Prozess um islamistischen Anschlag in Hamburg beginnt

21-Jähriger vor Gericht: Er wollte offenbar möglichst viele Menschen töten

Hanseatisches Oberlandesgericht Hamburg
Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg muss sich der 21-Jährige verantworten. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Rund um den 20. Jahrestag von 11. September 2001 wollte ein damals 20-jähriger Deutsch-Marokkaner einen Terroranschlag im Großraum Hamburg durchführen. Beim Kauf von Waffen ist er aufgeflogen und wurde gestoppt. Jetzt beginnt der Prozess vor dem vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht.

Dem 21-Jährigen werden mehrere Anklagepunkte vorgeworfen

Am Donnerstag (12.05.) um 09:30 Uhr beginnt der Prozessauftakt im Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg. Der 21-Jährige kommt entspannt in den Gerichtssaal. Lässig begrüßte ihn sein Verteidiger mit einem Faustcheck. Danach besprechen sich die beiden einige Minuten.

Dem Tatverdächtigen werden in der Anklageschrift gleich mehrere Verstöße vorgeworfen: Unter anderem soll die Bundesanwaltschaft dem heute 21 Jahre alten Deutsch-Marokkaner die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz vor. Der junge Angeklagte soll sich im Sinne der islamistischen Ideologie von Al-Kaida radikalisiert haben.

Sein Verteidiger beantragt direkt zu Beginn die Öffentlichkeit von der Hauptverhandlung auszuschließen. Der Antrag der Verteidigung wird jedoch abgelehnt.

Er hatte schon alles für die Bombe im Wohnzimmerschrank

Der damals noch 20-Jährige soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft einen Sprengsatz nach dem Vorbild des Anschlags auf den Boston-Marathon vom 15. April 2013 bauen. Er hat größere Mengen an Chemikalien sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern gekauft. Der junge Islamist hatte alle wichtigen Utensilien für die Bombe schon zu Hause im Wohnzimmerschrank, wie aus einem Haftbeschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervorgeht. Demnach soll der Mann nur noch eine handelsübliche Batterie und eine feste Umhüllung, etwa einen Schnellkochtopf gebraucht haben. Bei einem Anschlag mit dem Sprengsatz hätten sehr viele zufällige Opfer getötet und verletzt werden können, stellte der BGH fest.

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Die Polizei hatte den damals 20-jährigen, heutigen Angeklagten auf dem Parkplatz des Schnellrestaurants verhaftet. Foto: Georg Wendt/dpa/Archivbild
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Weiter heißt es in der Anklageschrift, dass der Angeklagte versucht haben soll, im Darknet eine Makarow-Pistole mit 50 Schuss Munition und eine Handgranate zu kaufen. Dabei sei er an einen verdeckt agierenden Ermittler einer US-Behörde geraten, der ihn an einen Beamten des Bundeskriminalamts weiterleitete. Bei der vereinbarten Übergabe der Waffen am 26. August 2021 wurde der junge Mann auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants in Hamburg festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.(dpa/ljo)