Gesundheitslexikon: Harnstoff

10. September 2019 - 10:44 Uhr

Die Bedeutung von Harnstoff für den Organismus

Harnstoff ist ein ungiftiges Endprodukt des menschlichen Proteinstoffwechsels. Er wird über den Urin ausgeschieden. Zunächst entsteht beim Abbau stickstoffhaltiger Verbindungen giftiges Ammoniak. Dieses wird über den sogenannten Harnstoffzyklus in Harnstoff umgewandelt. In der Summe lagern sich dabei zwei Ammoniakmoleküle mit einem Kohlendioxidmolekül unter Abspaltung von einem Molekül Wasser zu Harnstoff zusammen. Allerdings ist der Harnstoffzyklus in Wirklichkeit ein sehr komplizierter biochemischer Prozess, der nur unter dem Einfluss von Enzymen ablaufen kann.

Eigenschaften von Harnstoff

In freier Form ist Harnstoff ein weißer, geruchloser und völlig ungiftiger Feststoff. Er schmilzt bei circa 132,5 bis 134,5 Grad Celsius. Dabei beginnt seine Zersetzung in Ammoniak und Kohlendioxid. Des Weiteren ist Harnstoff sehr gut wasserlöslich und zieht als hygroskopischer Stoff auch Wasser an. Dadurch erweist er sich unter anderem als Feuchtigkeitsspender in kosmetischen Produkten. Die gute Wasserlöslichkeit ermöglicht seine effektive Ausscheidung über die Nieren.

Die Physiologie des Harnstoffs im Körper

Die Entstehung von Harnstoff bewahrt den Organismus vor einer Vergiftung durch Ammoniak. Darin liegt seine größte Bedeutung. In Form von Harnstoff hat der Körper eine ungiftige Möglichkeit gefunden, den beim Abbau stickstoffhaltiger Verbindungen anfallenden Stickstoff auszuscheiden. Im Gegensatz dazu geben viele im Wasser lebende Tiere wie beispielsweise die Knochenfische Stickstoff direkt in Form von Ammoniak ab. Vögel scheiden ihren Stickstoff als Harnsäure aus. Dabei ist zu bedenken, dass Harnstoff und Harnsäure zwei völlig unterschiedliche Verbindungen sind.

Die normalen Harnstoffkonzentrationen im menschlichen Organismus

Der Gehalt an Harnstoff wird im Blut gemessen. So liegt die normale Harnstoffkonzentration im menschlichen Blut oder Serum im Bereich zwischen zehn und 50 Milligramm pro Deziliter. Täglich werden im Harn zwischen 15 und 35 Gramm Harnstoff ausgeschieden.

Was sagen abweichende Harnstoffwerte aus?

Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Harnstoffkonzentrationen deuten auf gesundheitliche Probleme hin. Liegt die Serumkonzentration an Harnstoff unter zehn Milligramm pro Deziliter, kann das auf eine Lebererkrankung oder eine Eiweißmangelernährung hindeuten. So ist entweder die Umwandlung von Ammoniak in Harnstoff gestört oder es entstehen aufgrund von Proteinmangel nur wenig Eiweißabbauprodukte. Erhöhte Harnstoffwerte im Serum können unter anderem Nierenerkrankungen anzeigen, weil die Ausscheidung von Harnstoff nicht mehr optimal gelingt. Allerdings sind die Werte auch bei einem verstärkten Eiweißverzehr erhöht.

Wann werden die Harnstoffwerte bestimmt?

Bei einer Niereninsuffizienz können die Harnstoffwerte im Serum den Schweregrad einer Urämie abschätzen. Urämie bedeutet die Ansammlung harnpflichtiger Substanzen im Blut aufgrund der verminderten Nierenleistung. Erhöhte Harnstoffkonzentrationen im Blut wirken schädigend auf die Nerven. Außerdem kommt es häufig zu schwerem Juckreiz, Magen-Darm-Problemen, Herzproblemen, Atemnot, Polyneuropathien und allgemeinen Persönlichkeitsveränderungen. Mithilfe der Bestimmung der Harnstoffwerte kann die Dialyse überwacht und der Verlauf einer Niereninsuffizienz erfasst sowie die Art eines eventuellen Komas differenzialdiagnostisch bestimmt werden.

Verwendung von Harnstoff

Harnstoff findet vielfältige Anwendung. So wird er häufig in Kosmetika wie Cremes und Salben unterstützend als Feuchtigkeitsspender eingesetzt. In der Pharmazie wird beispielsweise seine hornhautauflösende Eigenschaft bei der Therapie von Verhornungsstörungen ausgenutzt. Als Lebensmittelzusatz dient er unter anderem als Stabilisator.