75 Cent je Kartenzahlung?!

Gebührenfalle Girocard: Immer mehr Banken kassieren bei jedem kleinen Kauf ab

Vorhalten und fertig: Bargeldloses Bezahlen wird immer einfacher - günstiger wird es allerdings nicht. Im Gegenteil...
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14. Januar 2021 - 10:39 Uhr

Bargeldloses Bezahlen: Mehr als 460 Banken erheben Gebühren

Gebührenfalle beim bargeldlosen Zahlen: Immer mehr Banken kassieren ihre Kunden bei Zahlungen mit der Girocard ab. Schon mehr als 460 Institute erheben Gebühren für jede Transaktion - vor allem Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.

Praktisch ja, aber auch kostenlos? Der Irrtum mit der Girocard

Bargeldloses Bezahlen ist in der Pandemie auf dem Vormarsch. Im Supermarkt oder beim Bäcker schnell die Karte zücken – das ist praktisch und kostet nichts. Könnte man zumindest meinen. Doch wer beim Einkauf an der Kasse die falsche Karte nutzt, der muss unter Umständen draufzahlen.

Recherchen des Finanzportals Biallo.de zeigen, dass immer mehr Geldinstitute von ihren Kunden Gebühren kassieren, wenn diese mit der Girocard bezahlen. Die Girocard ist das, was man früher EC-Karte nannte, heute läuft sie teilweise auch unter den Begriffen Bankcard oder Sparkassen-Card. Fast jeder Deutsche hat eine solche Plastikkarte im Portemonnaie, sie ist hierzulande das am häufigsten genutzte bargeldlose Zahlungsmittel.

Konten bei Sparkassen und Volksbanken betroffen

Doch während die Zahlung mit Kreditkarte in der Regel im gesamten Euroraum kostenlos ist, geht der Trend bei der Girocard offenbar zur Gebühr. Laut Biallo-Auswertung kassieren 460 von rund 1200 regionalen Geldinstituten ihre Kunden bei jedem Zahlvorgang ab. Betroffen seien nicht alle Kontomodelle der jeweiligen Anbieter, aber immer das klassische Filialkonto und das Basiskonto. Die einen nehmen kaum spürbare 2 Cent je Zahlung, andere greifen mit bis zu 75 Cent bei jedem Brötchenkauf oder Friseurbesuch ordentlich zu. Im Schnitt beträgt die Gebühr laut der Auswertung 35 Cent. Wer seine Karte zweimal am Tag nutzt, kommt so am Ende des Jahres auf 255 Euro Extra-Gebühren.

Betroffen sind vor allem Girokonto-Kunden von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Bereits vor einem halben Jahr hatten die Biallo-Experten erstmals darauf hingewiesen, dass diese Institute im großen Stil Gebühren für Girocard-Zahlungen erheben. Damals fand das Portal die Gebühr bei rund 400 Geldhäusern. Nun sind es sogar 463 Institute, darunter 192 Sparkassen, 265 VR-Banken und sechs andere Anbieter. "Wir vermuten, dass es insgesamt sogar deutlich mehr sind, weil die Geldhäuser diese Kosten vor der Öffentlichkeit gut verstecken und wir sicherlich bisher nicht alle heimlichen Kassierer aufgespürt haben", schreibt Portalgründer Horst Biallo.

Gebühren werden clever versteckt

Versteckt werden die Gebühren nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch vor den eigenen Kunden. In den Kontoauszügen tauchen diese laut Biallo oft nur allgemein als "Buchungsgebühren" auf. Welche Buchungen welche Gebühren auslösen, muss der Kunde mühsam selbst herausfinden. Dafür muss er zuerst das für sein Konto gültige "Preisleistungsverzeichnis" oder die "Entgeltinformation" finden und die Aufstellung der Gebühren verstehen. Sollte die Zahlung mit Girocard nicht explizit aufgeführt sein, kann diese trotzdem unter einem Überpunkt wie "beleglose Buchungen" enthalten sein.

Hinweis: Dieser Artikel von Daniel Bakir erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.