Haas-Teamchef im RTL-Interview

Schumachers Formel-1-Zukunft hängt an Steiners "Bauchgefühl"

Haas-Teamchef Steiner weiter ohne Entscheidung Was wird aus Mick?
02:35 min
Was wird aus Mick?
Haas-Teamchef Steiner weiter ohne Entscheidung

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Mick Schumachers Zukunft in der Formel 1 ist ungewiss, die Optionen des 23-Jährigen für die kommende Saison sind rar gesät. Ob Schumacher beim US-Rennstall Haas bleibt, hängt maßgeblich vom „Bauchgefühl“ von Teamchef Günther Steiner ab. Den Südtiroler treibt bei der Fahrerwahl für 2023 eine klassische Frage um, wie er im RTL/ntv-Interview erläutert.

Schumacher? Hülkenberg? Ein Anderer? Haas setzt sich nicht unter Druck

Jugend oder Erfahrung? Mit Mick Schumacher in eine dritte Saison und damit weiterhin ein gewisses Risiko gehen oder einen Routinier an Bord holen, dessen Karriere-Ende nicht mehr allzu weit entfernt ist? „Das sind alles diese Fragen, die da herumgeistern“, sagte Steiner. Dass Schumacher auch nächstes Jahr im Haas-Cockpit sitzt, sei zwar ohne Weiteres möglich, die Wahrscheinlichkeit liege bei „Fifty-Fifty“.

Seine starke Leistung beim Großen Preis von Italien, als der Youngster mit vielen Überholmanövern glänzte, hat Schumacher also (noch) keinen entscheidenden Vorteil im Haas-Poker verschafft. Steiner und Rennstall-Eigner Gene Haas wollen weiter in aller Ruhe abwarten und die Lage am Fahrermarkt sondieren, wie der Teamchef betont.

Haas habe sich kein Datum für eine Entscheidung gesetzt, so Steiner: „Da setzt man sich selbst unter Druck und das brauchen wir ja nicht, da spielen wir ja nur gegen uns selbst. Wir haben eigentlich gar keinen Zeitdruck, all die anderen haben den Zeitdruck, nur wir nicht, das ist ein Vorteil, den wir uns nicht wegnehmen.“ Man wolle sehen, „was möglich ist, was passiert“, ließ sich der Südtiroler nicht in die Karten schauen. Immerhin: „Mick hat ein gutes Rennen in Monza gefahren.“

Schumacher hat neben Haas kaum realistische Optionen für 2023. Bei Alpine könnte eine Tür aufgehen, die Franzosen wollen allerdings am liebsten Pierre Gasly von AlphaTauri loseiesen. Beim´dem Red-Bull-Juniorteam wäre Platz, sollte Gasly wechseln. Red-Bull-Berater Helmut Marko ließ jedoch schon mehrfach verlauten, dass Schumacher bei AlphaTauri nicht wirklich zur Debatte stehe. Bliebe noch Williams, was – Stand heute – einen sportlichen Abstieg für Schumacher bedeuten würde.

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„Ein Mann wie Nico bringt Erfahrung mit“

Um seine Chancen bei Haas zu verbessern, muss Schumacher in den nächsten Rennen weiter überzeugen. Es könne sogar sein, dass Haas mit seiner Fahrerwahl bis Saisonende warte, sagte Steiner. Die Kandidatenliste für das Cockpit neben Kevin Magnussen ist nicht gerade kurz. „Die meisten Fahrer mit einer Superlizenz“ stünden darauf, so der 57-Jährige – auch Nico Hülkenberg.

„Ein Mann wie Nico bringt Erfahrung mit“, pries Steiner die Vorzüge des 35-Jährigen, der seit zwei Jahren ohne Stammcockpit ist, bei Kurzeinsätzen für erkrankte Fahrer aber immer wieder überzeugt hatte. Alles entscheidend sei für Haas die Frage: „Was kann ein Fahrer dazu beitragen, das Team besser zu machen und uns nach oben zu bringen?“

Momentan könne er diese Kardinalfrage nicht beantworten, räumte Steiner ein. „Wie viel Risiko will man gehen? Mit einem jungen Fahrer geht man gewöhnlich mehr Risiko ein, weil man nicht weiß, wie weit er es bringen kann“, spielte der Teamchef auf Schumachers schwankende Leistungen im Saisonverlauf an. Ein erfahrener Pilot wisse dagegen, was er mache, sei aber näher am Karriere-Ende und womöglich nicht mehr so motiviert. Letztlich gebe das „Buchgefühl“ den Ausschlag, so Steiner: „Das kann man nicht mathematisch berechnen.“

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Hülkenberg und Magnussen als Teamkollegen? „Ich glaube, die Fans würden es lieben“, spielte Steiner augenzwinkernd auf einen Zwischenfall vor einigen Jahren an. Damals hatte Hülkenberg ein Interview des Dänen gecrasht, der dem „Hulk“ daraufhin riet, „meine Eier zu lutschen“.

Ein weiterer Routinier, der Schumacher bei Haas ablösen könnte, ist der beim McLaren ausgemusterte Daniel Ricciardo. Den Australier will der Rennstall aber nicht mit aller Macht verpflichten, ließ Steiner durchblicken. „Daniel muss in seiner Situation erst einmal selbst entscheiden, was er macht. Es macht wenig Sinn, auf ihn einzureden, etwas zu machen, er muss das selbst entscheiden. Wenn er Lust hat, wird er sicher anrufen, sonst wird er wohl sagen, ich mache einmal ein Sabbatical oder etwas anderes.“ (fgö/mar)