Gleichzeitige Lähmung aller vier Gliedmaßen

Gesundheitslexikon: Tetraplegie

Als Tetraplegie bezeichnet man die vollständige Lähmung (Plegie) aller vier Extremitäten
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24. Februar 2020 - 14:40 Uhr

Tetraplegie - Lähmung von Armen und Beinen

Das zentrale Nervensystem des Menschen, bestehend aus Gehirn und Rückenmark, regelt bewusste und unbewusste Aktionen des Körpers und seiner Organe. Eine Verletzung dieses Nervengeflechts führt zu Ausfällen von Körperfunktionen, die man grob in Paraplegien und Tetraplegien einteilt. Während die Tetraplegie alle vier Extremitäten betrifft, sind bei der Paraplegie nur die Beine gelähmt.

Was ist Tetraplegie?

Zu einer Tetraplegie kommt es, wenn in Höhe der Halswirbelsäule Nervenzellen zerstört oder beschädigt wurden. Alle Körperfunktionen, die von den Nerven unterhalb der Verletzungsstelle reguliert werden, fallen dadurch aus. Bei einer Tetraplegie (von griechisch tetra = vier, plegie = Lähmung) ist zusätzlich zu Beinen und Armen noch der Rumpf betroffen. Je höher in der Halswirbelsäule die Verletzung liegt, desto mehr Muskeln der Arme sind gelähmt. Man unterscheidet die komplette und die inkomplette Lähmung. Bei letzterer sind noch einzelne Nervenfunktionen vorhanden.

Ursachen einer Tetraplegie

Verschiedene Ereignisse können zu einer Schädigung der Nervenbahnen in der Halswirbelsäule führen und damit eine Tetraplegie auslösen. Am häufigsten verursacht ein Trauma die Verletzung. Typisch sind Verkehrs-, Arbeits- oder Sportunfälle. Hiervon sind Männer fast doppelt so oft betroffen wie Frauen. Seltener ist der Auslöser ein Tumor, der Nerven abquetscht und schädigt. Weitere mögliche Ursachen sind Blutungen oder Durchblutungsstörungen. Schließlich können Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose oder auch Osteoporose zu Veränderungen der Knochenstruktur und damit zu Schädigungen im Rückenmark führen.

Die Symptome sind zahlreich und hängen davon ab, wo genau und wie das Rückenmark geschädigt wurde

Als Hauptsymptom einer Tetraplegie kann man Arme und Beine nicht mehr bewegen. Außerdem sind keine Empfindungen wie Wärme, Kälte oder Schmerz wahrnehmbar. Auch ist das autonome Nervensystem betroffen, was zu Störungen an Organen führt, etwa an Darm und Blase, die sich nicht mehr selbstständig entleeren können. Der Wärmehaushalt kann nicht mehr regulieren werden und die Tränen- und Speichelbildung kann gestört sein. Reflexe können eingeschränkt, zu stark oder auch gar nicht mehr funktionieren.

So kann Tetraplegie diagnostiziert werden

  1. Der Verdacht auf Tetraplegie entsteht schon, wenn sich ein Unfall mit Verletzung der Halswirbelsäule ereignet hat und Arme und Beine nicht mehr bewegt werden können. Da sich jedoch Symptome noch verändern und zurückgehen können, sind für eine sichere Diagnose bildgebende Verfahren nötig. Mit der Computertomografie können durch die detaillierten Querschnittbilder der Wirbelsäule Schäden lokalisiert und ihr Ausmaß bestimmt werden. Bei Lähmungen, denen eine Erkrankung zugrunde liegt, liefert auch die Kernspintomografie (auch Magnetresonanztomografie, MRT) aussagekräftige Informationen. Schließlich kann eine Blut- und Nervenwasseruntersuchung weiteren Aufschluss bringen.

Die Behandlung eines akuten Falls muss schnell erfolgen

Der Patient wird dabei intensiv medizinisch überwacht, da es durch die Verletzung des Rückenmarks vorübergehend auch zu Herz- und Atemstillstand kommen kann. Wegen der erhöhten Gefahr von Blutgerinnseln kommen Blutverdünner zum Einsatz. Da der Patient trotz der Tetraplegie Schmerzen haben kann, muss für eine entsprechende Schmerztherapie gesorgt werden. Wenn das Rückenmark durch Knochensplitter, durch einen Tumor oder eine Blutung gequetscht wurde, werden diese in einer Operation entfernt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.