Mai läuft der Prozess in Hamburg. Die Vertreter der Bundesanwaltschaft hatten am Dienstag eine Haftstrafe von sieben Jahren beantragt. Der Verteidiger sprach sich am Mittwoch für eine Jugendstrafe von maximal drei Jahren aus. Mit dem Urteil ging das Gericht noch über die Forderung der Bundesanwaltschaft hinaus. Die Vorsitzende Richterin bezeichnete den 21-Jährigen, der keine Reue gezeigt habe, als „tickende Zeitbombe“. (dpa/cto)