Kann das wirklich sein?

Gynäkologin schätzt ein: Verlor eine Schwangere ihr Kind, durch schwere Arbeit bei Amazon?

Eine Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon: Die Arbeitsbedingungen sollen Schuld an einer Fehlgeburt sein.
Eine Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon: Die Arbeitsbedingungen sollen Schuld an einer Fehlgeburt sein.
© dpa, Caroline Seidel, tba rho abl alf

26. Juli 2021 - 17:53 Uhr

Schwere Vorwürfe gegen Amazon

Es sind schwere Vorwürfe, die eine Frau aus den USA gegen den Online-Handelsriesen Amazon erhebt. Die schwangere Lagerarbeiterin aus Kalifornien sagt, sie habe trotz eines ärztlichen Attests, weiterhin schwere Pakete schleppen müssen und deswegen eine Fehlgeburt erlitten, berichtet das amerikanische Magazin "Vice". Aber kann das wirklich sein? Wir haben eine Gynäkologin gefragt.

Frauenärztin: "Extrem unwahrscheinlich"

Gynäkologin Dr. Susanne Maurer
Gynäkologin Dr. Susanne Maurer
© RTL

Lagerarbeiterin Patty Hernandez ist in der siebten Woche schwanger, als sie während der Arbeit plötzlich einem Drang verspürt, auf Toilette zu gehen. Sie rennt durch das Lagerhaus zu einer Toilette und entdeckt Blut in ihrer Hose. Später erleidet sie eine Fehlgeburt. Die ganze Geschichte können Sie hier nachlesen.

In der siebten Schwangerschaftswoche spiele körperliche Belastung so gut wie keine Rolle, sagt Gynäkologin Dr. Susanne Maurer. "Wenn es darum geht, dass man zum Beispiel 20 Kilogramm Gewicht hebt, was ich mir vorstellen kann, dass das bei Amazon der Fall ist, dann führt das sehr sehr unwahrscheinlich zu einem Abort." Außer es sei eine gestörte Frühschwangerschaft mit einer Gebärmutterhalsschwäche, dann könne das schon sein, so die Frauenärztin. Bei einer ungestörten Schwangerschaft sei es aber extrem Unwahrscheinlich, dass die Fehlgeburt mit den Arbeitsbedingungen zu tun habe.

Körperliche Belastung spielt in Frühschwangerschaft keine Rolle

Leider ist eine Fehlgeburt in der Frühschwangerschaft keine Seltenheit. "Bei Patientinnen, die wissen, dass sie schwanger sind, bis zu 20 Prozent dieser Schwangeren erleben bis zur siebten Schwangerschaftswoche einen Abort. Das ist sehr viel", sagt Dr. Susanne Maurer. Mit Stress oder körperlicher Belastung habe das aber eben nichts zu tun. "Insbesondere nicht dann, wenn der Abort in einer frühen Schwangerschaftswoche stattfindet. Stressbedingt zum Beispiel sind es eher Patientinnen, die wesentlich weiter in der Schwangerschaft sind und eine Frühgeburt dann haben." Patty Hernandez war aber noch nicht so weit in der Schwangerschaft, dass körperliche Belastung eine große Rolle spielen würde. "In der Früh-Schwangerschaft spielt körperliche Belastung praktisch keine Rolle. Es geht in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen nach einem 'Alles oder Nichts'-Prinzip und die Feten, die gesund sind, die überleben meistens die zwölfte Schwangerschaftswoche, weil in dieser Zeit findet die Organausbildung statt. Und das ist eine sehr vulnerable Phase. Wenn da irgendwas schief laufen würde und das kann man nicht durch Stress oder vermehrtes Tragen beeinflussen, dann kommt es zum Abort." Danach gehe es um den Erhalt und das Wachsen der Schwangerschaft "und da spielen Faktoren, wie Stress oder körperliche Belastung eine Rolle, aber in der Frühschwangerschaft nicht", erklärt die Expertin. (mol)

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