Gesundheitslexikon: Proliferation (Zellproliferation)

29. November 2018 - 15:54 Uhr

Proliferation – der natürliche Regenerationsprozess aller Lebewesen

Wer sich schon einmal in den Finger geschnitten hat, der hat die Proliferation am eigenen Leib erlebt. In dem Moment, in dem die Wunde aufhört zu bluten und sich ein leichter Schorf bildet, setzt die ganz natürliche Zellerneuerung des Körpers ein. Wir erklären, warum die Proliferation gute wie auch schlechte Seiten hat.

Was ist Proliferation?

Der Begriff Proliferation beschreibt die Entwicklungs- und Veränderungsfähigkeit der Körperzellen. Diese können sich nicht nur teilen und damit vermehren, sondern sie wachsen auch auf eine ganz bestimmte Größe heran. Das Zusammenwirken dieser beiden Faktoren, die Vermehrung und das Heranreifen, wird auch Zellproliferation genannt. Der Vorgang ist deshalb wichtig, weil sekündlich rund 50 Millionen Zellen im Organismus absterben und durch frische Zellen ersetzt werden müssen. Die Darmschleimhaut erneuert sich alle paar Tage, während die roten Blutkörperchen zum Beispiel rund 120 Tage alt werden, bis sie durch die Proliferation ersetzt werden. Andere Bereiche, wie Sinneszellen oder Nervengewebe, sind hingegen nicht proliferationsfähig.

Wie funktioniert die Proliferation?

Der Vorgang läuft selbstständig ab. Dabei wirken bestimmte Neurotransmitter, Hormone (Insulin oder das Wachstumshormon Somatotropin) und Enzyme dahingehend auf den Zellkern ein, dass dieser sich teilt oder bis zur vollkommenen Reife weiter heranwächst. Konkret wirken die Botenstoffe auf die DNA-Replikation der Zelle. Jede Zelle bildet ein eigenständiges Duplikat ihrer selbst. Ist der Vorgang abgeschlossen, sterben die Zellen nach einer bestimmten Zeit ab und machen Platz für jüngere Zellen. Man geht davon aus, dass der Mensch mit etwa fünf Billionen Zellen geboren wird. Bis zum Erreichen des Erwachsenenalters erhöht sich die Zahl auf bis zu 90 Billionen Zellen.

Welche Vorteile hat die Proliferation?

Der ständige Erneuerungsprozess des Körpers betrifft alle Bereiche und hält ein Leben lang an. Dank der raschen Zellteilung erhöht sich beispielsweise die Überlebenschance bei Verletzungen. Bei offenen Wunden etwa reagieren zunächst die Thrombozyten. Die Blutplättchen setzen ein Protein aus der Familie der Wachstumsfaktoren frei. Dieses Hormon wirkt wiederum auf das umliegende Gewebe und stimuliert dort bestimmte Proteine im inneren Zellkern. Die Fibroblasten, also die Zellen des benachbarten Bindegewebes, teilen sich stark und verklumpen miteinander. Neues Kollagen entsteht, welches sich zum gut sichtbaren Narbengewebe entwickelt und die Wunde verschließt. Bei offenen Wunden setzt die Proliferation bereits nach etwa 20 Sekunden ein.

Das sollte man über die Proliferation wissen

Der Vorgang der Erneuerung und Regeneration hat nicht nur positive Seiten. Die Zellproliferation ist beispielsweise für das unbegrenzte Wuchern eines Tumors verantwortlich. Vor allem bei bösartigen Geschwülsten sorgt die Proliferation für das stetige Wachstum und die Ausbreitung des Tumors. Das liegt daran, dass eine entartete Zelle mittels Proliferation ihre Degeneration durch die DNA-Kopie unmittelbar an die nächste Zelle weitergibt. So entsteht ein wahrer Krebsherd, welcher sich ein autarkes Versorgungsnetzwerk erschließt und letztlich dazu in der Lage ist, in andere Körperbereiche zu metastasieren. Um das natürliche Zellwachstum zu unterbinden, muss sich der Patient einer aufwändigen Therapie unterziehen.