Grusel-Albträume im Dresdner "Tatort"

Angst, Schlafwandeln & Co.: Was sind Parasomnien?

Talia (links) wird nachts von Toten verfolgt.
Talia (links) wird nachts von Toten verfolgt.
© dpa, Daniela Incoronato, alf

16. November 2020 - 14:25 Uhr

Was sind Parasomnien?

Unruhiger Schlaf, Albträume, Stimmen und tote Menschen, die sie nachts verfolgen. Was die 14-jährige Talia im Dresdner "Tatort" von Sonntag mitmacht, wünscht sich keiner. Parasomnie heißt die Schlafstörung, die ihr das Leben zur Gruselhölle macht. Klingt alles sehr weit hergeholt? Leider nein, denn Parasomnien sind gar nicht mal so selten. Wir erklären, was genau dahinter steckt.

Vor allem Kinder haben Parasomnien

Vor allem Kinder und Jugendliche sind von Parasomnien betroffen. Diese sind zum Glück nicht immer so gruselig wie bei Talia im Dresdner Tatort, sondern reichen vom Zähneknirschen über Albträume bis hin zum Schlafwandeln oder nächtlicher Panik. Nach der Pubertät und im Erwachsenenalter nehmen die Schlafstörungen in der Regel ab.

Grundsätzlich sind Parasomnien Phänomene, die während des Schlafs auftreten, ohne direkt die Qualität und die Erholsamkeit des Schlafs zu beeinträchtigen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). "Da es bei verschiedenen Störungsbildern jedoch zu Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Bettes und/oder zum Erwachen kommt, schildern viele Patienten mit häufig auftretenden Parasomnien auch einen gestörten Gesamtschlaf. Die DGSM unterteilt die verschiedenen Parasomnien in die Schlafphasen, in denen sie auftreten:

NREM-Schlaf-Parasomnien /Aufwachstörungen

Bei Parasomnien in dieser Phase können einfache Handlungen ausgeführt werden, die Augen sind geöffnet, die Person erkennt, wo sie hinläuft, erkennt aber bekannte Personen nicht. Das Gehirn ist nicht komplett "eingeschaltet". Auch erinnern sich die Betroffenen fast nie an das nächtliche Geschehen. Parasomnien in dieser Schlafphase sind:

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  • Nachtangst (Pavor nocturnus)

Die Nachtangst tritt meist zu Beginn der Nacht auf und macht sich durch ein lautes Schreien bemerkbar. Die Betroffenen haben weit geöffnete Augen und zeigen massive Symptome von Angst. Wie die DGSM erklärt, kann es auch vorkommen, dass die Betroffenen plötzlich aus dem Bett springen und im Zimmer umher- oder sogar aus dem Haus herauslaufen. Bekannte Personen werden in der Regel nicht erkannt. Im Gegensatz zu Albträumen werden keine kompletten Traumabfolgen erlebt, sondern vielmehr einzelne Bilder (wie ein bedrohliches Tier) wahrgenommen. Etwa 20 Prozent aller Kinder sind von Pavor nocturnus betroffen. Bei Erwachsenen tritt sie seltener auf. Ursachen können familiäre Veranlagung und Stress sein.

  • Schlafwandeln

Beim Schlafwandeln (Somnambulismus) führen Betroffene in der ersten Nachthälfte oder auch mitten in der Nacht teils unsinnige Aktivitäten aus. Wie bei der Nachtangst sind die Augen hier geöffnet, die Person sieht, was sie tut. Meist kann sie sich aber morgens nicht mehr daran erinnern. Weil es bei Schlafwandlern zu Verletzungen kommen kann oder dazu, dass diese das Haus verlassen, sollten Vorsichtsmaßnahmen getroffen und die Umgebung sicher gestaltet werden. Sowohl beim Pavor nocturnus als auch beim Schlafwandeln können Entspannungsübungen vor dem Schlafen helfen.

  • Schlaftrunkenheit

Bei Schlaftrunkenheit kommt es zu einem Erwachen, allerdings nicht vollständig. Betroffene sind darum häufig verwirrt und desorientiert. Dieses Phänomen tritt meist bei Weckungen aus dem Tiefschlaf auf, zum Beispiel durch einen Wecker. Es kann auch vorkommen, dass dieser dann ausgestellt wird, ohne dass die Betroffenen richtig wach werden.

REM-Schlaf-Parasomnien

Die REM-Schlafphase ("Rapid Eye Movement") beschreibt die Phase, in der viele schnelle Augenbewegungen stattfinden und gilt darum als traumreich. Der REM-Schlaf kommt vor allem in der zweiten Nachthälfte vor.

  • Albträume

Albträume sind die häufigste Parasomnie. Kaum ein Mensch hatte noch nie Albträume, vor allem als Kind oder Jugendlicher kommen diese verstärkt vor, rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung leiden laut der DGSM daran. Albträume sind durch negative Gefühle wie Angst, Trauer oder Ekel gekennzeichnet, die so stark sind, dass sie zum Erwachen führen. Im Gegensatz zum Pavor nocturnus erinnern sich Betroffene anschließend an ihren Traum. Kommen Albträume einmal pro Woche oder häufiger vor oder haben Kinder aufgrund von möglichen Albträumen Angst vorm Einschlafen, ist eine Behandlung ratsam.

  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Bei dieser Parasomnie kommt es während des REM-Schlafs zu einem "Ausagieren von Träumen", wie die DGSM schreibt. Sind die Träume sehr intensiv und mit viel Bewegung und Aggression, kann es passieren, dass die Betroffenen das Bett verlassen und sogar sich selbst oder jemand anderen verletzen. Die Betroffenen können sich an die Träume erinnern. Grundsätzlich sind diese Parasomnien sehr selten. Sie treten meist bei Männern ab 50 Jahren auf und können ein Vorbote von degenerativen Erkrankungen wie Parkinson sein. Besteht der Verdacht einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung, sollte diese unbedingt behandelt werden.

  • Schlaflähmung

Die Schlaflähmung oder Schlafparalyse ist gekennzeichnet durch Bewegungslosigkeit beim Erwachen aus dem REM-Schlaf. Das Gefühl der Lähmung setzt meist direkt im Anschluss an einen Traum ein und betrifft den gesamten Körper, abgesehen von den an Atmung und Augenbewegung beteiligten Muskeln. Schlaflähmung tritt vor allem bei Menschen mit Narkolepsie auf, kann aber auch ohne diese vorkommen.

Parasomnien ohne eindeutiges Schlafstadium

  • Zähneknirschen (Bruxismus)

Nächtliches Zähneknirschen kommt sehr oft vor, steht aber in keinem Zusammenhang mit einer körperlichen oder seelischen Erkrankung. Fehlstellungen der Zähne oder Stress können das Knirschen begünstigen. Entspannungsübungen sowie eine Aufbiss-Schiene für die Nacht können helfen und Zähne und Kiefer schützen.

  • Sprechen im Schlaf (Somniloquie) 

Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sprechen im Schlaf. Weil die Sprechmuskulatur im Schlaf entspannt ist, ist das Gesprochene meist nicht zu verstehen. Wer im Schlaf spricht, benötigt weder medizinische noch psychologische Hilfe. Entspannungsübungen können aber helfen.

  • Schlafbezogene Essstörung

Diese Störung ist eine Form des Schlafwandelns und zeichnet sich durch die wiederholte Nahrungsaufnahme in der Nacht aus. Die Betroffenen sind dabei nicht komplett wach und können sich häufig nicht an ihre Handlungen erinnern.

Weitere Parasomnien ohne eindeutiges Schlafstadium sind Bettnässen (Enuresis), rhythmische Bewegungsstörungen oder Einschlafzucken.

Wann müssen Sie wegen Parasomnien zum Arzt?

Wer Parasomnien hat, muss in der Regel nicht unbedingt in ärztliche Behandlung. Treten sie aber sehr häufig auf, sind seelisch belastend für die Betroffenen oder beeinträchtigen Schlaf und Tagesstimmung, ist eine medizinische Beratung empfehlenswert. Kommt es zu Verletzungen oder gefährlichen Handlungen, beispielsweise beim Schlafwandeln, sollte auch ein Arzt oder Schlafmediziner hinzugezogen werden.

Hilfe finden Betroffene oft in schlafmedizinischen Zentren, so die DGSM. Als Faustregel gilt: Kommen die Parasomnien einmal pro Woche oder häufiger vor, ist medizinische Hilfe ratsam.