Tränenreiche Erinnerung nach 15 Jahren

Wie Orkan "Kyrill" die Existenz von Paul und Sieghard zerstörte

18. Januar 2022 - 23:21 Uhr

von Gunda Möller und Sarah Thoemmes

15 Jahre ist es her, dass einer der stärksten Stürme in den vergangenen Jahrzehnten über Europa hinwegfegte: Orkan Kyrill zerstörte Mitte Januar 2007 Häuser, Wälder – und sogar Menschenleben. Wie die Erinnerung an den zerstörerischen Sturm noch heute hessischen Waldbesitzern die Tränen in die Augen treibt – im Video!

50 Prozent der Bäume zerstört - "Es war furchtbar"

Innerhalb von nur zwei Stunden hatte Kyrill ganze Arbeit geleistet: Fast 50 Prozent von Sieghard und Paul Dröschs Waldfläche in Gladenbach bei Marburg war zerstört. Fünf Meter hohe Bäume hatte der Sturm Kyrill einfach abgeknickt. "Alles sah anders aus, ich wusste nicht, wo ich war", erinnert sich Vater Paul. "Es war furchtbar", sagt er unter Tränen – die schmerzhafte Erinnerung ist gegenwärtig im RTL-Interview.

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"Mein Vater musste zuschauen, wie alles am Boden liegt", bestätigt Sohn Sieghard. Eigenhändig angepflanzte Bäume, die Arbeit von 100 Jahren und drei Generationen von heute auf morgen zerstört – 80.000 Euro Verlust. Auch nach 15 Jahren holt die Verzweiflung über diese Naturkatastrophe die Dröschs wieder ein: "Die Erinnerung ist permanent da."

Erschütternde Zerstörung: 50 Prozent der Bäume von Paul und Sieghard Drösch fegte Orkan Kyrill im Januar 2017 einfach um.
Erschütternde Zerstörung: 50 Prozent der Bäume von Paul und Sieghard Drösch fegte Orkan Kyrill im Januar 2007 einfach um.
© RTL

60 Jahre hoffen auf "Nachwuchs"

Doch Vater und Sohn mussten weitermachen: Neue Bäume wurden gepflanzt, neue Hoffnung wurde geschöpft. Bis weitere Ereignisse sie und ihren Wald vor neue Herausforderungen stellen: Die Trockenheit in den vergangenen Jahren bedeutete erneut fast 80 Prozent wirtschaftlichen Verlust. Noch 60 Jahre wird es laut Paul und Sieghard dauern, bis die nächste Generationen mit dem neu gepflanzten Wald einen Ertrag erwirtschaften kann. Und bei der Rechnung darf kein Orkan, kein zu trockener Sommer und kein Borkenkäfer dazwischen kommen.

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Kyrill-Männchen als Denkmal

Denkmal an Kyrill: Dieser Baum blieb 2017 als einziger stehen zwischen seinen zerstörten Nachbarn - bis er ein Jahr später Sturm Emma zum Opfer fiel.
Kyrill-Denkmal: Dieser Baum blieb 2007 als einziger stehen zwischen seinen zerstörten Nachbarn - bis er ein Jahr später Sturm Emma zum Opfer fiel.
© RTL

Nur noch drei Bäume sind "Zeitzeugen" – so wie die hätten alle Bäume heute aussehen können, wäre Kyrill nicht gewesen. In einem Abschnitt des Waldes hat nur ein Baum Kyrill standgehalten – und die Ironie folgte: "Ein Jahr später war der Sturm Emma. Der hat ihn dann umgelegt", erzählt Paul Drösch. Aus den traurigen Überbleibsel schnitzte der Waldbesitzer ein Kyrill-Männchen mit Gedenktafel. Dieser erinnert Vater und Sohn jeden Tag an ihren Verlust – aber auch daran, ihre Leidenschaft trotz aller Widrigkeiten weiter zu verfolgen.