Chemische und biochemische Verbindung

Gesundheitslexikon: Derivat

Blutderivate sind abgeleitete Medizinprodukte aus Blutkonserven.
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03. Juni 2019 - 13:18 Uhr

Derivate - die Bedeutung der abgeleiteten Stoffe in der Medizin

Derivate spielen besonders in der Chemie, Analytik, Pharmazie und der Medizin eine große Rolle. Es handelt sich in diesem Zusammenhang um abgeleitete, aber noch ähnlich aufgebaute chemische und biochemische Verbindungen sowie um verarbeitete Medizinprodukte. Der Begriff Derivat findet auch in anderen Bereichen, die mit Biologie, Chemie oder Medizin nichts zu tun haben, Verwendung, etwa in der Wirtschaft.

Was genau ist ein Derivat?

Der Begriff Derivat stammt von dem lateinischen Wort "derivare" ab, was ableiten" bedeutet. Ein Derivat ist also eine Ableitung, ein Abkömmling. Sehr häufig kommt der Begriff in der Chemie, Pharmazie oder Medizin für verwandte Verbindungen und verarbeitete Medizinprodukte zum Einsatz. So wird von einem Derivat gesprochen, wenn bei chemischen Verbindungen oder Biomolekülen bestimmte Atome oder Atomgruppen durch andere ersetzt werden. Manchmal kann ein Biomolekül durch seine Umwandlung in ein Derivat besser wirken. In anderen Fällen kann das Derivat leichter als dessen Ausgangsmolekül analysiert werden. Blutderivate wiederum sind abgeleitete Medizinprodukte aus Blutkonserven.

Welche Bedeutung besitzen Derivate in der Medizin?

Bestimmte Arzneistoffe können durch die Umwandlung in deren Derivate zum Teil besser verträglich oder wirksamer gemacht werden. Als Beispiel dient unter anderem die Acetylsalizylsäure im Wirkstoff Aspirin, die ein Derivat der Salizylsäure darstellt. Des Weiteren ist das Derivat des sogenannten Acetanilids, das Paracetamol, besser verträglich als die Ausgangsverbindung. Im Organismus erfolgt der Abbau bestimmter Biomoleküle oder Toxine zunächst über die Umwandlung in dessen Derivate. So kann die Bestimmung dieser Verbindungen Rückschlüsse über mögliche Vergiftungen oder Stoffwechselstörungen bringen. Schließlich können auch medizinische Präparate und Arzneimittel aus Blutkonserven gewonnen werden. Diese Produkte werden dann als Blutderivate bezeichnet.

Welche Derivate gibt es in der Pharmazie?

Ein wichtiges pharmazeutisches Produkt ist ein Derivat der Salizylsäure, die Acetylsalizylsäure. Acetylsalizylsäure ist der Wirkstoff von Aspirin. Sie wirkt sowohl schmerzstillend, als auch entzündungshemmend und fiebersenkend. Außerdem hemmt sie die Blutgerinnung. Sie wird aus Salizylsäure durch Reaktion mit Essigsäureanhydrid hergestellt. Salizylsäure ist auch ein biologisch wirksamer Stoff, welcher in den Wurzeln, Blättern und Blüten verschiedener Pflanzen als Pflanzenhormon vorkommt. Für den Menschen besitzt jedoch nur dessen Derivat Acetylsalizylsäure eine medizinische Bedeutung. Des Weiteren ist Paracetamol neben Acetanilid ein Anilinderivat, welches ebenfalls Fieber senken kann. Acetanilid wandelt sich im Körper in Paracetamol um. Allerdings ist die direkte Gabe von Paracetamol in der Regel besser verträglich und wirksamer.

Was sind Blutderivate?

Blutderivate sind medizinische und pharmazeutische Produkte aus den Blutfraktionen von Spendern. Neben einer vollständigen Bluttransfusion können aus dem Spenderblut auch nur einzelne Komponenten verwendet werden. Dabei werden aus den vier Hauptbestandteilen des Blutes, nämlich den Erythrozyten (rote Blutkörperchen), den Leukozyten (weiße Blutkörperchen), den Thrombozyten (Blutplättchen) und dem Blutplasma verschiedene Anteile, sogenannte Fraktionen gewonnen. Diese enthalten wertvolle Hormone, Enzyme, Mineralien, Gerinnungsfaktoren, Antikörper und vieles mehr. Die Fraktionen können beim Fehlen wichtiger Blutbestandteile als Serumkonserve, aber auch als Plasma-, Leukozyten-, Erythrozyten- oder Thrombozytenkonzentrat gegeben werden und unter Umständen Vollbluttransfusionen ersetzen.