Gezielter Einsatz von Kältereizen

Gesundheitslexikon: Kryotherapie (Kältetherapie)

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16. Oktober 2019 - 16:45 Uhr

Kälte als Heilmittel bei der Kryotherapie

Wer sich gestoßen hat, greift schnell zu Eis, um den Schmerz mit Kälte zu lindern. Die Kryotherapie gehört zu den ältesten Therapieformen und war bereits in der Antike bekannt. Der Begriff "kryo" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Frost, Eis oder Kälte. Die Kältetherapie zählt zu den Thermotherapien und wird in der Sportmedizin, zur Erstversorgung bei Herzinfarkten und sogar bei Tumoren angewendet.

Was ist die Kryotherapie?

Bei der Kryotherapie, auch als Kälte- oder Eistherapie bezeichnet, handelt es sich um eine medizinische Therapiemaßnahme zur Behandlung verschiedener Krankheiten. Dabei wird die Kälte gezielt auf einzelnen Körperstellen oder ganzheitlich in einer Kältekammer angewendet. Bei der Ganzkörperkältetherapie wird der Patient kurzzeitig einer Temperatur von -110 Grad Celsius ausgesetzt. Bei der lokalen Kältetherapie, auch Kältechirurgie genannt, wird entweder von außen Kälte mithilfe einer Kältesonde auf die Haut gebracht oder ein flüssiges Kühlmittel wie etwa Flüssigstickstoff mit -196 Grad Celsius direkt in das zu behandelnde Gewebe geleitet.

Wann wird Kryotherapie angewandt?

Die häufigsten Anwendungsgebiete der Kältetherapie finden sich in der Dermatologie, der Traumatologie und bei chronischen Krankheiten. Die Dermatologie macht sich die Therapie bei der Entfernung von Warzen, weißem Hautkrebs oder auch bei Narbenwachstum zunutze. In der Traumatologie kommt eine Kältetherapie bei Verletzungen, Zerrungen, Prellungen, Muskelkontrakturen, nach Operationen oder im Rahmen der Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose zur Anwendung. Symptome von chronischen Krankheiten wie Rheuma, Arthrose, Schuppenflechte oder Gicht können ebenfalls gelindert werden. Zunehmend werden die positiven Effekte einer Kryotherapie im Rahmen kosmetischer Behandlungen eingesetzt, beispielsweise bei Anti-Aging-Maßnahmen oder Gewichtsreduzierungen.

Wie läuft eine Kältetherapie ab?

Bei der lokalen äußeren Anwendung kann Eis in einem Stoff- oder Kunststoffbeutel für circa 20 Minuten auf die Haut aufgelegt werden. Weiterhin können Kältekompressen, Kältewickel beziehungsweise ein sogenannter Eisroller auf Haut oder Gelenken zum Einsatz kommen. Mit einem Kältespray können gezielt Körperpartien von außen behandelt werden. Die Behandlungstemperatur bei diesen Therapiemaßnahmen beträgt zwischen -1 bis +3 Grad Celsius. Bei der Therapie unter Verwendung von kalten Gasen, einer Kryosonde, Wattetupfern oder offenen Sprayverfahren wird die Haut von außen oder auch das Gewebe direkt mit bis zu -195 Grad Celsius für einige Sekunden vereist. Während der Ganzkörperkältetherapie wird der Patient für einige Minuten in einer Kältekammer oder einem Eisbad gänzlich der Kälte ausgesetzt.

Welche Risiken gibt es und was muss beachtet werden?

Bei der Ganzkörperkältetherapie werden empfindliche Stellen im Gesicht, beispielsweise die Nase und Ohren sowie Hände beziehungsweise Füße, geschützt. Dennoch kann es bei einer falschen Anwendung oder einer minimal länger dauernden Behandlung zu Erfrierungen kommen. Der Patient kann zudem stechende Schmerzen empfinden. Weiterhin kann es zu Blasenbildung, veränderter Pigmentierung auf der Haut oder auch zu Infektionen kommen. Bei Menschen mit Kryoglobulinämie oder Durchblutungsstörungen darf keine Kältetherapie durchgeführt werden. Nach der Behandlung sollten der Körper oder die entsprechenden Stellen gewärmt werden. Auf sportliche Betätigung muss mindestens für drei Stunden danach verzichtet werden. Der Therapeut sollte über ein Zertifikat der entsprechenden Ausbildung verfügen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.