Gesundheitslexikon: Polymyalgia rheumatica (Polymyalgie)

29. November 2018 - 15:57 Uhr

Polymyalgia rheumatica – eine schmerzhafte Autoimmunerkrankung

Die Polymyalgia rheumatica, auch Polymyalgie, ist eine Autoimmunerkrankung und gehört zu den entzündlich rheumatischen Krankheiten. Die charakteristischen Beschwerden sind Schmerzen im Bereich des Oberkörpers, morgendliche Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und depressive Verstimmungen. Gleichzeitig kann es zu einer Arteriitis oder einer Vaskulitis kommen, das sind Entzündungen von Schlagadern und Gefäßen. Betroffen sind vorwiegend Menschen ab einem Alter von 60 Jahren. Die Polymyalgie kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Die Erkrankung ist nicht heilbar, kann aber mit Kortison gut symptomatisch behandelt werden.

Ursachen

Wodurch die Polymyalgie entsteht, ist noch nicht bekannt. Man weiß, dass sich – wie bei allen Autoimmunerkrankungen – das Immunsystem gegen den eigenen Körper richtet, statt eingedrungene Krankheitserreger zu bekämpfen, was seine eigentliche Aufgabe wäre. Was genau diese Fehlreaktion auslöst, ist noch nicht erforscht. Eine Vermutung ist, dass die Zellen des Immunsystems aufgrund des höheren Alters plötzlich übermäßig Zytokine, entzündungsverursachende Botenstoffe, produzieren. Ein anderer möglicher Auslöser wurde in Chlamydien und Mykoplasmen, beides Bakterienarten, vermutet. Dies konnte jedoch in der Forschung bislang nicht nachgewiesen werden.

Symptome

Die Erkrankung äußert sich in starken Schmerzen, die an der Muskulatur des Oberkörpers auftreten. Betroffen sind der Nacken, der Schultergürtel und die Oberarme. Seltener kommt es vor, dass auch Hüfte, Oberschenkel und Rücken in Höhe der Lendenwirbelsäule betroffen sind. In der Regel beginnen die Symptome sehr plötzlich und beidseitig. Patienten haben nicht nur bei Bewegungen, sondern auch im Ruhezustand äußerst starke und kontinuierlich vorhandene Schmerzen. Nach ein paar Wochen werden diese Schmerzen oft wellenförmig. Zusätzlich klagen Betroffene über Müdigkeit und Abgeschlagenheit, sie haben keinen Appetit, verlieren Gewicht und neigen zu Schweißausbrüchen und Depressionen.

Diagnose

Meist zeigen sich bei einer körperlichen Untersuchung durch den Arzt keine besonderen Auffälligkeiten. Die Untersuchung ist jedoch wichtig, da die Symptome der Polymyalgia rheumatica den Beschwerden anderer Erkrankungen sehr ähnlich sind. Zur weiteren Abklärung ist eine Blutuntersuchung nötig, denn damit kann eine eventuell vorhandene Entzündung im Körper nachgewiesen werden. Mithilfe von Röntgenaufnahmen werden altersbedingte Verschleißerscheinungen an den Gelenken als Ursache für die Schmerzen ausgeschlossen. Besteht bereits der Verdacht auf Polymyalgie, so wird eine Gewebeprobe aus einer Arterie entnommen und im Labor untersucht. Da Kortison bei der Erkrankung sofort die Beschwerden lindert, kann es zu diagnostischen Zwecken verabreicht werden.

Behandlung

Bei der Behandlung der Polymyalgia rheumatica ist Kortison das Medikament, das zur Linderung beitragen kann. Die Beschwerden bessern sich nach Gabe des Medikaments sofort, manchmal innerhalb weniger Stunden. Auch der Laborbefund normalisiert sich ziemlich rasch. Die Therapie wird mit einer hohen Dosis begonnen, die dann im weiteren Verlauf ganz langsam abgesenkt wird. Wird die Menge des Medikaments zu schnell reduziert, kehren die Schmerzen wieder und die Blutwerte verschlechtern sich erneut. Außerdem besteht die Gefahr von Gefäßverschlüssen, die einen Schlaganfall auslösen können. Die Höhe der Dosierung und die Dauer der Behandlung sind bei jedem Patienten unterschiedlich, daher ist eine engmaschige ärztliche Betreuung nötig.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.