Gesundheitslexikon: Augenmigräne

1. April 2019 - 11:31 Uhr

Augenmigräne - wenn Kopfschmerz ins Auge geht

Stechender Kopfschmerz, Sehstörungen und Magendarmbeschwerden: An Migräne leiden neun Millionen Deutsche. Obwohl Sehstörungen ein häufiges Symptom sind, unterscheidet sich ihre Ausprägung von Migräneart zu Migräneart. Unter Augenmigräne verstehen Mediziner eine Migräneform, die im Akutanfall vorwiegend Sehstörungen hervorruft. Anders als bei retinaler Migräne treten die Augenbeschwerden bei ophthalmischer Migräne im Sinne der Augenmigräne beidseitig auf. Auch vestibuläre Migräneanfälle oder Migräne mit Aura rufen Sehstörungen hervor. Bei Migräne mit Aura beschränken sich die Augenprobleme auf die Anfall-Vorphase, während sie bei vestibulärer Migräne geringfügiger ausfallen.

Was ist Augenmigräne?

Für Patienten mit Augenmigräne geht Migränekopfschmerz im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge. Während einem Anfall sehen sie auf beiden Augen eingeschränkt oder nehmen ihre Umwelt nur noch verschwommen wahr. Dieser beunruhigende Zustand ruft Panik hervor. Trotzdem geht Augenmigräne selten mit bleibenden Schäden einher. Die kurzweiligen Anfälle entsprechen kurzzeitigen Sehstörungen beider Augen und halten durchschnittlich zwischen fünf und zehn Minuten an. Nur selten dauert Augenmigräne einige Stunden bis zu einem halben Tag. Die Migräneform betrifft vor allem junge Erwachsene und entsteht durch Blutzirkulationsstörungen im Sehrindenbereich.

Ursachen: Trigger-Faktoren bei ophthalmischer Migräne

Bisher sind die Ursachen für Augenmigräne nicht eindeutig geklärt. Laut vielen Wissenschaftlern begünstigen vermutlich unterschiedliche Risikofaktoren ophthalmische Migräneanfälle. Diese können unter anderem folgende sein:

- Stress

- grelles Licht

- Hormonschwankungen

- orale Verhütungsmittel

- Alkoholkonsum

- Hungergefühle

- Wetterschwankungen

- Nahrungsmittelinhalte wie Natriumglutamat

- bestimmte Medikamente

Diese sogenannten Trigger lösen im Sehrindenbereich Gefäß- oder Nervenstörungen aus. Wissenschaftler halten genetische Fehlregulationen von Gehirnblutgefäßen für eine Migräneveranlagung. Für Augenmigräne geht die wissenschaftliche Welt mittlerweile von Erregungshemmungsungleichgewichten an Nervenverbindungsbahnen der Sehnerven aus.

Symptome und Diagnose

Prinzipiell sind bei Augenmigräneanfällen alle Migränesymptome denkbar. Allerdings stehen Augenbeschwerden wie Gesichtsfeldeinschränkungen, Flimmern, Lichtblitze und Schwindel im Fokus. Kopfschmerzen begleiten diese Beschwerden nicht immer. Dafür treten oft Panikattacken auf. Bei starker Ausprägung ruft ophthalmische Migräne teils optische Halluzinationen hervor. Die meisten Patienten erleben Augenmigräneanfälle immer wieder mit denselben Symptomen. Selten entwickelt sich Augenmigräne zu ophthalmoplegischer Migräne mit Augenmuskellähmungen. Falls Sie einen Augenmigräneanfall erleiden, nehmen Sie besonders nach dem ersten Anfall Kontakt zu einem Neurologen auf. Über Untersuchungen schließt er ernst zu nehmende Erkrankungen als Ursache für Ihre Sehstörungen aus. Neben Elektroenzephalogramm und Ultraschall-Untersuchungen werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnet-Resonanz-Tomografie durchgeführt. Gehirnauffälligkeiten lassen sich an Migränepatienten selten nachvollziehen. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose.

Behandlung und Vorbeugung

In den meisten Fällen erfordert Augenmigräne anders als andere Migräneformen keine Medikamente. Bei Anfällen hilft ein entspannendes Nickerchen in ruhiger Umgebung. Wer an heftigeren oder lang anhaltenden Beschwerden leidet, greift auf Schmerzmittel und Migränetherapeutika zurück. Oft erkennen Augenmigränepatienten nach mehreren Anfällen ihre Trigger und gehen ihnen aus dem Weg, um zukünftigen Anfällen vorzubeugen. Diese Trigger sind individuell. Bei gehäuft auftretenden Attacken sind Arztbesuche notwendig, um Netzhautablösungen zu verhindern. Empfehlenswert ist ein Migränetagebuch, das Ihnen während der ersten Augenmigräneanfälle bei der Dokumentation der Umstände behilflich ist. Über die Aufzeichnungen lassen sich Trigger-Faktoren relativ schnell identifizieren und anschließend minimieren.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.