Gesundheitslexikon: Sucht (Abhängigkeit, Suchterkrankung)

29. November 2018 - 15:45 Uhr

Abhängigkeit als Flucht aus dem eigenen Leben

Wer von uns träumt nicht von einem Leben, in dem alles perfekt läuft? Leider sieht die Realität meist etwas anders aus und ist oftmals von Stress, Leistungsdruck und negativen Gedanken geprägt. Viele Menschen können dem nicht mehr standhalten und ermöglichen sich mit diversen Suchtmitteln eine Flucht aus dem realen Leben. Ganz egal, ob Alkohol, Drogen, Arzneien oder andere Mittel – die eigene Suchterkrankung stellt ein schwerwiegendes Problem für den Betroffenen und seine Umgebung dar. Oftmals geht sie mit prekären Folgen einher.

Formen der Suchterkrankung

Unter einer Sucht versteht man eine psychische Erkrankung, die sich durch eine zwanghafte Abhängigkeit von diversen Substanzen oder bestimmten Verhaltensweisen auszeichnet. Diese Abhängigkeit entwickelt sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum. Durch die Rauschzustände kommt es im Gehirn zu Veränderungen, die das sogenannte Belohnungssystem anregen können, welches für unsere Motivation verantwortlich ist. Diverse Stoffe wie Alkohol, Drogen und Arzneimittel signalisieren dem Gehirn genauso wie Verhaltensweisen wie Spielen, Sport oder Einkaufen den Reiz Motivation – es besteht die Gefahr, abhängig zu werden.

Ursachen

Die Ursachen einer Suchterkrankung bestehen meist aus mehreren Faktoren und sind oftmals in der Kindheit der Betroffenen zu finden. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Sucht besitzt die Persönlichkeit des Betroffenen. Wer in der Kindheit keine lebenswichtigen Zuwendungen erfahren und keinen stabilen Charakter aufbauen konnte, ist besonders gefährdet. Süchtige verfügen oftmals über ein brüchiges Bild von sich selbst. Außerdem haben sie mit großen Unsicherheiten zu kämpfen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Entstehung einer Sucht ist das soziale Umfeld.

Symptome

Bei einer Suchterkrankung spürt der Betroffene den Zwang, das Suchtmittel zu konsumieren bzw. ein bestimmtes Verhalten auszuführen. Im weiteren Verlauf der Abhängigkeit verliert man oftmals die Kontrolle über die Menge des Konsums und beginnt damit, andere Interessen zu vernachlässigen. Möchte man das Suchtmittel absetzen oder die Ausübung der bestimmten Verhaltensweise reduzieren, kommt es zu den typischen Entzugserscheinungen. Die Folgen der Suchterkrankung haben nicht nur negative Auswirkungen auf Körper und Psyche, sondern können auch das soziale Leben der Süchtigen erheblich schädigen.

Diagnose

Die Diagnose einer Abhängigkeitserkrankung wird von Neurologen, Psychiatern oder Psychotherapeuten gestellt. Sie wird in der Regel im Zuge eines Gesprächs zwischen dem Arzt und dem Patienten erstellt. Häufig werden auch Fragebögen eingesetzt, um die richtige Diagnose stellen zu können. Wenn ein Sucht-Patient seine eigene Situation nicht mehr realistisch einschätzen kann, ist auch ein Gespräch zwischen Arzt und Angehörigen sinnvoll. In vielen Fällen wird auch eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt, um alle möglichen Gegebenheiten zu erfassen und dementsprechend handeln zu können.

Behandlung

Die Behandlung der Sucht erfolgt meist durch eine Entwöhnung. Im Laufe der Zeit soll die Abstinenz als Therapieziel des Suchtkranken erreicht werden. Oftmals wird auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen empfohlen, um einen Rückfall zu verhindern und sich mit anderen austauschen zu können. Die Experten möchten hierbei die Persönlichkeit des Betroffenen stabilisieren und das Selbstbewusstsein stärken. Es ist auch sehr wichtig, dass der Patient alternative Mechanismen zur Problem- und Konfliktlösung erlernt, damit dieser bei Stress nicht wieder in die Sucht flüchtet.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.