Sie hatte ihn schon vorab bei der Polizei gemeldet

Tote Frau (20) im Keller: Von Stalker vergewaltigt und erstickt?

Der Angeklagte Sharif A. sitzt neben seinen Anwälten.
Der Angeklagte Sharif A. sitzt neben seinen Anwälten.
© dpa, Christian Charisius, chc cul

18. Oktober 2021 - 13:21 Uhr

Prozessauftakt in Hamburg

Es war ein grauenvoller Anblick, der sich Rettungssanitätern in einem Mehrfamilienhaus am 10. Januar 2021 in Hamburg-Neuallermöhe bot. Die 20-jährige Victoria L. liegt tot im Fahrradkeller. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft soll Sharif A. (23) die junge Frau erst vergewaltigt und dann erstickt haben. Seit Montagvormittag steht der Libyer vor dem Landgericht Hamburg.

Victoria L. hatte Sharif A. schon bei der Polizei gemeldet

Victoria L. und Sharif A. lernten sich online kennen. Er wollte offenbar mehr als nur eine Freundschaft mit ihr. Claudia Krüger vertritt am Montag die Eltern von Victoria L. Beide sind Nebenkläger. Krüger sagt gegenüber RTL Nord zu der von Sharif A. gewollten Liebesbeziehung: "Sie hat das vehement abgewehrt und gesagt: Ich interessiere mich nicht dafür." Sharif A. soll das aber nicht akzeptieren haben. Victoria L. soll ihn bei der Polizei gemeldet haben, "weil er ihr aufgelauert hat, sie 200 mal am Tag angerufen hat, sie einmal auch geschlagen hat und sie nicht in Ruhe gelassen hat", so Krüger.

Jedoch bleibt der Kontakt zwischen den jungen Leuten bestehen. Es geht um Drogen.

Wegen Drogen verabredet

Auch am 9. Januar verabreden sich Victoria L. und Sharif A., offenbar, um gemeinsam Drogen zu konsumieren. "Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklageschrift davon aus, dass der Angeklagte den gedämpften Zustand der Geschädigten ausgenutzt haben soll, um sie zu vergewaltigen", so Kai Wantzen, Gerichtssprecher. Victoria L. soll mindestens eine Tablette Methaddict und Tramadol von Sharif A. bekommen und eingenommen haben. Beides sind Opioide und gehören damit zu den stärksten und schnellst wirksamen Schmerzmitteln.

Die 20-Jährige soll sich - trotz Drogenrausch - noch versucht haben, zu wehren. Daraufhin habe Sharif A. die junge Frau erstickt. Hierzu nahm er entweder die von ihm zuvor getragene Jeans und drückte sie auf ihr Gesicht oder er nahm ihren Kopf und drückte ihn derart auf seine am Boden liegende Jeans, dass die Sauerstoffzufuhr durch Mund und Nase verhindert wurde, so die Staatsanwaltschaft am Montagvormittag.

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Rückblick: Das war passiert

Victoria L. wird am Sonntag, 10. Januar 2021 im Fahrradkeller des Mehrfamilienhauses im Rahel-Varnhagen-Weg in Hamburg-Neuallermöhe tot aufgefunden. Sharif A. ruft selbst die Rettungskräfte. Als die Notfallsanitäter die Polizei alarmieren wollen, flieht der 23-Jährige. Für die Anwohner ist besonders dieser Zeitpunkt kaum auszuhalten. Wo ist der mutmaßliche Täter? "Man hat kleine Kinder, da hat man wirklich Angst", beschreibt ein Anwohner den Zeitraum der Ungewissheit in einem Interview im Januar. Eine andere Nachbarin sagt: "Man macht sich schon Gedanken, wenn das im eigenen Haus passiert und wenn das auch niemand mitbekommt, dann ist das schon sehr seltsam." Zwei Stunden später wird Sharif A. in einem Carport festgenommen, hier soll er versucht haben, sich vor der Polizei zu verstecken.

Während der kommenden sieben Prozesstage soll geklärt werden, was genau in der Nacht zum 10 Januar 2021 im Rahel-Varnhagen-Weg in Hamburg mit Victoria L. passiert ist. (agi)