Gesundheitslexikon
Gesundheitsbegriffe einfach erklärt

Gesundheitslexikon: Blutegel (Blutegel-Therapie)

Blutegel als saugende Helfer bei vielen Beschwerden

Beim 'medizinischen Blutegel' (Hirudo officinalis) handelt es sich um eine Wurmart, die bereits während der Steinzeit zu medizinischen Zwecken eingesetzt wurde. Sie findet unter anderem Erwähnung in der ayurvedischen Medizin, bei Hippokrates sowie bei Hildegard von Bingen. Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Blutegel-Therapie vorübergehend an Bedeutung; die Behandlung mit chemisch hergestellten Medikamenten rückte in den Mittelpunkt. Im 21. Jahrhundert erlebt die traditionelle Behandlungsmethode ihr Comeback in der Alternativmedizin bei Mensch und Tier.

Blutegel-Therapie: Was ist das eigentlich?

Blutegel werden zur gezielten Blutentziehung eingesetzt. Dabei beißen sich die Egel fest, sägen mit ihren Zähnen die Haut ein und saugen anschließend kleine Blutmengen aus dem Körper. Das Verfahren erinnert ein wenig an den in früheren Zeiten häufig vorgenommenen Aderlass, wobei die entzogenen Blutmengen jedoch wesentlich geringer sind. Die Behandlung mit den blutsaugenden Egeln dient der Entgiftung des Körpers und wirkt sich unter anderem auch positiv auf die Zirkulation in Blut- und Lymphgefäßen sowie auf die allgemeine Wundheilung aus. Neben der Verwendung des – heute vom Aussterben bedrohten – Wurms zur Blutentziehungstherapie findet dessen Speichel auch Verwendung in Sportsalben und Kosmetika.

Ablauf einer Blutegel-Therapie

Je nach zu behandelnder Körperregion wird zunächst eine sitzende oder liegende Position eingenommen. Wichtig ist, dass der Patient in entspannter und angstfreier Verfassung ist und die Hautpartien, an denen die zuvor festgelegte Anzahl Blutegel angesetzt wird, frei von chemischen Duftstoffen sind. Sind diese Rahmenbedingungen nicht gegeben, kann dies dazu führen, dass die Blutegel nicht beißen. Der Biss selbst ähnelt laut Patientenschilderungen dem Stich einer Brennnessel oder eines Insekts. Jeder Blutegel sorgt für einen Blutverlust von etwa 25 bis 45 ml einschließlich des Nachblutens der Wunden. Nach einer Behandlungszeit von etwa 30 Minuten sowie einer Phase des Nachblutens, die der Wundreinigung und Ausleitung dient, folgt das Verbinden der Wunden. Eine Nachkontrolle samt Verbandswechsel findet am folgenden Tag statt.

Anwendungsbereiche

Eine Behandlung mit Blutegeln wird in den meisten Fällen zu Nachsorgezwecken nach plastisch-chirurgischen Eingriffen durchgeführt. Die Wirkstoffe im Speichel der Egel fördern nachweislich die Wundheilung. Weitere häufige Anwendungsbereiche sind Gelenkarthrose und -entzündungen, Tinnitus, Furunkeln und Abszesse, Krampfadern, offene Beine sowie Verspannungen. Da Blutegel-Speichel neben entzündungs- und blutgerinnungshemmenden auch stimmungsaufhellende Substanzen enthält, kann sich die Behandlung auch positiv auf psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angstzustände auswirken. Neben den genannten Anwendungsbereichen besteht traditionell eine Vielzahl weiterer Behandlungsfelder für die Blutegel-Therapie. Ob sie jedoch angesichts einer bestimmten Diagnose wirklich sinnvoll ist, sollte individuell mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.

Behandlungsrisiken

Vereinzelt auftretende Wundinfektionen rund um die Bissstellen können, wenn nötig, mit Antibiotika behandelt werden. Vereinzelt wird in diesem Zusammenhang auch von einem zeitweiligen Anschwellen der Lymphknoten als Reaktion des Immunsystems berichtet. Durch Bisse entstehende Narben verschwinden zumeist innerhalb eines Jahres. Das größte Risiko der Blutegel-Behandlung besteht in der Übertragung von Infektionskrankheiten durch den Egel auf den Patienten. Dieses Risiko kann jedoch stark reduziert werden, sofern bei der Vorbereitung der Blutegel auf die Therapie bestimmte Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden. So müssen therapeutisch verwendete Blutegel eine Quarantäne von 32 Wochen einhalten, bevor sie das erste und einzige Mal zur Anwendung kommen dürfen. Grundsätzlich gilt, dass die Blutegel-Therapie immer einem Spezialisten überlassen werden sollte, um Behandlungsrisiken zu minimieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.

Biberrattenburger gefällig?

Der Essenstrend aus Russland

Biberrattenburger gefällig?

Mehr Ratgeber-Themen