Gesundheitslexikon: Sedierung

29. November 2018 - 15:48 Uhr

Sedierung: Wann ist der Dämmerschlaf sinnvoll?

Ob Darmspiegelung oder panische Angst vorm Zahnarzt – manchmal ist es gut, wenn man nicht alles genau mitbekommt. Wenn das Bewusstsein etwas heruntergefahren wird, spricht man von Sedierung. Dieser Zustand wird von Ärzten auch als "Kleine Narkose" oder "Dämmerschlaf" bezeichnet. Für viele Patienten ist der Zustand zwischen Wachsein und Schlaf jedoch mit Ängsten verbunden.

Was ist eine Sedierung?

Wird ein Mensch mit einem bestimmten Beruhigungsmittel behandelt, ist genau dies eine Sedierung. Der Patient gerät dabei sowohl körperlich als auch geistig in einen Zustand zwischen Betäubung und Narkose. Bei der Anwendung wird das zentrale Nervensystem durch das Sedativum dahingehend gedämpft, dass Gefühle wie Angst, Stress oder Unbehagen nicht mehr wahrgenommen werden. Der Patient bleibt für den Arzt jedoch ansprechbar und atmet selbstständig weiter, was für die Behandlung wichtig sein kann. Je nach Tiefe des Betäubungsgrades kann der Patient sich auch noch alleine bewegen.

Wann ist eine Sedierung sinnvoll?

Steht eine für den Patienten beängstigende Situation bevor, kann eine Sedierung durchaus sinnvoll sein. Üblich ist die kleine Betäubung mittlerweile zum Beispiel vor Magen- oder Darmspiegelungen und vor beanspruchenden gynäkologischen Eingriffen wie einer Ausschabung oder dem Einsetzen einer Kupferkette. Auch bei einer Nasenspiegelung, Kniespiegelung oder bei einer umfangreichen Entfernung der Weisheitszähne kann die Sedierung vom Arzt vorgeschlagen werden. Im Bereich der Notfallbetreuung ist es ebenfalls nicht selten, dass Notfallpatienten für kurze Zeit sediert werden, um die Erstversorgung gewährleisten zu können.

Wie funktioniert eine Sedierung?

Bei der Sedierung wird ein Psychopharmakon intravenös oder oral verabreicht. Die Wirkung zeigt sich in den meisten Fällen nach wenigen Minuten. Der Patient ist ruhig und entspannt. Das Sedativum wirkt auf das zentrale Nervensystem, welches vom Hirn aus gesteuert wird. Es handelt sich also nicht um eine Ausschaltung des Schmerzes, sondern um eine Reduzierung der Reizaufnahme und -weitergabe. Die Sedierungstiefe muss überwacht und gegebenenfalls nachjustiert werden. Ist der Patient weiterhin unruhig, kann sie bis hin zu einer Allgemeinanästhesie (Narkose) geführt werden.

Welche Mittel kommen bei einer Sedierung zum Einsatz?

Es gibt mehrere Wirkstoffgruppen. Gängige Substanzen sind Narkotika wie Propofol oder Alpha-2-Adrenozeptoren wie Clonin. Sie werden intravenös in den Körper eingeleitet. Auch verschiedene Antidepressiva können bei einer Sedierung zur Anwendung kommen, wenn der Patient nur leicht beruhigt werden soll. Geht es um kleinere Eingriffe und soll die Beruhigung nur sehr kurz andauern, können auch Benzodiazepine wie Diazepam oder Midazolam oral verabreicht werden. Übrigens zählen streng genommen auch Präparate aus Hopfen, Baldrian oder Passionsblume zur Gruppe der pflanzlichen Sedativa.

Risiken und Nebenwirkungen einer Sedierung

Die größte Gefahr stellt das Abfallen von Atmung und Blutdruck dar. Deshalb muss während des Eingriffs ein Anästhesist die Vitalwerte durchgehend überprüfen. Im Nachgang ist der Patient für rund 24 Stunden nicht fahrtauglich und sollte im Alltag unterstützt werden. Außerdem führen Sedativa zur raschen Gewöhnung, weshalb bei häufiger Anwendung (chronische Erkrankungen oder beispielsweise bei der Behandlung von Brandopfern) die Dosis kontinuierlich gesteigert werden muss. Die Daueranwendung birgt ein erhebliches Suchtpotenzial in sich, was immer wieder zum Missbrauch der Mittel führt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.